Der Spagat gelingt seit 14 Jahren

BERNKASTEL-KUES. Drei Säle - insgesamt 255 Plätze. In eine Großstadt wäre ein solches Kino unwirtschaftlich. In Bernkastel-Kues wird versucht, Kommerz und hochwertige Kultur zu verbinden.

Es war im Jahr 1988: Das Kino in Bernkastel-Kues stand auf der Kippe. "Die Alternative war eine Spielhalle", sagt Ulf Hangert, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues. Eine solche Nutzung schmeckte den Politikern nicht, deshalb übernahmen Verbandsgemeinde und Stadt das Kino. Einiges ist seither investiert worden, zuletzt 135 000 Euro in eine Modernisierung von Heizung und Lüftung. Nun steht eine weitere große Investition an: 215 000 Euro. Dafür werden unter anderem die Terrasse überdacht, ein Behinderten-Aufzug gebaut und die im Erdgeschoss liegenden gastronomisch genutzten Räume saniert. Die Investitionen muss die VG mittlerweile alleine tragen, da die Stadt aus der Trägerschaft ausgeschieden ist.Lewen: Das ist ein mutiger Schritt

"Wir können es uns nicht leisten, in einer Tourismus-Hochburg kein Kino vorzuhalten. Wir müssen es für Kinder, Jugendliche und Familien sogar vorhalten", begründet Ulf Hangert den Schritt, den Kino-Geschäftsführer Hermann Lewen als "mutig" beschreibt. "Es ist nicht leicht, ein Kino zu betreiben und auch noch Geld zu investieren", sagt er. Derzeit gehe es der Kinowirtschaft nicht "besonders gut". Lewen: "Wir sind abhängig von Filmangebot und das war zum Beispiel im vergangenen Jahr nicht gut." In Bernkastel-Kues wird seit Jahren der Spagat probiert. Kommerzielle Filme sind unerlässlich, um Geld einzuspielen. Daneben gibt es Nischen (Kirche im Kino, spezielle Programm für Schulen und Jugendliche, Frauenkino, Kino und Wein, Kino im Kurgastzentrum). In diesem Jahr sollen Freilichtaufführungen auf dem Gelände von Kloster Machern hinzukommen. Mit dem Angebot werde, laut Hangert, eine Gegenposition zum "Analphabetismus, der im Fernsehen läuft" eingenommen. Die Zahlen bestärken die Macher. Nach Auskunft von Hermann Lewen wird in diesem Jahr der 800 000. Besucher seit der Übernahme erwartet. 80 Prozent der Kinobesucher seien unter 30 Jahre alt. Deshalb spricht Hangert von einem "jugendkulturellem Zentrum". In diesem Zusammanhang betont Lewen, dass im Kino keine Alcopops verkauft werden und dass das auch so bleiben wird. Doch es gibt auch Schwachstellen: ein enges Foyer und eine bisher ungenutzte Terrasse. Um das Foyer zu entlasten, wird die Terrasse verglast und überdacht. "Dort können sich Besucher ohne Konsumzwang aufhalten", betont Lewen. Wo jetzt noch ein Garage steht, wird ein Behinderten-Aufzug gebaut. Schließlich wird auch Wert auf ein gutes kulinarisches Angebot gelegt. Im Erdgeschoss wird die Trendgastronomie Einzug halten: ein Imbiss auf der Basis der asiatischen Wok-Küche. Dieser Betrieb läuft zwar autonom, doch hoffen Lewen und Hangert sowie der Kinobeirat auf eine gegenseitige Befruchtung. Die Bauarbeiten werden in der nächsten Woche beginnen. Bis 1. September sollen sie abgeschlossen sein. Eine Beeinträchtigung des Kinobetriebs soll es nach Auskunft von Hermann Lewen nicht geben.

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