Der Weg ist das Ziel

ELZERATH. Wie unzählige Menschen seit vielen Jahrhunderten, so hat sich auch die 43-jährige Cornelia Weitz aus Hohenstein-Ernsthal am Fuße des Erzgebirges auf den Weg gemacht, um auf der seit dem Mittelalter bekannten Pilgerroute "Via Lemovicensis" eines der bedeutendsten Pilgerziele zu erreichen: Santiago de Compostela mit dem Grab von Jakobus dem Älteren im äußersten Nordwesten Spaniens. Dabei führte sie ihr Weg auch durch den Hunsrück.

Nach dem Tode ihres Mannes sagte sie sich: "Das Leben geht weiter, es muss weiter gehen." Aber sie fragte sich auch: "Wie geht es weiter?" Auf diese Frage hofft sie auf ihrem über zweitausend Kilometer langen Pilgerweg, den sie zu Fuß zurücklegen will, eine Antwort zu finden. "Hierfür habe mir eine Auszeit vom täglichen Leben genommen, ich nehme den Weg als Ziel und will auf dieser Route die Landschaften, Flüsse und Sehenswürdigkeiten erkunden, was mir durch die politischen Verhältnisse vor der Wende verwehrt war." Mit den traditionellen Attributen eines Jakobspilgers, einem voll gepackten Rucksack an dem eine Jakobsmuschel baumelt, einem Pilgerstab aus Haselnussholz und einem Stein aus ihrer Heimat, der traditionsgemäß am "Gruz de Ferro" auf dem Rabanal-Pass abgelegt wird, hat sie sich auf den Weg gemacht, der sie auch durch den Hunsrück führte. Nach einer Woche Pilgerschaft traf sie beim Heidenpütz im Haardtwald in der Nähe von Elzerath ein, wo, wie sie gelesen hat, sicherlich schon 368 nach Christus der römische Dichter Ausonius eine Rast einlegt hat. "Gestartet bin ich nicht von zu Hause, sondern bei meinem Bruder in Frankfurt am Main. Zunächst folgte ich der Nidda und dem Rhein entlang bis nach Rüdesheim, wo ich mit der Fähre nach Bingen übersetzte. Wenn ich nicht zufällig in Eltville einen Jakobspilger getroffen hätte, wäre ich durch das Nahetal Richtung Frankreich weitergegangen. Er aber gab mir den Tipp, den Ausonius-Wanderweg, die alte Römerstraße von Bingen nach Trier zu benutzen, und mir das Heft 'Die Ausoniusstraße, Eine Wanderstrasse im Hunsrück', zu besorgen."Gute Wegbeschreibung von Berthold Staudt

"Anhand dieser guten Wegbeschreibung von Berthold Staudt kam ich durch Wederath, wo ich mit Heinrich Stein ins Gespräch kam, der mir spontan ein Zimmer zur Übernachtung anbot." Dieser "Christmensch", wie sie ihn nennt, "fuhr mich auch zum Archäologiepark Belginum, wo ich mir die keltischen und römerzeitlichen Ausgrabungen ansehen wollte. Da die Ausstellung aber erst ab 10 Uhr geöffnet ist, setzte ich meine Reise schon früher als geplant fort und machte noch einen kleinen Abstecher zum Felsgebilde Graue Lei. Wenn ich mir so die Gegend betrachte, fühle ich mich in meine Heimat ins Erzgebirge versetzt; die Landschaft, Dörfer und gastfreundlichen Menschen kommen mir sehr vertraut vor", schwärmt die Pilgerin. Als sie weiterging, fing es an zu regnen. "Das gehört dazu", sagte sie, und marschierte unverdrossen ihrem Tagesziel Neumagen an der Mosel zu. Von dort ging sie weiter nach Trier, wo sie ihren Pilgerausweis abholen will.

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