Der Stadtpark als Spielwiese für neue Ideen

Der Stadtpark als Spielwiese für neue Ideen

Wittlichs Stadtpark ist schön gelegen. Er wäre idealer Ort für Veranstaltungen unter freiem Himmel. Die sind bislang nur eingeschränkt möglich, weil das Gelände im Wasserschutzgebiet liegt. Möglicherweise ändert sich das, denn es gibt neue Erkenntnisse über Grundwasserströme.

Wittlich. Flanieren, Fußball spielen, Hunde ausführen, Handstand üben, joggen und jonglieren: All das darf man im Stadtpark. Bei offiziellen Veranstaltungen wird's schwierig: Fürs Kino-Open-Air und die Ausstellung "Kunst an Hecken und Zäunen" muss eine Sondererlaubnis her, denn der Stadtpark liegt im Wasserschutzgebiet. Genau genommen ist er "Wasserschutzzone zwei" - so der korrekte Begriff, in der fast alles tabu ist, was viele Menschen lockt, denn er dient der Trinkwassergewinnung. Drei von sechs Brunnen der Stadtwerke liegen dort: zwei nahe dem Rommelsbach-Parkplatz an der Lieser, einer nahe dem Schwimmbad. Bislang dachte man, sie würden aus Nordwesten - grob gesagt aus Richtung Pichterberg - mit Wasser versorgt.

Wasser fließt unter der Lieser



"Angeströmt" nennen das die Experten. Das heißt, von dort fließe das Grundwasser auch zu diesen Brunnen. Ein neues Gutachten über die Grundwasserverhältnisse kommt zu einem anderen Schluss: Das Wasser für die zwei Brunnen nahe dem Parkplatz kommt aus Nordosten und drückt sich unter der Lieser durch. Das schließt man aus seiner mineralischen Zusammensetzung. Kurzum: Die Lieser ist nicht wie bisher angenommen, eine Grenze. "Das hat theoretisch zur Folge, dass die Wasserschutzzone so nicht stimmt. Ergebnis wäre, dass wir im Nordosten Wittlichs, also vom Pleiner Weg bis zur Koblenzer Straße, ein Wasserschutzgebiet ausweisen müssten, was faktisch Quatsch wäre", sagt Stadtwerkeleiter Lothar Schaefer. Denn dort ist alles bebaut, das Wasser kann gar nicht mehr besonders geschützt werden. Deshalb überlegt man, die beiden betroffenen Brunnen zu schließen und quasi im Reservestatus zu halten. "Damit wäre die Problematik aus der Welt, und so könnten wir immer noch Wittlich versorgen", sagt Lothar Schaefer. Außerdem planen die Stadtwerke eine aussichtsreiche Versuchsbohrung auf einem stadteigenen Grundstück zu Füßen des Portnersbergs, der Weinlage weit oberhalb des Schwimmbads: "Der Standort würde zu hundert Prozent von oben angeströmt. Und der Geologe wettet quasi auf ein qualitativ gutes, großes Grundwasservorkommen. Dann könnten wir die Wasserschutzzone im Stadtpark verkleinern."

Die bisherigen Beschränkungen blieben dann nur noch für etwa die Hälfte der Flächen. Und zwar in Richtung Schwimmbad, wo der dritte Brunnen, der nicht betroffen ist, in Betrieb bleibt. "Dieses Jahr wollen wir mit der Versuchsbohrung beginnen. Die Mittel sind im Wirtschaftsplan eingestellt. Alles in allem wird das etwa 40 000 Euro kosten", sagt Lothar Schaefer.

Zuletzt war beim Kultur-Forum vor über einer Woche der Stadtpark Thema. Viele wünschen sich dort einen Veranstaltungsort. Bürgermeister Joachim Rodenkirch sagte dazu: "Dann müssen wir immer die Wasserbehörde anschreiben. Auch ich sehe im Stadtpark riesige Entwicklungspotenziale, wenn wir einen neuen Brunnen außerhalb haben."

EXTRA WASSERSCHUTZGEBIET



Brunnen: Wittlich ist mit seinen sechs Brunnen in Sachen Trinkwasser autark. Drei davon liegen im Bereich Stäreberg (Rommelsbach in Richtung Failzer Wald), drei liegen nahe der Lieser im Bereich Seiberich im Stadtpark. Sie gehören zur Wasserschutzzone zwei (eins ist eine Zone direkt um die Brunnen, drei ein größerer Bereich bis nach Bergweiler/Hupperath). Für die Schutzzone zwei gelten strenge Bestimmungen, um Trinkwasser vor Verunreinigungen etwa durch Keime zu schützen. sos