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Traben-Trarbach/Lötzbeuren: Der Winzer hat das letzte Wort

Traben-Trarbach/Lötzbeuren : Der Winzer hat das letzte Wort

Die Bestimmungen für die Anerkennung der Moselregion als Unesco-Weltkulturerbe sind abgespeckt worden. Das erleichtert dem Verbandsgemeinderat Traben-Trarbach die Zustimmung zum Antrag.

Über die Nominierung des Moseltals als Weltkulturerbe wird in der Region seit vielen Jahren immer wieder diskutiert.

In den vergangenen Wochen hat die Diskussion an Intensität zugenommen. Der Welterbeverein Cochem, der sich für die Aufnahme der Region auf die Liste ausspricht, hatte als herausragendes Argument und Alleinstellungsmerkmal die sogenannte Einzelpfahlerziehung der Rebstöcke vorgebracht. Das führte zu Protesten.

„Das ist nicht mehr tragbar. Wir wollen keinen Museumsweinbau an der Mosel“, sagte Walter Clüsserath, Präsident des Weinbauverbandes Mosel, in einer ersten Reaktion (der TV berichtete).

Besonders gravierend: Die Pläne für eine Aufnahme als Weltkulturerbe müssen bis Monatsende eingereicht werden. Vorher sollen sich noch diverse Kommunalparlamente damit auseinandersetzen.

In den vergangenen Wochen wurde die Kuh etwas vom Eis gehoben. Die Rede ist, wie ebenfalls berichtet, nur noch von Kern- und Pufferzonen, wie dem Ürziger Würzgarten, dem Erdener Treppchen und dem Enkircher Zeppwingert.

In diesen historischen Steillagen soll die Einzelpfahl-Erziehung möglichst erhalten bleiben. Der wichtige Zusatz: Die Entscheidung darüber soll der jeweilige Winzer treffen.

Der Verbandsgemeinderat Traben-Trarbach hat sich am Donnerstagabend in Lötzbeuren mit dem Thema beschäftigt.

Im Vorfeld hatten Marcus Heintel (SPD), Bürgermeister der Verbandsgemeinde Traben-Trarbach, und der Enkircher Ortsbürgermeister Roland Bender (CDU) die Meinung der Winzer abgefragt. Deren Antwort laut Heintel: „Wir können es ja mal versuchen.“ Manche Dissonanzen seien ausgeräumt worden, nachdem die Winzer offiziell informiert worden seien, sagt Bender, der auch Mitglied im VG-Rat ist. „Wir vergeben uns auch nichts“, ergänzt er.

Die Meinungen im Rat sind an diesem Abend trotzdem unterschiedlich – auch innerhalb der Fraktionen. Er höre von den Winzern Ablehnung, weil sie im Vorfeld nicht eingebunden worden seien, begründet Gerhard Lettl (Grüne) seine Ablehnung. Ähnlich argumentiert Erwin Haussmann (CDU). Er fragt auch: „Was bringt uns das Weltkulturerbe?“

„Grundsätzlich ja, aber nicht aus vollem Herzen“, sagt Hajo Weinmann (SPD). Es sei zudem eine „Entscheidung in Zeitnot.“ Bernd Ketter (FDP) wünscht sich eine Vertiefung der Diskussion. Schließlich sei die Mosel so etwas wie die Wiege des Weinbaus.

Bürgermeister Marcus Heintel stellt die Fokussierung auf die Einzelpfahl-Erziehung grundsätzlich infrage: „Hat man nichts Besseres gefunden?“ Immerhin seien mittlerweile ursprüngliche Bestimmungen „aufgeweicht“ worden. Er kritisiert auch, dass alles „hoppla-hopp“ gegangen sei.

Die abgespeckte Version findet schließlich eine Mehrheit im VG-Rat (15 Jastimmen, sieben Neinstimmen, sieben Enthaltungen).

Nächsten Mittwoch, 30. Juni, wird auch der Stadtrat Traben-Trarbach Stellung zu dem Thema beziehen.