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Deutsch lernen mit dem Kartenspiel Lernory

Deutsch lernen mit dem Kartenspiel Lernory

Eines der wichtigsten Anliegen der vielen Flüchtlinge im Land ist das Lernen der deutschen Sprache. Die 14-jährige Lara Stefan hat ein Kartenspiel entwickelt, mit dem Grundkenntnisse auf spielerische Weise erworben werden können. Neben der Schule engagiert sich die 14-Jährige außerdem für die Neuankömmlinge.

Erden/Salmtal/Wittlich. Lara Stefan kennt keine Berührungsängste. In der Küche des alten Winzerhauses in Erden sitzt sie mit ihrer Mutter und ihrem sechsjährigen Halbbruder mit zwei Flüchtlingen aus Syrien zusammen und plaudert über dies und das. Ein bisschen auf Deutsch, aber viel auf Englisch. "Und wenn gar nichts mehr geht, hat man ja noch Hände und Füße", erzählt die Schülerin, dass Verständigung immer möglich ist, wenn sie gewollt ist.
Aber Lara Stefan weiß auch, wie wichtig es für die Flüchtlinge ist, die Sprache ihres Gastgeberlandes zu lernen. Ein halbes Jahr lang bis zur Schließung vor einigen Wochen hat sie im Café Welcome am ehemaligen Wittlicher Bahnhof mitgeholfen, hat Tische eingedeckt, Teilchen geschnitten und hat vor allem viele Flüchtlinge mit ihrem Schicksal, ihren Sorgen und Nöten kennengelernt. "Das Heimweh zieht einen richtig runter", hat Lara Stefan erfahren.
Üben ohne Druck


Während dieser Zeit entstand die Idee zu Lernory. So nennt Lara das Kartenspiel zum Deutschlernen. "Es ist nicht ganz wie Memory, aber sehr ähnlich." Es gibt Karten mit dem deutschen Wort und dazu passende mit dem entsprechenden Bild. Farben, Tiere, Essen und Trinken sind die Themen. So kann man wie beim Memory Pärchen bilden. "Es ist ein angenehmes Lernen, weil der Druck nicht da ist", hat Lara Stefan festgestellt, als sie ihr Spiel im Café Welcome mit Flüchtlingen ausprobierte.
Ihre Erfahrungen hat die Neuntklässlerin der IGS Salmtal in einer 15-seitigen Facharbeit zusammengefasst und sich damit beim Schüler- und Jugendwettbewerb der rheinland-pfälzischen Landeszentrale für Politische Bildung beworben. Unter 393 eingereichten Arbeiten von 2022 Jugendlichen gewann Lara Stefan einen von acht ersten Preisen. In den Herbstferien fahre sie nun für fünf Tage nach Berlin, freut sie sich. Traurig sind Lara Stefan und ihre Mutter Dunja Stefan-Ojinika dagegen, dass das Café Welcome schloss. Mit Flüchtlingsfamilien, die mittlerweile in Schweich, Wehlen und Kaisers esch leben, haben Mutter und Tochter aber weiterhin Kontakt. Lara Stefan übernachtet manchmal sogar im Wohncontainer einer Flüchtlingsfamilie in Schweich. "Zuerst war das sehr ungewohnt. Man wusste nie, wohin in dem kleinen Raum mit den drei Etagenbetten", erzählt sie, möchte die Besuche bei den Syrern aber nicht missen: "Die sind teilweise zu meinen besten Freunden geworden."