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Der Papst kann den Gläubigen in Hinzerath nicht helfen

Der Papst kann den Gläubigen in Hinzerath nicht helfen

Eine Hinzerather Bürgerin hat wegen stiller Kirchenglocken nach Rom geschrieben. Hintergrund sind die sanierungsbedürftigen Gotteshäuser.

Hinzerath Wer an den Papst schreibt, dem muss ein Problem unter den Nägeln brennen. Aber wenn dieser auch noch antwortet, dann ist das ein Grund zur Freude, so wie bei der Hinzeratherin Angelika Voigt. Dafür hat sie vom Hinzerather Ortsvorsteher Hermann Moseler als Anerkennung sogar eine Flasche Wein überreicht bekommen. "Ich habe gedacht, der antwortet nie", sagt er.

Doch was war der Grund, dass Voigt sich an den höchsten Geistlichen der katholischen Kirche gewandt hat? Sie vermisst, wie ihre Vorstandskolleginnen von der Hinzerather Frauengemeinschaft, das Läuten der Kirchenglocken. Zwar hat der 440 Einwohner zählende Ort zwei Gotteshäuser. Doch seit mehreren Jahren läuten die Glocken nicht mehr, da beide Kirchen renovierungsbedürftig sind, so auch die Aufhängung der Glocken.

In der neuen Kirche ist der Glockenstuhl zudem durch Taubendreck in Mitleidenschaft gezogen. Ein Zustand, den Voigt beklagt. "Keiner kann mehr den Klang der Glocken hören und daran erinnert werden, dass der Ruf der Glocken eine starke Bindung zu unserem Herrn bedeutet", schreibt sie an den Papst. Zudem sei es sehr bitter und traurig, dass keine Glocken mehr läuten, die einen Verstorbenen auf seinem letzten Weg zu seinem Herrn begleiten. "Ohne Geläut ist es ein totes Dorf", beschreibt ihre Vorstandskollegin Irmgard Christ die Auswirkungen der verstummten Kirchenglocken.

Zwar ist der Ruf nach Hilfe in Rom gehört worden, wie das Antwortschreiben zeigt. Doch verweist Prälat Paolo Borgia, der das Antwortschreiben im Vatikan verfasst hat, darauf, dass die geschilderte Angelegenheit in die Zuständigkeit der kirchlichen Stellen vor Ort falle und der Heilige Stuhl diesbezüglich nicht tätig werden könne.
Doch auch wenn die Bitte um Hilfe aus Rom nicht erfüllt wird, ist es möglich, dass es nicht allzu lange dauert, bis in Hinzerath die Glocken wieder läuten, sagt Pfarrer Michael Jacob. Grund sind die Bemühungen der Pfarrei, die neue Kirche aus dem Jahr 1959 zu verkaufen und die alte Kapelle aus dem Jahr 1669 wieder in Wert zu setzen. Zwar hatten die Hinzerather Gläubigen in einer Befragung dafür votiert, die neue Kirche zu renovieren, das Bistum hatte dies jedoch abgelehnt, da das Gotteshaus aus dem Jahr 1959 zu groß sei (der TV berichtete mehrfach).

Doch sei eine Förderung zur Renovierung der Kapelle zugesagt, auch wenn deren Höhe und der Zeitpunkt dafür noch nicht feststehen, sagt der Morbacher Pastor. "Ich bin froh, dass das Bistum es auch so sieht, dass die kleine Kapelle wieder in Wert gesetzt wird", sagt er. Derzeit verhandelt Jacob mit möglichen Interessenten für die neue Kirche und kann zum jetzigen Zeitpunkt nur wenig Konkretes zur Renovierung der Kapelle sagen. Doch eines stellt er in Aussicht: "Wir werden nächstes Jahr auf jeden Fall anfangen." Und dann werden auch die Glocken für die Hinzerather Gläubigen irgendwann wieder läuten - allerdings in der Kapelle.Meinung

Ein Meinungsverstärker für das Bistum
Das Glockenläuten gehört zur christlichen Kultur dazu. Es ist eine lange Tradition, die für viele Menschen identitätsstiftend ist. Dazu gehört zum Beispiel das Angelusläuten, das den Zeitpunkt anzeigt, an dem die Kirche geöffnet oder geschlossen wird, oder das Läuten bei einer Hochzeit, einer Totenmesse und bei Feiertagen. Das vermissen die Hinzerather völlig zu Recht. Vielleicht war es auf den ersten Blick abenteuerlich, gleich das Oberhaupt der katholischen Kirche anzuschreiben, aber die Antwort aus dem Vatikan beweist: Auch kleine Gemeinden jenseits der Alpen werden in Rom wahrgenommen. Dass der Papst nun nicht höchstpersönlich mit dem Scheckheft anreist, um die Glocken zu bezahlen, war im Vorfeld gewiss jedem klar. Aber diese hochoffizielle Antwort ist ein prima Meinungsverstärker für das zuständige Bistum Trier in Hinzerath nun endlich glockenmäßig klar Schiff zu machen. hp.linz@volksfreund.de