Deutliche Abfuhr für Malborner

Einen Malborner Alleingang bei der Kommunalreform sehen die Thalfanger mehr als skeptisch. Einen entsprechenden Antrag auf Ausgliederung haben sie in ihrer jüngsten Ortsgemeinderatssitzung einstimmig abgelehnt.

Thalfang. Man könnte meinen, dass der achte Punkt der Tagesordnung einer Gemeinderatssitzung, die erst um 20 Uhr begonnen hat, nicht mehr sonderlich emotional diskutiert würde. Schließlich war es schon spät am Abend. Aber was da auf der Agenda stand, brachte dann doch den Thalfanger Ortsgemeinderat am späten Abend nochmals in Wallung.
Denn es ging um den Antrag der Gemeinde Malborn auf Zustimmung zur Ausgliederung aus der Verbandsgemeinde Thalfang. Damit schwappt das kontrovers diskutierte Thema Kommunalreform nun auch in das Gremium der mit 1800 Einwohnern größten Ortsgemeinde der Verbandsgemeinde Thalfang am Erbes kopf. Der Antrag steht zudem auch auf der Agenda der übrigen Ortsgemeinden der VG. Denn bei einer Ausgliederung einer Ortsgemeinde aus einer Verbandsgemeinde müssen die übrigen Ortsgemeinderäte dem mehrheitlich zustimmen.
Dieser Antrag kommt den Thalfangern aber zu früh, wie in der Diskussion deutlich wurde. Zudem wird auch über eine Gesamtlösung diskutiert - eine Ausgliederung würde diese konterkarieren.
Thalfangs Ortsbürgermeister Burkhard Graul fand dafür deutliche Worte: "Was hier momentan passiert, ist reinster Populismus. Das sind Verhältnisse wie in Amerika!"
Nachdem Graul den Antrag der Malborner Ortsbürgermeisterin Petra Hogh vorgelesen hatte, sprachen sich die Kommunalpolitiker darüber aus. Malborn wolle damit einer immer noch angestrebten Gesamtlösung vorgreifen, fand Graul.
Andreas Vochtel (CDU) erklärte: "Einem Ausgliederungsantrag steht grundsätzlich nichts entgegen. Aber warum sollen wir jetzt schon zustimmen? Es soll doch eine Gesamtlösung kommen."
Werner Breit (FDP) erklärte: "Fakt ist, dass die Gemeinde Malborn diesen Wunsch erklärt hat. Aber wir sind dabei, eine Gesamtlösung zu erarbeiten. Deshalb sollten wir das zu den Akten legen." Auch Bettina Brück (SPD) machte sich für die Gesamtlösung stark: "Zuerst muss der Verbandsgemeinderat beschließen, dann die Ortsgemeinderäte. Ich sehe hier den Bürgermeister unserer Verbandsgemeinde in der Pflicht, ein geordnetes Verfahren einzuführen." Seit dem 28. August, als der Verbandsgemeinderat von Thalfang beschloss, erneut mit Morbach zu verhandeln, sei offenbar nichts mehr passiert. Und Graul erinnerte an einen bereits mit der Einheitsgemeinde abgesprochenen Fahrplan (der TV berichtete mehrfach). Nun würde die Zeit drängen, denn sonst drohe eine Zwangsfusion mit der Verbandsgemeinde Hermeskeil.
Auch die jüngst von der Freien Wählergruppe Erbeskopf lancierte Presse-Mitteilung zum Thema Erdbestattungen (der TV berichtete) stieß auf Kritik. Darin wurde die Behauptung aufgestellt, dass bei einer Fusion mit Morbach nur noch dort Erdbestattungen möglich seien, was jedoch von Morbach dementiert wurde.
Stefan Brück von der Thalfanger Freien Liste sagte: "Die Thalfanger Freie Liste distanziert sich ausdrücklich von dieser Behauptung!" Und Vera Höfner (CDU) ergänzt: "Das war das Allerletzte, so eine Presse-Mitteilung zu machen. Das ist pietätslos und eine emotionale Hetz-Politik!" Das Gremium lehnte den Antrag der Malborner dann auch einstimmig ab.Meinung

Das Pferd von hinten aufgezäumt
Die Fronten verhärten sich: In der Diskussion um das Thema Einheitsgemeinde (Fusion mit Morbach), Verbandsgemeinde (Zwangsfusion mit Hermeskeil) oder Einzellösungen scheint mittlerweile jedes Mittel recht, um seinen eigenen Standpunkt durchzusetzen. Allerdings haben die Malborner mit ihrem Vorstoß das Pferd von hinten aufgezäumt. Anstatt einen möglichen Wechsel nach Hermeskeil zuerst im Gremium des Verbandsgemeinderates zu besprechen, haben sie dementsprechende Anträge in den Ortsgemeinderäten der Verbandsgemeinde gestellt. Da ist die ablehnende und verärgerte Haltung der Thalfanger durchaus verständlich. Denn die Ortsgemeinderäte können erst nach einem Beschluss des Verbandsgemeinderates um ihr Votum gebeten werden. Das hat die Verbandsgemeinde Schweich erst vor wenigen Tagen vorgemacht - und den Wechsel von drei weiteren Thalfanger Ortsgemeinden abgelehnt, weil die Mehrheit ihrer Dörfer das nicht wollte. hp.linz@volksfreund.de