Der Unterschriften-Mann

Mehr als 16 000 Kilometer hat er hinter sich, 300 000 Unterschriften im Block: Seit fünf Jahren tingelt Rainer Hoffmann quer durch Deutschland und sammelt Unterschriften. Er fordert härtere Strafen für Sexualstraftäter. Inzwischen hat er die Eifel erreicht und macht auch dort lautstark auf seine Mission aufmerksam.

Bitburg. (scho) Er sieht zerzottelt aus, ungepflegt, irgendwie runtergekommen, und er ist laut: Rainer Hoffmann nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn es um seine Mission geht. "Das ist doch ein Unding, dass Sexualstraftäter mit Bewährungsstrafen davon- kommen", klagt er in der Bitburger TV-Redaktion. So runtergekommen der ungewöhnliche Mann auch äußerlich erscheint, so edel sein Anliegen: Der Mittvierziger fordert härtere Strafen für Sexualverbrecher. Dass Kinderschänder und Vergewaltiger nicht selten mit Bewährungsstrafen davonkommen, treibt ihn quer durch Deutschland, wo er in jeder Stadt, in der er Station macht, Unterschriften sammelt. Vor mehr als fünf Jahren hat er seinen Beruf als Orthopädie-Schuhmacher aufgegeben, seine Wohnung in Hamburg aufgelöst und sich auf den Weg gemacht. Mehr als 16 000 Kilometer Fußmarsch stecken ihm inzwischen in den Knochen, das neunte Paar Schuhe hat er fast durchgelaufen, Ruhe findet er nachts in seinem "Wohnmobil", wie er den mit einer Plane überdachten Bollerwagen nennt, den er die ganze Strecke hinter sich herzieht. "Da dachte ich: Jetzt reicht's!"

150 Kilo bringt das Gefährt auf die Waage - verhornte Schwielen in seinen Handflächen lassen die Strapazen erahnen. 40 bis 50 Kilometer schafft er so am Tag, die hügelige Eifel macht es ihm nicht leicht. Von Gerolstein aus ist er nach Bitburg gekommen, als nächstes peilt er Trier an."Ich verstehe nicht, warum mich nicht mal einer begleitet. Wenigstens ein paar Kilometer. Das kann doch nicht zu viel verlangt sein", fordert Hoffmann. Angesichts des Wegs, den er bislang zurückgelegt hat, möchte man ihm fast Recht geben. Auslöser für sein ungewöhnliches Engagement war die brutale Vergewaltigung einer Bekannten. "Der Täter ist damals mit einer Bewährungsstrafe davon- gekommen. Da dachte ich, jetzt reicht's", sagt Hoffmann. Außer seinen paar Habseligkeiten und dem Kilometerzähler, den er stolz präsentiert, hat er ordnerweise Unterschriften gesammelt, die er am 1. Mai 2008 Bundeskanzlerin Angela Merkel überreichen will. Mehr als 300 000 Menschen haben bislang bei Rainer Hoffmann für härtere Strafen für Kinderschänder und Vergewaltiger unterschrieben - von Prominenten wie Boxer Henry Maske, Schauspieler Heiner Lauterbach und Komiker Helge Schneider bis hin zu den Stadtbürgermeister von etwa hundert Städten, denen er bislang mit seinem Bollerwagen einen Besuch abstattete. Bitburgs Bürgermeister Joachim Streit war bei Hoffmanns Stippvisite in der Kreisstadt in Urlaub, so dass er auf diese Unterschrift verzichten musste. Auch sonst ist sein Leben von Verzicht geprägt. Das Leben auf der Straße hat ihn schon deutlich gezeichnet. Duschen kann er nur, wenn ihm jemand sein Bad anbietet. Und auch an Anfeindungen hat sich der Mann, der die meiste Zeit einsam seinen Wagen über Fahrradwege zieht, schon gewöhnt. "Rechtsradikale haben mir mal die Plane von meinem Wohnwagen aufgeschlitzt. Da hab ich die ganze Nacht im Regen gelegen", erzählt Hoffmann. Aber Almosen will er nicht. Er ist aus Überzeugung unterwegs.Und wenn das Geld nicht reicht? "Dann arbeite ich lieber ein paar Stunden als Gegenleistung", sagt er mit etwas leiserer Stimme. Aber aufgeben, das tut er auf keinen Fall. Seine Mission ist längst sein Leben.