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Der YouTube-Bauer aus Hetzerath - Landwirt startet Videoreihe zur Imagewerbung

Der YouTube-Bauer aus Hetzerath - Landwirt startet Videoreihe zur Imagewerbung

Film ab! So heißt es auf einem Hof in Hetzerath. David Engel hat ein Videoformat ins Leben gerufen. Der junge Bauer wehrt sich so gegen Vorurteile über die Landwirtschaft. Der 27-Jährige filmt seine Arbeit - und so auch kalbende Kühe.

Hetzerath. Wenn die Kuh vor dem Kalben ist, gibt es auch mal einen Fehlalarm. Wirkt das Tier nervös, trampelt unruhig herum und frisst kaum, dann könnte es so weit sein. Muss es aber nicht, erzählt David Engel. Hat der 27-Jährige aber nur einen leisen Verdacht, spurtet er dennoch sofort zum Stall. Und wenn die Kuh das Kalb noch nicht zur Welt bringt, geht er eben zurück ins warme Bett. Gute Nacht.

In den vergangenen Wochen steckte hinter jedem Fehlalarm auf dem Hof in Hetzerath ein größerer Aufwand als gewohnt. War die Kuh im Stall unruhig und Engel bemerkte das, rief er einen Kumpel an, der nachts ebenfalls zum Bauernhof eilte. Mit einer Kamera und einem Stativ in der Hand. Fertig zum Dreh. Doch die Geburt verzögerte sich. Mehrfach.

Enttäuscht packten die Freunde ihre Ausrüstung wieder zusammen. Mit ihr filmt David Engel für seinen Internetkanal auf You Tube. Den hat der junge Bauer ins Leben gerufen, um der Öffentlichkeit den Alltag in der Landwirtschaft zu zeigen - wie die Geburt eines Kalbs.

Der Landwirt, der auf dem Hof seiner Eltern arbeitet, klärt mit den Videos über seine Arbeit mit den Tieren auf. Dafür investiert er viel Zeit in einen Job, in dem die Tage ohnehin lang sind. 125 Milchkühe hält die Familie. Morgens klingelt um 5.30 Uhr der Wecker. Erst geht es zum Melken, dann auf das Feld und später wieder in den Stall. Die Kamera ist inzwischen häufig mit dabei.

Die kurzen Filme, die Engel veröffentlicht, sind kein Jux. Sie haben einen ernsten Hintergrund. Mit einem kleinen Team will er alle Bereiche der Landwirtschaft darstellen, vom Ackerbau bis zur Weinernte (siehe Extra). So will Engel junge Menschen erreichen. Besonders Konsumenten. Denn die Öffentlichkeit habe häufig ein falsches Bild von der Landwirtschaft. Engel sagt: "Früher sind die Leute noch auf den Hof gekommen, haben sich ihre Milch selber abgeholt und sich ihr eigenes Bild gemacht. Heute wissen viele gar nicht mehr, wie das Leben auf einem konventionellen Hof funktioniert." Dazu kämen die Skandalberichte in den Medien. Wie über die Massentierhaltung. "Es gibt viele Vorurteile. Dabei hängt das System maßgeblich davon ab, ob der Bauer gut mit seinen Tieren umgehen möchte oder nicht", sagt Engel.

Sein Motto lautet aber: Nicht meckern, sondern machen. Der 27-Jährige sieht die Landwirte gefordert, sich gegen Klischees zu wehren. Und packt an. Er leitet den Ausschuss für Öffentlichkeitsarbeit des Bauern- und Winzerverbandes Bernkastel-Wittlich. Das Videoprojekt hat der Landwirt privat angestoßen. Was Cooles musste her. Seine Wahl fiel auf YouTube, weil er dort sah, was gute Videos vermitteln können. "Selbst jemand, der keine Ahnung hat, kann dort in Filmen sehen, wie ein Auto repariert wird. Und meine Videos soll auch jeder verstehen."

Einfach waren die Dreharbeiten am Anfang nicht. Die Kälber zeigten Lampenfieber und hüpften wie wild in der Gegend herum. "Alle Planungen waren über den Haufen geworfen", erzählt Engel lachend, der zunächst Maschinenbau studierte und erst später auf den heimischen Hof wechselte. Dort hat er nun Spaß - und auch ein glückliches Händchen. Wie bei der Geburt des Kalbs. "Drei Tage haben wir auf der Lauer gelegen, irgendwann war es dann so weit. Nachmittags, nicht nachts", erzählt er. Engel half der Kuh bei der Geburt, der Kumpel filmte, das Kälbchen kam auf die Welt. Und das neue Video war im Kasten.
Extra

agriKULTUR heißt der Kanal, auf dem junge Landwirte um David Engel ihre Videos zur Landwirtschaft anbieten. Mit im Team ist Yannick Eberhard, der filmt und für die Hintergrundmusik zuständig ist. Yannik Zender (Niederweis, Eifelkreis Bitburg-Prüm) übernimmt den Schnitt und berichtet künftig über Ackerbau. Mathias Genn (Wehr, Kreis Ahrweiler) informiert über Bullenmast. Bald folgen Ina und Stefan Schopp (Esch, Kreis Ahrweiler) zu Legehennen, Ann Kristin Hoffmann (Boos, Ahrweiler) zu Mutterkuhhaltung und Stefanie Johaentges (Igel, Trier-Saarburg) zum Weinbau. Manfred Zelder vom Bauern- und Winzerverband: "Ich finde es vorbildlich, was die jungen Leuten ehrenamtlich tun, um das Image der Landwirtschaft zu verbessern." Der Kanal ist hier auf Youtube zu findenflor