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Der neue Präsident der Cusanus Hochschule Bernkastel-Kues hat seine Antrittsvorlesung gehalten

AUS DEM ARCHIV: Oktober 2019 : Das Klima spielt gleich mehrfach eine Rolle

Der neue Präsident der Cusanus Hochschule Bernkastel-Kues hat seine Antrittsvorlesung gehalten. Kurz streiften Professor Reinhard Loske  und andere Redner auch die Krise zum Jahresbeginn. Damals sorgte das Aus des Studiengangs Philosophie für Ärger.

Wort des Jahres? Da fällt einem sofort der Begriff Klimawandel ein. Dass die Antrittsrede von Professor Dr. Reinhard Loske, seit 1. April Präsident der Cusanus Hochschule Bernkastel-Kues, den Titel „Die Klimablindheit der Ökonomie überwinden“ trägt, ist aber nicht dem Zeitgeist geschuldet. Loske, im früheren Leben unter anderem Senator in Bremen und Bundestagsabgeordneter (beides für die Grünen), forscht seit 30 Jahren auf diesem Gebiet. In den 1990er Jahren hat der Volkswirtschaftler seine Arbeiten zu Klima, Umwelt, Energie und Ökologie in mehreren Büchern dokumentiert. Der neue Präsident der seit 2014 bestehenden Cusanus Hochschule tritt natürlich an, um auch die Studenten und letztlich die Gesellschaft für dieses Thema weiter zu sensibilisieren.

Er hat dafür in Bernkastel-Kues ein ideales Betätigungsfeld. Die Cusanus Hochschule, die ursprünglich auf den Säulen Philosophie und Ökonomie stand, hat in diesem Jahr ihre Ausrichtung geändert. Philosophiestudenten werden nicht mehr angenommen. Der eindeutige Schwerpunkt liegt auf der Ökonomie (der TV berichtete mehrfach). Das hat nach Angaben der Hochschule damit zu tun, dass die Finanzierung des Betriebs nur durch ein Mehr an Drittmitteln (Spenden und Forschungsaufträge) für die Ökonomie gewährleistet ist. Die Hochschule ist zwar staatlich anerkannt, bekommt aber keine öffentlichen Mittel.

Es wird zwar damit geworben, dass der Studiengang Ökonomie „philosophisch inspiriert“ ist. Bei den Kommunalpolitikern, zum Teil geistige Väter der Hochschule und auch Mitglieder im Kuratorium der Hochschule, war der Unmut aber groß, als die Hochschule Anfang des Jahres den Studiengang Philosophie zu Grabe trug. Dass sei eine Missachtung des Auftrags, mit dem sie im Sinne von Nikolaus Cusanus an den Start gegangen sei, hieß es. Alex Licht (CDU), Landtagsabgeordneter und Vorsitzender der Kueser Akademie für Europäische Geistesgeschichte, dem Vorläufer der Hochschule, ist immer noch verbittert und spricht weiter von einem „geistigen Betrug“. Den kreidet er Silja Graupe an, der Leiterin des Instituts für Ökonomie. Sie war in der Zeit des Streits kommissarische Präsidentin.

Der Streit wird an diesem Abend nur kurz gestreift. Namen werden keine genannt. „Wir hatten eine veritable Krise und haben Lehrgeld bezahlt. Nach der Krise haben wir viel Zuspruch“, sagt Loske. „Mit sehr viel Engagement haben wir uns aber nach vorne ausgerichtet“, fügt er an. Und er weist auch daraufhin, dass die Philosophiestudenten, die sich vor dem Aufnahmestopp immatrikulierten, ihr Studium unter „guten Bedingungen“ zu Ende führen könnten. Auch Kanzler Frank Vierheilig und Silja Graupe gehen kurz auf die „Turbulenzen“ ein.

Im Mittelpunkt steht in der Güterhalle in Kues aber die Antrittsrede von Reinhard Loske. Der 60-Jährige spricht Vieles an, was derzeit tagtäglich Schlagzeilen liefert. Er fordert unter anderem eine Ökonomie des Teilens (gemeinsames Nutzen von Gütern), eine Ökonomie der Langlebigkeit (keine Wegwerfgesellschaft, kein geplantes Kaputtgehen) und eine Ökonomie, die viel mehr auf die regionalen Angebote und Möglichkeiten achtet.

Loskes Feld ist groß. „In der Agrar- und Verkehrspolitik stehen wir immer noch auf der Bremse“, kritisiert er. Nur in eine Richtung zu denken, sei auch der falsche Weg. „So sollten wir die Verkehrsdebatte nicht auf das Elektroauto reduzieren“, fordert er.

Einer seiner Hauptvorwürfe: „Das Klimaproblem wird von den meisten Ökonomen herunter geredet“. Und: „Jeder sieht nur seinen Nutzen vor den Augen.“ Keiner wolle beim Klimaschutz Vorreiter sein. „Denn dann könnten diejenigen, die nicht nachziehen, Vorteile haben“. An einem gehe kein Weg vorbei. „Nicht erneuerbare Ressourcen müssen durch erneuerbare ersetzt werde.“

Die Cusanus Hochschule mit ihren derzeit etwa 150 Studierenden, darunter 28 neue Bachelor- und Masteranwärter, will ihren Beitrag leisten. Nach Auskunft von Silja Graupe wird überlegt, den Schwerpunkt der zukünftigen Arbeit unter den Aspekt „Gesellschaftsgestaltung“ zu stellen.

Ein weiterer Bericht zum aktuellen Verhältnis der Cusanus Hochschule zur Kommunalpolitik folgt am Montag auf volksfreund.de und in der Dienstagsausgabe.