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Der Stadtrat will den Kuesern helfen

Der Stadtrat will den Kuesern helfen

In der Vergangenheit ist viel Geld in den touristisch geprägten Stadtteil Bernkastel geflossen. Manche Kueser fühlen sich vernachlässigt. Das soll sich ändern. Unter anderem ist ein Sanierungskonzept im Gespräch.

Bernkastel-Kues. Der Stadtteil Kues ein Anhängsel des mittelalterlichen Stadtteils Bernkastel, in den alles Geld fließt? Diese Diskussion kommt regelmäßig auf. Die Moselbrücke eint nicht immer, sondern trennt manchmal immer noch. Dabei profitiert auch Kues von den zahlreichen Tagesgästen und Urlaubern. Ganz aktuell ist aber durch das geplante Baugebiet im Kueser Lieschberg Unmut aufgekommen. Nicht wenige Bürger wollen, dass erst einmal etwas für den alten Teil von Kues gemacht wird (der TV berichtete).
Ob Zufall oder nicht: Gleich drei Fraktionen des Stadtrates haben sich am Donnerstagabend zu dieser Thematik zu Wort gemeldet. Die FDP möchte den Altkuesern mit einem Sanierungskonzept etwas Gutes tun. Seine Fraktion habe schon in ihrem Programm zur Kommunalwahl angekündigt, "das Wohnumfeld in Alt-Kues durch eine gezielte Städtebauförderung zu verbessern", sagte Robert Wies. Die Verwaltung solle prüfen, welche Fördertöpfe von Bund und Land dafür angezapft werden können. "Der Stadtteil Alt-Kues soll nicht länger ein Schattendasein bei Sanierungsmaßnahmen fristen", forderte Wies.
Alte Schule wirkt wie Klotz


Die CDU möchte, dass für die wie ein unüberwindbarer Klotz zwischen Weingartenstraße und Kardinalstraße stehende alte Schule (Baujahr 18. Jahrhundert) mit Bürgerbeteiligung ein Konzept erarbeitet wird. Das beinhalte Optionen wie Abriss, Teilabriss oder Erhalt, sagte Marc Spaniol.
Vor Jahren hatte die Stadt bereits Interessenten gesucht. Damals ohne Erfolg. Immerhin, so Stadtbürgermeister Wolfgang Port sei allein für den Abriss des teilweise denkmalgeschützten Gebäudes mit Kosten von 300 000 Euro zu rechnen.
Die Grünen laden gleich zum Rundgang und zur anschließenden Diskussion ein. Der Landtagsabgeordnete Andreas Hartenfels, von Hause aus Stadt- und Landschaftsplaner, und die örtliche Abgeordnete Jutta Blatzheim-Roegler sind dabei.
Dieser Termin sei schon länger geplant, komme aber erst jetzt zustande, sagte Blatzheim-Roegler, die auch dem Stadtrat angehört. Die Begehung beginnt am Donnerstag, 4. Dezember, um 17 Uhr am Cusanus-Geburtshaus. Dort ist ab 19 Uhr auch Zeit zum Gespräch und zur Diskussion. Die Abgeordnete lobte auch die Initiativen von CDU und FDP und sucht wie auch SPD und Unabhängige Bürgerunion (UBU) den gemeinsamen Weg. "Wenn wir ein gutes Konzept haben, bin ich optimistisch, dass wir Fördermöglichkeiten bekommen", sagte sie. Sie sei bereit dafür in der Landeshauptstadt Mainz kurze Wege zu gehen.
25 000 Euro für den Anschub


Wie Alt-Kues einzugrenzen ist, müsse noch geklärt werden, hieß es in der Sitzung. Brennpunkt seien aber eindeutig die enge und eng bebaute Kardinalstraße und ihre Nebenstraßen, sagte Stadtbürgermeister Wolfgang Port. Eine Anschubfinanzierung (25 000 Euro für Planungen) hat der Stadtrat am Donnerstag bereits genehmigt. Die Kritiker des Baugebietes sehen die Initiativen mit Freude, "Die waren ja heute richtig emotional", sagte Berthold Mertz, einer der Hauptkritiker, unmittelbar nach der Sitzung.Meinung

Eine Mammutaufgabe wartet
Natürlich wird keiner der Kommunalpolitiker im Stadtparlament zugeben, dass er erst durch die Diskussion um den Lieschberg sein Auge mehr auf den Kern des ehemals eigenständigen Stadtteil Kues richtet. Doch ohne das Getöse rund um die Stadtratsitzung am 10. November wäre es nicht dazu gekommen, dass sich gleich drei Fraktionen so schnell des Themas annehmen. Ihnen nun eine übereifrige Reaktion vorzuwerfen, wäre aber auch nicht richtig. Sie reagieren auf Anliegen der Bürger - und genau das ist ihre Aufgabe. Dass durch Vorschriften, wie im Fall Lieschberg geschehen, vieles in nicht-öffentlichen Sitzungen rauf und runter gebetet wurde, passt nicht jedem, ist aber nicht zu ändern. In Alt-Kues liegt einiges im Argen. Die enge Häuserbebauung ist Ausfluss einer Zeit, als die Leute wenig Geld hatten und es auch nicht wichtig war eine große Fläche drumherum zu haben. Freizeit war zu der Zeit noch ein Fremdwort. Mittlerweile gibt es Forderungen dort jedes zweite Haus abzureißen, um Luft, Licht und Platz zu bekommen. Ein Mammutprojekt, wenn es angegangen wird. Das muss den Bürgern und den Kommunalpolitikern klar sein. Und das zu finanzieren wird wahrscheinlich noch schwieriger. Es ist gut, dass die Initiative kommt. Doch wenn es mehr als ein Lippenbekenntnis werden soll, wird es richtig hart, Zeit erfordern und manchen Ärger mit sich bringen. c.beckmann@volksfreund.de