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Der Wald gewinnt an Geld- und Freizeitwert

Der Wald gewinnt an Geld- und Freizeitwert

Wald ist nicht gleich Wald. Auch wenn man es ihm nicht ansieht: Der Forst im Kreis Bernkastel-Wittlich hat unzählige Besitzer. Trotzdem müssen Bewirtschaftung und Erholungswert miteinander vereinbart werden.

Wittlich. Eigentum verpflichtet. Und es kann den Geldbeutel aufbessern - zumindest, wenn man ein Stück Wald sein Eigen nennt. 10 774,4 Hektar der Wälder im Kreis Bernkastel-Wittlich sind in privater Hand, 36 348,8 Hektar gehören den Gemeinden, und 13 634 Hektar sind Staatswald. Um die beiden Letzteren kümmern sich die Förster. Aber um das Privateigentum? Kann man sein Stück Wald einfach sich selbst überlassen? Nein. Auch darauf haben Fachmänner ein Auge - Förster oder Privatwaldbetreuer. Nicht nur, weil Waldbesitzer ihr Grundstück nicht einfach abholzen oder dort Müll lagern dürfen, sondern auch wegen der Nachhaltigkeit. Privatleute müssen ebenso wie die Gemeinden darauf achten, dass ihr Wald so bewirtschaftet wird, dass er gesund bleibt, sich auch in Zukunft verjüngt, der biologischen Vielfalt dient und Holz einbringt. Alle zehn Jahre wird eine Bestandsaufnahme des Forsts gemacht - unter anderem in Hinblick auf die Baumarten, die Menge und so weiter, auf deren Basis die Nutzung für die nächsten Jahre vorgeschrieben wird.
Revierleiter berät Waldbesitzer


Der Revierleiter des Wittlicher Stadtwaldes, Mario Sprünker, berät die Waldbesitzer - auch, damit sie den Wald nicht verkaufen, dessen Wert erkennen und ihn pflegen. Eine Überzeugungsarbeit, die heute leichter fällt als früher. "Viele kann man mit dem Geld motivieren, das die Bewirtschaftung einbringt", berichtet Sprünker. Vor allem vor der Flurbereinigung wussten viele Erben eines Waldstücks nicht einmal, wo es liegt oder wie es erreichbar ist. Deshalb kümmern sich viele trotzdem nicht darum, berichtet Ulrich Frömsdorf, Wittlicher Forstamtsleiter - vor allem solche, die weiten weg wohnen.
Auch der Manderscheider Revierförster Georg Fox kennt dieses Problem. Wegen der Realerbteilung, bei der Besitz unter allen Erben aufgeteilt wurde, sind viele kleine Parzellen entstanden. "Die durchschnittliche Flächengröße liegt bei uns bei 0,2 Hektar", sagt Fox - also 2000 Quadratmeter. Manchmal seien die Besitzer gar nicht mehr ausfindig zu machen. Doch gerade wer zum Beispiel einen pflegebedürftigen Fichtenwald besitze, könne ihn nicht sich selbst überlassen, da dieser sehr anfällig für Borkenkäferbefall ist, der sich auch auf die Nachbargrundstücke ausbreitet.
Insgesamt sei aber die Wertschätzung für den Wald gestiegen. "Früher wurde der Privatwald hier stiefkindlich behandelt." Und auch Sprünker sagt: "Der Wald gewinnt derzeit sehr an Wert, sowohl monetär als auch ökologisch." Zudem nehme der Freizweitwert zu: Wanderer, Mountainbiker und Jäger zieht es verstärkt ins Dickicht. Sie dürfen sich übrigens im Privatwald ebenso bewegen wie im öffentlichen Wald und ihn jederzeit betreten - es sei denn, ein Bereich ist beispielsweise wegen Baumfällarbeiten oder zum Schutz besonderer Forstkulturen abgesperrt.
"Für Wittlich als Mittelzentrum spielt der Wald eine besonders wichtige Rolle als Ort der Erholung", sagt Sprünker. Etwa 800 Menschen führt allein er jedes Jahr dorthin - vom Schüler bis zum Senior. "Das Interesse ist groß." Im Gemeindewald hängt die Nutzung von der Zielsetzung ab: Den einen dient er primär als Einnahmequelle, andere pflegen ihn intensiver, da der Fokus auf dem Tourismus liegt, erklärt Sprünker. So sieht Fox im Wald den wichtigsten Anziehungspunkt Manderscheids für Touristen. Wem gehört der Wald? In den Landkreisen Bitburg-Prüm und Vulkaneifel spielt der Privatwald eine wesentlich größere Rolle als in Bernkastel-Wittlich. Im Landkreis Bitburg-Prüm gibt es 34 142 Hektar Privatwald, rund 16 500 Hektar Gemeindewald und 9590 Hektar Staatswald. Im Landkreis Vulkaneifel gehört der Großteil des Waldes den Gemeinden (30 684 Hektar), 8620 Hektar Privatleuten und 6541 Hektar dem Land. uq