Der Streit über die Ausrichtung der Cusanus Hochschule flaut ab

Bildung : Nach Streit über Ausrichtung der Hochschule Bernkastel-Kues - Das große Schweigen ist vorbei

Am Jahresanfang stritten die Vertreter der Cusanus Hochschule Bernkastel-Kues und Kommunalpolitiker laut hörbar um die zukünftige Ausrichtung der Hochschule. Jetzt geht man wieder aufeinander zu.

Dass eine Kleinstadt wie Bernkastel-Kues Sitz einer Hochschule ist, kann als ungewöhnlich bezeichnet werden. Es sollte naheliegen, dass Hochschule und Kommune ein gutes Verhältnis haben. In Bernkastel-Kues war das einige Jahre so. In den ersten Monaten  2019 gab es aber einen lauten Knacks. Damals kündigte die Leitung der Cusanus-Hochschule das Aus für den Studiengang Philosophie und eine stärkere Fokussierung auf die Ökonomie an. Aus zwei Säulen, wie 2014 bei der Eröffnung geplant, wurde nur noch eine. Das führte besonders bei den CDU-Kommunalpolitikern zu großem Unmut (der Volksfreund berichtete). Leute wie Alex Licht, Landtagsabgeordneter und Vorsitzender der Kueser Akademie für Europäische Geistesgeschichte, Landrat Gregor Eibes, Ulf Hangert, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues, und Stadtbürgermeister Wolfgang Port, hatten sich maßgeblich an der Gründung der Hochschule beteiligt. Sie sollte auf den Säulen Philosophie und Ökonomie stehen und im Sinne von Nikolaus Cusanus (1401-1464) wirken. Das Motto: Der freie Geist bewegt sich selbst. Sichtbar wurde der Bruch im Februar beim Jahresempfang der Hochschule, dem alle vier Politiker fernblieben, um ihr Unverständnis über die neue Ausrichtung der Hochschule zu demonstrieren (der Volksfreund berichtete).

Was hat sich seither im Verhältnis Kommune/Hochschule getan? Zwischen Alex Licht und den Hochschulverantwortlichen ist das Tischtuch weiter zerschnitten. Und das wird wohl auch so bleiben. Licht spricht weiter von „geistigem Betrug“. Für die Hochschule sind die Anschuldigungen „olle Kamellen“. Im Kuratorium der Hochschule wird Licht nach einem Beschluss des Senats nicht mehr geführt. Er habe der Hochschule geschadet. Man habe ihm nahegelegt, das Gremium zu verlassen, berichtet Licht auf Anfrage des TV. Er habe nicht reagiert. „Der Ausschluss ist nicht satzungskonform“, sagt er. Das Kuratorium hat die Aufgabe, die Vernetzung der Hochschule zu fördern und ihre inhaltliche Entwicklung zu begleiten. Gregor Eibes, Ulf Hangert und Wolfgang Port gehören ihm weiterhin an. Alex Licht ist mittlerweile dabei, in gemieteten Räumen im Kloster Machern und unter dem Schirm der Kueser Akademie für Europäische Geistesgeschichte eine neue Bleibe für die Philosophie einzurichten. Sie nennt sich philosophisches Seminar. Geld dafür stehe zur Verfügung, sagt Licht.

Dass Licht der Semestereröffnung de Cusanus-Hochschule (Volksfreund vom 14. Oktober) fernblieb, verwundert unter diesen Umständen nicht. Bürgermeister Ulf Hangert erklärt, dass er gekommen wäre, wenn er sich nicht im Urlaub befunden hätte. Schließlich müsse er mit der Hochschule zusammenarbeiten. Das ändere aber nichts an der Kritik über die Vorgehensweise der Hochschule. Auch Stadtbürgermeister Port wäre nach eigener Auskunft in der Güterhalle erschienen. Die Einladung sei aber erst einen Tag vor der Veranstaltung eingegangen. Da sei sein Terminkalender schon voll gewesen. Auch er kritisiert die Entscheidung der Hochschule. „Jetzt ist es aber eben einmal so. Und ich karte nicht nach. Ich kann nur für die Stadt sprechen. Und die hat auch eine Verantwortung für die Hochschule“, sagt er. Die Stadt werde die Hochschule im Rahmen ihrer Möglichkeiten weiter unterstützen. Prof. Dr. Reinhard Loske, der neue Präsident der Hochschule, ist ebenfalls optimistisch. Er habe nach seinem Amtsantritt Gespräche mit Wolfgang Port, Ulf Hangert und dessen bereits gewähltem Nachfolger, Leo Wächter, geführt. „Ich habe da ein sehr gutes Gefühl. Ich habe den Wunsch, dass die Cusanus Hochschule als wichtiger Teil der Stadt angesehen wird“, sagt er.

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