Der Ökumenische Hospizdienst Wittlich leistet seit zwei Jahrzehnten ambulante Arbeit.

Hilfsangebot : Hilfe in den letzten Tagen

Der Ökumenische Hospizdienst Wittlich feiert zwei Jahrzehnte ambulante Arbeit. Eine Projektgruppe soll bis Ende 2019 die Einrichtung eines stationären Hospiz für den Kreis prüfen.

 Ans Ende des Lebens denkt niemand gerne. „Sterben und Tod sind die letzten Tabus in unserer Gesellschaft“, sagt Dechant Johannes Jaax. Dabei gehört der Tod genauso zum Leben wie die Geburt. Und es ist wichtig, sich mit der letzten Lebensphase zu beschäftigen. Für den Einzelnen, ihre Familien und Angehörigen, aber auch für die Gesellschaft als Ganzes. 

„Die Beschäftigung mit dem Tod ist die Seele von Kultur. Kein anderes Lebewesen setzt sich so damit auseinander“, philosophierte Wittlichs Bürgermeister Joachim Rodenkirch bei der Feier zum 20-jährigen Bestehen des Ökumenischen Hospizdienstes Wittlich.
Moderiert von Harald Szczepanowski von der Evangelischen Kirchengemeinde Wittlich und musikalisch begleitet vom Gitarrenensemble Allegristas der Kreismusikschule Bernkastel-Wittlich feierte die Initiative im St.-Markus-Haus in Wittlich ihren Geburtstag. Zwei Jahrzehnte, in denen unheilbar kranke Menschen und ihre Angehörigen begleitet werden. „Sie geben den Sterbenden die Möglichkeit, bis zuletzt zu leben“, lobte der Kreisbeigeordnete Robert Wies in Vertretung von Landrat Gregor Eibes die Helfer.
Eine schwere Aufgabe, der zurzeit rund 50 ehrenamtliche Hospizbegleiter im gesamten Kreisgebiet nachgehen. 14 Frauen wurden zum Abschluss ihres Befähigungsseminars, wie sich die Ausbildung zum Hospizbegleiter nennt, in einem Entsendungsgottesdienst gesalbt und gesegnet. Eineinhalb Jahre lang haben sie gemeinsam gelernt,  ein Gefühl dafür entwickelt, wie man mit Menschen kurz vor ihrem Tod und mit deren Angehörigen umgehen muss. „Für die Familien ist es oft schwer, einen Hospizdienst zuzulassen, weil es so etwas Endgültiges ist“, erklärt Maria Groß vom Ambulanten Hospiz- und Palliativ-Beratungsdienst des Caritasverbands Mosel-Eifel-Hunsrück, die als eine von drei Hauptamtlichen die Arbeit der Ehrenamtlichen koordiniert (siehe Info).

Oft hätten die Sterbenden aber sehr reflektierte Vorstellungen, erzählt Groß: „Die sagen: Ich möchte in meiner letzten Lebensphase noch dies und jenes umsetzen und dazu brauche ich Hilfe.“
Ob die ambulante Hilfe im Kreis Bernkastel-Wittlich durch ein stationäres Hospiz erweitert werden kann, soll bis zum Ende des aktuellen Jahrzehnts geprüft werden. „Hier in der Region haben wir einen weißen Fleck“, stellte Hanne Benz von der Projektgruppe Hospizliche Zukunft in Wittlich fest.

Festgestellt werden muss, ob für ein Hospizhaus im Kreis mit acht bis zwölf Plätzen Bedarf besteht und wenn ja, wie es langfristig finanziert werden kann. Dazu soll es am 19. April im Jugendheim St. Bernhard in Wittlich eine Informationsveranstaltung geben.
Entscheidend ist aber nicht der Bau eines Hauses, sondern dass sich der Gedanke, dass jede Phase zum Leben gehört, im Bewusstsein der Gesellschaft verankert.

„Hospiz ist nicht eine Einrichtung, sondern eine Haltung, wie man mit Menschen am Ende des Lebens umgeht“, fasste es Bianca Anzenhofer vom Dekanat Wittlich zusammen.

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