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Glaube im Alltag: Der Papst und das Nadelöhr

Glaube im Alltag : Der Papst und das Nadelöhr

Papst Franziskus trägt goldenen Hausrat vor die Tür des Vatikans und stellt ihn neben einen bereits dort lagernden Berg von weiteren Wertgegenständen aus dem Prachtbau. Daneben ein Schild: „Zu verschenken an die, die es nötig haben!“ Im Hintergrund stehen zwei schwergewichtige Kardinäle in ehrwürdig schwarzem Outfit und sagen: „Er meinte es scheinbar ernst mit dem Kamel und dem Nadelöhr….“

 Nein, diese Szene habe ich nicht beobachtet - sie ist eine von vielen  Karikaturen in einem kleinen Buch, das mir ein lieber Kollege  schmunzelnd gab. Auf nur wenigen Seiten stellt der Karikaturist nicht nur das Wesen von Papst Franziskus treffend dar, sondern macht auf humorvolle Weise deutlich, auf was es im Leben eines Christen wirklich ankommt. Sind Statussymbole in der Kirche wie auch in unserem eigenen Leben wirklich nötig? Warum soll ich „etwas Besseres“ sein als ein Mensch, der ein Leben in Armut lebt. Warum soll ich „mehr sein“ als ein Flüchtling, der alles verloren hat? Warum soll ich die einsame Rentnerin, die niemanden mehr hat auf dieser Welt, „übersehen“?

Wem hat Jesus sich zugewandt, wem Verständnis gezeigt, Heilung geschenkt und vergeben? Papst Franziskus hat all dies verstanden.

Es geht in unserem Glauben nicht um Macht, um zu erreichenden Reichtum und Anerkennung. Es geht um Liebe zu Mitmenschen, Offenheit, Demut, Fairness und Teilen mit denen, die nicht das Glück haben, auf der Sonnenseite zu stehen. Es geht um das verständnisvolle Zuhören, das Zeit schenken, dem steten Begegnen auf Augenhöhe - nein, vielleicht sogar Emporschauen zu dem Menschen, in dem mir Gott vielleicht gerade begegnet.

Der Papst hat in einer weiteren Karikatur sein päpstliches Gewand ausgezogen, steht im Unterhemd bekleidet bei einem Nichtsesshaften und schenkt es diesem. Im Hintergrund sind die Kardinäle entsetzt und der Papst macht deutlich: „Was ist ein Skandal? Ein Papst ohne Soutane oder frierende und hungernde Menschen inmitten von Reichtum?“ Der Karikaturist hat verstanden, worum es geht. Verstehen wir es auch?

Rainer Martini, Caritas der Gemeinde, Caritasverband Mosel-Eifel-Hunsrück