Der Winzer, der nie aufgegeben hat

Der Winzer, der nie aufgegeben hat

Jahrelang hat der Winzer Werner Görgen für die Erweiterung seines Betriebs in Platten gekämpft. Im vergangenen Jahr ist der neue, 850 Quadratmeter große Bau, in den Görgen eine siebenstellige Summe investiert hat, fertiggestellt geworden. Jetzt werden die Kelterhalle, das Wein- und Flaschenlager und die Vinothek auch offiziell eingeweiht. Der Weg dahin war steinig.

Platten. Was lange währt, wird gut: Wenn es einen gibt, der auf diesen Satz baut, dann ist es wohl Werner Görgen. Der 55-jährige Winzer, der jetzt auch offiziell seine neue Vinothek einweiht, weiß: "Es gibt Dinge, die müssen einfach wachsen. Die brauchen Zeit."

Die Idee: Vor 15 Jahren hatte Görgen eine Idee. Der Winzer wollte ein Erlebnis-Weingut schaffen, mit Gästehaus für Wanderreiter und Radfahrer, Räderverleih und -werkstatt, Pferden, Vinothek und vielem mehr. Und das direkt am Maare-Mosel-Radweg in Platten, der auf der ehemaligen Bahnstrecke durch das Liesertal unmittelbar am Dorf vorbeiführt. 2001 kaufte er dort das ehemalige Bahnwärterhaus in der Bahnhofstraße, errichtete ein Hofcafé und wollte bald den Betrieb durch ein zweites Gebäude entsprechend vergrößern.

Der Streit: Die Gemeinde fühlte sich von Görgens Plänen überfahren und nahm ihre Genehmigung zurück, obwohl der Kreis Ja zu dem Projekt gesagt hatte. Mit der Begründung, die Planung gehe über den von Görgen angekündigten Zweck hinaus, hob der Kreisrechtsausschuss den positiven Bauvorbescheid auf. Weil die für den Weinbaubetrieb benötigten Räume nicht mehr überwiegen würden, sei das Vorhaben nicht privilegiert und außerhalb der Ortsbebauung nicht erlaubt. Thema in der Debatte war zudem auch der Hochwasserschutz: Eine Bebauung des Bereichs, so die Auffassung des Gemeinderats damals, könnte die Hochwassergefahr im Ort verstärken.
Deshalb beschloss die Gemeinde eine Veränderungssperre für das Gebiet. Auf seiner Seite hatte Görgen aber die Landwirtschaftskammer und das rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerium, die das Projekt befürworteten, da es die Region touristisch aufwerte. Land und EU bewilligten Fördermittel für das Vorhaben.
Was folgte, war ein jahrelanger Rechtsstreit. Görgen zog sogar bis vor das Oberverwaltungsgericht, wo er unterlag. Im kleineren Stil - auf die Pferde hat Görgen verzichtet - hat er jetzt aber trotzdem gebaut. Um dem Hochwasserschutz nachzukommen, hat Görgen den Neubau teils auf Stelzen errichten lassen.
Görgen lagerte seine gesamte Weinproduktion in die Bahnhofstraße aus. Weil das Vorhaben seinem Winzerbetrieb diente, galt es als privilegiertes Bauvorhaben. 2008 stimmte der Gemeinderat dem Projekt schließlich zu.

Das Heute: Neben dem Hofcafé, das Görgen 2004 eröffnet hat, ist bereits vergangenen Sommer der zweite Bau für Feierlichkeiten, Weinverkauf und -verkostungen fertig geworden. In dem 850 Quadratmeter großen Neubau finden eine Kelterhalle, ein Wein- und Flaschenlager sowie eine Vinothek Platz.
In die Erweiterung hat er eine siebenstellige Summe investiert. Mit dem Weinverkauf, sagt Görgen, verdiene er auch das meiste Geld. Der Radweg dagegen sei kein allzu großer Geldbringer. Über 300 Sitzplätze gibt es im Innen- und Außenbereich. "Die Leute wollen aufs Land", ist er überzeugt. "Der ländliche Raum ist ein interessanter Raum, vorausgesetzt die Infrastruktur stimmt. Und die Wittlicher Senke hat viel Potenzial." Görgen jedenfalls plant bereits die nächste Erweiterung und führt dafür zurzeit Gespräche mit allen Beteiligten: Das neue Gebäude soll im Laufe der nächsten zwölf Monate auch behindertengerecht ausgestattet werden.Extra

Das Weingut Görgen veranstaltet zur Eröffnung des neuen Weinbaubetriebes mit Vinothek ein Event-Wochenende. Am Donnerstag, 30. Mai, findet eine Probe der neuen Weine in der Vinothek statt, der Musikverein Wadern-Steinberg sorgt für musikalische Unterhaltung. Am Samstag, 1. Juni, und Sonntag, 2. Juni, können Gäste und Weinkunden zu einer Probe der neuen Weine und einer Besichtigung des neuen Betriebsgebäudes vorbeischauen. eib

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