Der Zob, ein vielschichtiges Problem

In konstruktiver Atmosphäre diskutierten Schüler, Eltern und Lehrer sowie Vertreter der Stadt und Polizei beim TV-Forum über den Zentralen Omnibusbahnhof (Zob) in Wittlich. Es gab einige Ideen, wie die latent aggressive Stimmung dort verbessert werden kann.

Wittlich. Der Zob, an dem in den Mittagsstunden Hunderte Schüler aufeinander treffen, ruft Ängste hervor. Es wird gepöbelt und gedrängelt und manchmal auch geschlagen.

Viel wurde über den Zob bereits diskutiert, doch bot das TV-Forum im Atrium zum ersten Mal die Möglichkeit, dass alle an der Diskussion Beteiligten sich austauschten. Eine Möglichkeit, die rege und konstruktiv genutzt wurde. Viele der rund 80 Zuhörer, darunter viele Schüler, Eltern und Lehrer, meldeten sich zu Wort.

Schnell wurde in der von den TV-Redakteuren Sonja Sünnen und Harald Jansen geführten Diskussion deutlich, dass zwei Problemfelder eine Rolle spielen. Auf der einen Seite geht es um einen wenig einladenden Platz, auf dem mittags drangvolle Enge herrscht. Auf der anderen Seite geht es um Gruppen gewaltbereiter Jugendlicher, teils mit Migrationshintergrund, die nicht nur am Zob Angst verbreiten.

Harald Licht, Leiter der Wittlicher Polizeiinspektion, machte deutlich, dass der Zob kein Kriminalitäts-Schwerpunkt sei. "Alle Plätze um den Zob sind stärker belastet." Schulsozialarbeiter Steines wies darauf hin, dass ein mulmiges Gefühl angesichts von Massen normal sei. Er ergänzte: "Die Gewalt hat sich verändert, nicht in der Quantität, sondern in der Qualität." Allein die Sprache sei härter geworden, und dort beginne Gewalt. Er plädierte wie der Sprecher der Eltern, Uwe Werner, für umfassende Prävention, Bestandteil seiner Arbeit.

Polizei erhält Lob, muss aber auch Kritik einstecken



Steines erhielt in der Diskussion gute Noten von den Schülern. Auch die Polizei wurde gelobt für ihre mittäglichen Kontrollen am Zob, doch musste sie auch Kritik einstecken. Ein Schüler, der auf dem Platz Opfer einer Schlägerei geworden war, monierte, dass er bei der einstündigen Vernehmung trotz Bitte keine Kompresse für sein schmerzendes Auge bekommen habe. Eine Schülerin wünschte sich, dass die Polizisten genauer hinschauten. Viele Jugendliche am Zob hätten Messer. Ein Vater beklagte, er habe sich wenig willkommen gefühlt, als er Anzeige erstattet habe wegen eines kleineren Gewaltdelikts. An die Stadt wurde der Ruf laut, einen runden Tisch mit Schülern einzurichten. Rolf Becker von der Ordnungsbehörde verwies auf den Sozialausschuss, der für Anregungen offen sei. Die Schüler forderte er auf, einen eigenen Arbeitskreis zu gründen.

Weitere Lösungsvorschläge zur Entspannung der Situation am Zob waren der Einsatz von Busbegleitern und von Streetworkern beziehungsweise aufsuchender Sozialarbeit. Auch bauliche Veränderungen wurden gefordert.

Meinung

Eine Streife reicht nicht aus

Auch wenn der Zob in der Kriminalstatistik nicht auffällt, ist die Angst, die viele mit ihm verbinden, sehr ernstzunehmen. Das machten nicht nur die 1100 Unterschriften unter der Resolution für mehr Polizeipräsenz vom Sommer deutlich. Das zeigte sich auch aktuell beim TV-Forum. Einige Schüler wollten sich erst äußern, als der Offene Kanal, der die Veranstaltung filmte, zusagte, ihren Wortbeitrag nicht zu senden. Dahinter steckte Angst vor Rache der benannten, gewaltbereiten Gruppierungen, die am Zob für Unruhe sorgen. Das ist schlimm. Eine Polizeistreife am Zob, so hilfreich sie sein mag, greift da zu kurz. Die vielfach geforderte Prävention, die Schülern zeigt, wie sie mit Aggressionen umgehen können, kann da helfen. Aber auch die gewaltbereiten Gruppierungen müssen angesprochen werden. Die Idee der Streetworker ist mindestens bedenkenswert. m.maier@volksfreund.de