Der Premierengast plaudert aus dem Nähkästchen

Der Premierengast plaudert aus dem Nähkästchen

Wer an der Mosel über klassische Musik spricht, kommt an Hermann Lewen nicht vorbei. Er brachte dieses Genre vor mehr als 30 Jahren dem breiten Publikum näher. Anfangs musste er dicke Bretter bohren.

Bernkastel-Kues. Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Wenn einer seit mehr als 30 Jahren die kulturelle Szene in der Region prägt, dann kann er noch viel mehr erzählen - besonders, wenn er Hermann Lewen heißt. Der braucht seinen vier Enkeln abends nichts vorzulesen, er muss nur aus seinem Leben erzählen, dann schlafen die fest und friedlich. Apropos Enkelkinder: Die wird er ab 2017 auch im Sommer öfter sehen können. "Bisher war das nicht gut möglich, weil im Sommer das Mosel Musikfestival läuft", erzählt er in der Akademie Kues.
Deren Leiter Stefan Bischoff hat eine neue Veranstaltungsreihe ins Leben gerufen. Bekannte Leute aus der Stadt erzählen von ihrer Tätigkeit und, wenn sie wollen, auch etwas über sich selbst. Eines ist schon klar. Es wird schwer sein den Premierengast zu toppen.
Wenn der aus seiner Anfangszeit in Bernkastel-Kues erzählt, glaubt sich der Zuhörer in eine andere Zeit versetzt, obwohl sie erst 33 Jahre zurückliegt. Zwischen dem ersten Kontakt und seiner Einstellung lagen nur fünf Tage, als Büro diente anfangs der Sozialraum im Verwaltungsgebäude der Verbandsgemeinde und das Gehalt war zwei Stufen niedriger als beim vorigen Arbeitgeber, der Stadt Wittlich. Der Wille in Bernkastel-Kues, wo damals die Mosellandhalle gebaut wurde, etwas aufzubauen sei aber riesengroß gewesen.
Klassik in die Region bringen


Lewens Aufgabe bestand anfangs vor allem darin, den Gästen der Reha-Kliniken etwas zu bieten. Doch Halligalli und die Mischung aus Tango und Fango machten ihn nicht glücklich. Lewen war damals schon Klassikfan. Andere Leute davon zu überzeugen, sei aber schwer gewesen - nicht nur in der Region. Künstler und Agenturen hätten oft gar nicht gewusst, wo Bernkastel-Kues liegt. Der damalige Bürgermeister der Verbandsgemeinde, Wilhelm Kreutzberg, habe sich dann breitschlagen lassen 15 000 Mark für Konzerte in Kloster Machern (innen und außen) zu geben. Lewen wollte das Geld nur als Bürgschaft. Er brauchte sie nicht. "Der Verkauf der Eintrittskarten deckte die Kosten", erzählt er. Aus einem zweijährigen Rhythmus der Konzertreihe mit klassischer Musik wurde schnell ein jährlicher Zyklus.
Mehr als 1500 Veranstaltungen


Der Radius wurde größer und erstreckte sich mehr und mehr auf die ganze Region, weil auch die Geldgeber an verschiedenen Orten saßen und sitzen. Aktuell verfügt das Mosel Musikfestival über einen Etat von etwa einer Million Euro. 2016 stehen 67 Konzerte an 40 Spielstätten auf dem Programm. Insgesamt organisierte Lewen in diesem Rahmen mehr als 1500 Veranstaltungen auf 83 Bühnen. "95 Prozent dieser Konzerte habe ich miterlebt und am Ende meistens die Besucher am Ausgang verabschiedet", sagt er.
Dem 63-Jährigen wird nachgesagt die Gabe zu besitzen noch unentdeckte Talente gefördert zu haben. Im Gegenzug kämen sie immer noch zu Freundschaftspreisen. In den 1980er Jahren zapfte Lewen auch einen Topf an, aus dem Auftritte von Stars aus der damals noch existierenden DDR verpflichtet wurden. Und so standen unter anderem Ludwig Güttler (Trompete), der Tenor Peter Schreier und der Opernsänger und Entertainer Gunter Emmerlich an der Mosel auf der Bühne.
Das Erfolgsrezept war offenbar einfach und auch dafür verantwortlich, dass er so lange die Strippen ziehen konnte. Lewen: "Man hat mich machen lassen." Die größten Probleme habe er mit Kommunalpolitikern gehabt, die immer ein Auge auf die Finanzen gehabt hätten. Es habe auch mehrfach finanzielle Probleme gegeben, aber die Summen seien letztlich "Peanuts", wenn er sehe, was in anderen Bereichen ausgegeben werde.
Eines vergisst er aber auch an diesem Abend nicht. "Ich habe immer exzellente Mitarbeiter gehabt", sagt er.
Nächster Gast in der Veranstaltungsreihe ist am 10. März um 19 Uhr der Unternehmer Robert Orten. cb

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