Der Rausch aus dem Internet

Was drin steckt, weiß niemand so genau. Aber sie haben berauschende Wirkung: Kräuter- und Räuchermischungen sowie Badesalz, die im Internet angeboten werden. Der Konsum dieser neuen Drogen kann tödlich enden. Im Haus der Jugend haben Experten über die sogenannten Legal Highs, Drogen und Sucht diskutiert.

Wittlich. Seit etwa sieben Jahren drängen sogenannte Legal Highs auf den Markt. Als Kräuter, Räuchermischungen, Badesalz oder Reiniger ausgegeben, sind die Substanzen darin alles andere als legal und ungefährlich. "Was diese Mittel für Langzeitwirkungen haben, kann man überhaupt nicht abschätzen", sagt Heike Raskob. Als Kriminalhauptkommissarin kennt sie sich mit dem Thema aus: Sie ist in Wittlich zuständig für Drogendelikte von unter 21-Jährigen. Vor allem in dieser Altersgruppe verzeichnet die Polizeiinspektion Wittlich in der Kriminalitätsstatistik 2013 "einen starken Anstieg von Drogendelikten".
Konkrete Zahlen könne sie nicht nennen, sagt Raskob, die mit Experten der Suchthilfe auf dem Rosa Sofa im Haus der Jugend vor gerade einmal 15 Zuhörern über das Thema informiert. Auch wenn das Interesse gering scheint, das Thema ist brisant: Im November 2013 war ein Mann in Wittlich nach dem Konsum von Kräutern ins Koma gefallen und ist seit dem Erwachen bis heute ein Pflegefall. 2011 spuckte ein 16-jähriger Wittlicher nach dem Rauchen von Kräutern Blut (der TV berichtete). Die Risiken von Legal Highs sind nicht harmlos. Laut einer Studie des Instituts für Sozialpädagogik und Erwachsenenbildung an der Goethe-Universität in Frankfurt haben die Befragten Nebenwirkungen wie Schweißausbrüche, Konzentrationsstörungen, Herzrasen, Kopfschmerzen, Übelkeit, Kreislaufprobleme, Muskelkrämpfe, Bewusstlosigkeit und Angstzustände geäußert. Der Konsum kann auch tödlich enden.
"Legal Highs - der Name ist irreführend", sagt Raskob. Viele der Inhaltsstoffe unterliegen dem Betäubungs-, zumindest aber dem Arzneimittelgesetz. "In den vergangenen Jahren wurde durchschnittlich jede Woche eine neue psychoaktive Substanz in der EU entdeckt. Seit 1997 haben die Mitgliedstaaten mehr als 300 Substanzen entdeckt, und ihre Zahl hat sich zwischen 2009 und 2012 verdreifacht (von 24 im Jahr 2009 auf 73 im Jahr 2012)", heißt es in einer Mitteilung der Europäischen Kommission. Und "es fehlt an wirksamen Möglichkeiten für Kontrollmaßnahmen, die ein rasches und gezieltes Handeln gestatten". Das bestätigt Raskob und erklärt, dass eine Veränderung der gesetzlichen Grundlangen ein langwieriger Weg sei. "Das gleicht einem Kampf gegen Windmühlenflügel." Die Internet- oder Head-Shops, die die Substanzen vertreiben, säßen häufig im Ausland, da gebe es kaum eine Handhabe, den Handel zu unterbinden.
"Den Leuten, die das Zeug verkaufen, geht es ums Geldverdienen, nicht um die Folgen für die Konsumenten", sagt Siegolf Lützig vom Verein "Jugend Sucht Hilfe". Die Organisation will Anlaufstelle für Jugendliche mit Drogenproblemen sein. Hilfe bietet auch die Suchtberatung der Caritas. Jugendliche haben sich kaum für das Thema interessiert.Extra

Der Konsum der in den sogenannten Legal Highs enthaltenen Substanzen ist strafbar, wenn diese unter das Betäubungsmittelgesetz fallen. Ist dies nicht der Fall, greift das Arzneimittelgesetz, das aber nur Herstellung und Verkauf unter Strafe stellt. Als Legal Highs werden unter anderem Reiniger, Kräuter- und Räuchermischungen sowie Badesalz angeboten. Darin sind diverse psychoaktive Stoffe zu finden. 2011 wurden dem Frühwarnsystem der EU 49 neue Substanzen gemeldet, es gibt immer wieder neue chemische Zusammensetzungen. Außerdem sind im Internet Anleitungen zu finden, wie man verschiedene Produkte mischt. Kommissarin Heike Raskob: "Das kann eine fatale Wirkung haben, die man nicht abschätzen kann. Man weiß nie, was und wie viel der Substanzen enthalten sind." cofi