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Der Prozess um mit Diesel gefüllte Becher in Weinbergen geht weiter. Im Fokus steht ein Einfüllstutzen.

Prozess : Spielt Einfüllstutzen eine Schlüsselrolle?

Der Prozess um mit Diesel gefüllte Becher in mehreren Weinbergen an der Mittelmosel geht in die Verlängerung. Polizisten haben am zweiten Verhandlungstag über eine Hausdurchsuchung bei dem Angeklagten berichtet.

„Es geht um viel. Deshalb der große Aufwand.“ So begründet Richter Oliver Emmer, warum die Parteien auch nach dem zweiten Verhandlungstag das Amtsgericht Bernkastel-Kues ohne Urteil verlassen. Wie berichtet steht ein 57 Jahre alter Mann aus einem Moselort im Verdacht, im September vergangenen Jahres in mehreren Weinbergen seines Nachbarn Becher mit Diesel in der dichten Laubwand deponiert zu haben. In einem Fall riss der eingesetzte Vollernter mehrere Becher runter. Dadurch wurden etwa 3000 Kilogramm Trauben kontaminiert und damit unbrauchbar. Weitere Schäden wurden vermieden, weil die Winzerfamilie mehrere Wingerte absuchte, in denen der Vollernter in den folgenden Tagen eingesetzt werden sollte. Dabei wurden mehr als ein Dutzend mit Diesel gefüllte Becher gefunden.

Der Prozess wird am 15. Juli und am 5. August fortgeführt. Der Julitermin werde nur kurz dauern, sagt Richter Emmer. Da werde die Vorstrafenakte des Angeklagten erörtert. Am 5. August steht dann ab 14 Uhr voraussichtlich ein Einfüllstutzen im Mittelpunkt. Den hatte die Frau des Angeklagten nach eigenen Angaben im September 2018 vor dem Anwesen gefunden und in der Garage deponiert.

 Beamte der Polizeiinspektion Bernkastel-Kues, die am zweiten Verhandlungstag als Zeugen auftreten, geben an, dass der aufgefundene Stutzen stark nach Diesel gerochen habe. Flüssigkeit sei aber nicht festgestellt worden. Auch Kanister seien damals bei einer Hausdurchsuchung  nicht gefunden worden. Der Stutzen, der sich in der Asservatenkammer der Bernkastel-Kueser Polizei befindet, sei aber nicht auf Fingerabdrücke untersucht. Das soll nun nachgeholt werden. Am zweiten Verhandlungstag wird auch das angespannte Verhältnis zwischen dem Angeklagten und der Winzerfamilie, die links und rechts neben ihm über Häuser verfügen, erneut deutlich. Der Angeklagte hat zum Beispiel einen Ordner mit Familienfotos der Winzer angelegt. Die Kläger hatten Kameras auf das Nachbarhaus und sogar einige Fenster gerichtet. Die wurden auf polizeiliches Geheiß wieder abgebaut.

Das alles und noch viel mehr sind die Ergebnisse eines seit Jahren schwelenden Nachbarschaftsstreits. Durch ihn sei der Verdacht aufgekommen, dass der Angeklagte die mit Diesel gefüllten Becher in verschiedene Weinberge gebracht habe. Der Mann bestreitet das. Bei ihm zu Hause und in einem Auto der Familie wurden zwar größere Mengen an Plastikbechern gefunden. Sie weisen aber eine andere Bodenprägung auf, berichten die Polizeibeamten, unter ihnen die stellvertretende Leiterin der Inspektion in Bernkastel-Kues.

Einer ihrer Kollegen spricht in Zusammenhang mit den Bechern, den Fotos und dem Einfüllstutzen von einer reinen Indiziensammlung. Dazu passt auch, dass der Angeklagte sinngemäß zu der Polizistin gesagt haben soll: „Wenn sie wüssten, was die schon alles über uns gesagt haben, könnten Sie verstehen, wenn man mal ausrastet.“