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Der Tag, an dem die Würfel fielen

Der Tag, an dem die Würfel fielen

Nur noch wenige Orte in der Mark Thalfang feiern den Gertraudentag. Dazu gehört das Dorf Gielert. Und dafür gibt es einen guten Grund.

Gielert Namenstage gibt es viele. Doch dass in der eigentlich evangelisch geprägten Mark Thalfang der Gertruden- oder Gertraudentag gefeiert wird, ist ungewöhnlich. Dabei hatte der Gertraudentag für die Dörfer eine wesentliche Bedeutung, weiß der Gielerter Friedhelm Glesius über sein Dorf zu berichten. "Gielert war wegen seines Waldes in der Region bis in die 1950er Jahre eine der reichsten Gemeinden", sagt er.
Der Ort besaß dabei zahlreiche Eichen, die für die Produktion von Fässern oder Furnier verkauft wurden. Die Haushalte seien verpflichtet gewesen, als eine Art Frondienst im Winter eine Person für Waldarbeiten abzustellen. Die Äste der Eichen und die Hölzer anderer Bäume wurden dann am Gertraudentag mit Würfeln unter der Bevölkerung aufgeteilt. Jeder Haushalt hatte einen Würfel mit einem bestimmten Buchstaben, erklärt Glesius.
Wenn dann Brennholzlos 1 an den Haushalt mit dem Buchstaben H zugelost wurde, gehörte dieses Holz diesem Haushalt.Der jeweilige Haushalt habe dann sein Zeichen, das auch auf den Würfeln aufgebracht war, an dem Holzstapel angebracht. Dabei habe es nach Qualität und Standort enorme Unterschiede gegeben, sagt Glesius. Erst in den 1950er Jahren seien diese Frondienste aufgegeben worden. Warum das Holz gerade am 17. März, dem Namenstag der Heiligen Gertrud verteilt wurde, kann Glesius nicht sagen. Vermutlich hänge es damit zusammen, dass um diese Zeit die Waldarbeit beendet wurde. Mit dem Gertraudentag ist auch die Übergabe der Dorfschelle verbunden. Damit sind die Bekanntmachungen in den Dörfern eingeläutet worden. Jeder Haushalt habe diese Aufgabe für ein Jahr übernehmen müssen, sagt Glesius.
Der abgebende und der annehmende Haushalt seien auch verpflichtet gewesen, an diesem Tag für Speis und Trank zu sorgen. Zudem wurden die Menschen über die Dorfpolitik informiert. Feiern anlässlich des Gertraudentags waren früher in der ganzen Mark Thalfang üblich gewesen, sagt der Heimatforscher Reinhold Anton. Der Gertraudentag wird in Gielert am Sonntag, 19. März, ab 12 Uhr im Gielerter Gemeindehaus begangen. In Etgert sei dieser Tag bereits am vergangenen Wochenende gewürdigt worden. In Bäsch wird er am kommenden Samstag ab 15 Uhr im Bürgerhaus Bäsch, in Immert am 25. März ab 19 Uhr gefeiert.
DIE NAMENSPATIN FüR DEN GERTRUDENTAG


Extra

Der Gertrauden- oder Gertrudentag ist nach Gertrud von Nivelles benannt, einer Äbtissin aus dem 7. Jahrhundert. Sie war eine hervorragende Kennerin der Bibel und bemühte sich um die Bildung der weiblichen Jugend. Gertruds außerordentlicher Eifer für die Betreuung von Kranken, Witwen, Pilgern und Gefangenen ließ sie zur besonderen Patronin von Spitälern werden, die im Mittelalter ihren Namen getragen haben. (Quelle: <%LINK auto="true" href="http://www.heiligenlexikon.de" text="www.heiligenlexikon.de" class="more"%> )