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Der Wein, der aus dem Wasser kommt

Wein : Der Wein, der aus dem Wasser kommt

Im Zeltingen-Rachtiger Weingut Gessinger reift ein Wein an einer ganz besonderen Stelle: vier Meter tief im Wasser eines Brunnens.

Es ist ein besonderer Moment, als Sarah Gessinger zwei Weingläser im historischen Weinkeller ihres Weingutes in Zeltingen-Rachtig  füllt. Ein Feuer knistert im Ofen und erwärmt das alte Schiefergewölbe.  Zwar ist es der gleiche Wein, der in die Gläser fließt, aber er ist unterschiedlich gelagert worden. Eine Charge liegt ganz normal gelagert im Schieferkeller, eine andere aber liegt in einem vier  Meter tiefen Brunnen in diesem Keller - und das schon seit über 20 Jahren. Sarah Gessingers Vater Alfred lagerte dort eine 1998er Zeltinger Sonnenuhr Riesling Auslese ein.

Gessinger erinnert sich daran, wie er den Brunnen entdeckt hat. „Das Haus wurde 1903 gebaut, der Keller ist älter und stammt von 1709. Ich wusste noch von meinem Großvater, dass irgendwo ein Brunnen sein muss; als wir dann renoviert haben, habe ich ihn gefunden“, sagt Gessinger. Der Brunnen führt in eine Wasserader, die Richtung Mosel strömt. Da kam ihm der Gedanke, in diesem Brunnen Wein einzulagern. Dazu wurde er  1999 leer gepumpt, um die Flaschen einzulagern. „Es waren rund 300 Flaschen,“ sagt Gessinger. Der Wein liegt dort bei zirka acht Grad Celsius das ganze Jahr über. Eine Charge desselben Weins hatte Gessinger bei normalen Temperaturen, zirka 13 bis 16 Grad Celsius, ebenfalls gelagert, um Vergleichsproben zu machen. „Wir haben den Wein klassisch mit Spontanvergärung ausgebaut. Das macht ihn langlebig“, erklärt der Winzer.

In all den Jahren hat es ihm natürlich immer wieder in den Fingern gejuckt, zu probieren. Aber: „Nach zehn Jahren hätte man wahrscheinlich noch gar keinen Unterschied geschmeckt“, ist er sich sicher. Deshalb  übte er sich in Geduld und wartete 20 Jahre. Im vergangenen Jahr wurden dann die ersten Flaschen aus dem Brunnen gefischt und geöffnet - erstmalig bei der Veranstaltung „Mythos Mosel“ im Juni vergangenen Jahres. „Damals haben wir über 50 Flaschen geöffnet und verkostet“, sagt Sarah Gessinger. Schon am Korken habe man den Unterschied der Lagerung erkennen können. „Der im Brunnen gelagerte Korken war viel elastischer,“ hat sie beobachtet. Und wie schmeckt nun der Brunnen-Wein? Er schmeckt deutlich anders als der Wein, der normal gelagert wurde. Beide Weine sind   immer noch auf  Top-Niveau und beeindrucken mit vielen Aromen und einer feinen Säure-Balance. Wer die feinen Unterschiede genau herausfinden will, der probiert ihn am besten selbst. Eine Gelegenheit gibt es in nächster Zeit dazu:

 Sarah und Alfred Gessinger zeigen den alten Brunnen.
Sarah und Alfred Gessinger zeigen den alten Brunnen. Foto: TV/Hans-Peter Linz
 Flaschen lagern im Weingut Gessinger.
Flaschen lagern im Weingut Gessinger. Foto: TV/Hans-Peter Linz

Wer die beiden Weine selbst verkosten will, kann sich zur Veranstaltung „Genuss aus der Tiefe - Mythos Underwater Aging – Vergleichende Weinverkostung“ im  Frankenturm (Dietrichstraße 6, 54290 Trier), am Samstag, 14. März, in Trier anmelden. Beginn ist um 18 Uhr. Dort stellt das Weingut Gessinger, Mitglied des Bernkasteler Rings,  die beiden Weine vor. Tickets gibt es unter www.trier-info.de