Devise für Wittlich: "Wir fühlen uns zuständig"

Devise für Wittlich: "Wir fühlen uns zuständig"

Mit Claudia Jacoby hat erstmals eine Frau den Vorsitz im Verein Stadtmarketing Wittlich. Die Buchhändlerin will den Einzelhandelsstandort Innenstadt mit ihrem neuen Vorstandsteam stärken. Ein Ziel ist: Mehr Menschen in die Stadt bringen.

Wittlich. Sie will den Solidaritätsgedanken mehr in den Mittelpunkt stellen, neue Ideen entwickeln. Das sagt Claudia Jacoby unter anderem im TV-Interview. Die Fragen stellte TV-Redakteurin Sonja Sünnen. Was schätzen Sie speziell an Wittlich, dass Sie sich in dieser Form so engagieren wollen? Was sind aus Ihrer Sicht Wittlichs Stärken, die Sie unterstützen wollen?Claudia Jacoby: Ich bin geborene Wittlicherin und betreibe jetzt im siebenten Jahr eine gut gehende Buchhandlung in der Altstadt. Wittlich ist eine liebenswerte Stadt mit einer schönen Altstadt. Ich habe nette Stammkunden, ich fühle mich in Wittlich wohl. Deshalb möchte ich mein Geschäft noch einige Jahre weiter betreiben. Dies setzt einen funktionierenden Einzelhandelsstandort "Innenstadt" voraus.Was ist Ihre Strategie, damit die Einzelhändler nicht mehr nur einzeln handeln?Jacoby: Die Einzelhändler handeln nicht nur einzeln, neben den Mitgliedern im Verein gibt es bereits persönliche Initiativen, die unterstützt werden müssen. Wir werden jetzt versuchen, möglichst viele Geschäftsleute von den Vorteilen eines Engagements im Verein zu überzeugen. Dies setzt neue Ideen voraus, die wir im Team erarbeiten und dann publizieren müssen. Was ist Ihre persönliche Stärke, weshalb Sie es nun in den Vereinsvorsitz geschafft haben?Jacoby: Ich bin ein positiv denkender Mensch, schaue nach vorne und bin bereit, Verantwortung zu übernehmen. Welche Aktion des Vereins hat Sie vielleicht mal geärgert, wo haben Sie gedacht: Das kann ich besser und was genau wollen Sie jetzt gut machen? Was funktioniert gut?Jacoby: Der neue Vorstand von Stadtmarketing sieht sich als Team. Wir wollen gemeinsam etwas bewegen und Ansprechpartner für die Geschäftsleute sein. Wir fühlen uns zuständig! Welche konkreten Änderungen es geben wird, werden die nächsten Besprechungen zeigen. Unsere verkaufsoffenen Sonntage, die Märkte und Sonderveranstaltungen funktionieren gut und bringen Menschen in die Stadt. Sie haben gesagt, Sie verspüren Aufwind, Aufschwung. Woran machen Sie den denn fest?Jacoby: Aus zahlreichen Gesprächen mit Kunden weiß ich, dass Besucher und Touristen gerne nach Wittlich kommen. Es gibt viele positive Rückmeldungen. Die Ladenleerstände haben in letzter Zeit nicht mehr zugenommen. Im Gegenteil: in der Altstadt wurden zwei neue Geschäfte eröffnet. Eine Aktion aktiver Kaufleute hat sich des Einzelhändlerflohmarktes angenommen und diesen neu konzipiert. Dieser Flohmarkt findet am 5. und 6. August statt und soll durch ergänzende Angebote zu einem neuen Alleinstellungsmerkmal werden. Die Leerstände. Was kann denn ein Verein, der weder Eigentümer ist noch Großinvestor, dafür tun, dass der abnimmt?Jacoby: Der Vorstand hat viele Möglichkeiten, sich beim Leerstandsmanagement einzubringen. Diese Aufgabe ist bei der Stadtverwaltung angesiedelt, wo sie hingehört, in guten Händen ist. Wir erfahren meist sehr früh, wo sich etwas bewegt. Dann können wir vermitteln und versuchen, Leerstände zu vermeiden, Neuvermietungen anzubahnen. Was ist Ihr bestes Argument, um bisherige "Trittbrettfahrer" für eine Mitgliedschaft und ein Engagement im Verein zu überzeugen?Jacoby: Jeder Geschäftsinhaber und Gewerbetreibende in Wittlich profitiert von einer funktionierenden Innenstadt. Die Innenstadt ist das Aushängeschild einer Stadt! Jede Veranstaltung kostet zunächst einmal Geld, sie muss organisiert und beworben werden. Diese Kosten müssen gerecht verteilt werden, der Solidaritätsgedanke muss mehr in den Mittelpunkt gestellt werden. Die Vorteile einer Mitgliedschaft und eines Engagements im Verein müssen herausgestellt werden.Sie werden vielleicht vorangehen müssen, sagen: Das machen wir jetzt. Das kostet Geld. Oder wie soll eine Dynamik reinkommen?Jacoby: Es ist eine Tatsache, dass bei Veranstaltungen und Aktionen die Stadt voller Menschen ist. Es müssen neue Ideen entwickelt und umgesetzt werden, welche die Menschen in die Stadt locken. Dies ist Aufgabe des Vereins Stadtmarketing und aktiver Kaufleute. Inwieweit ist die Vernetzung mit der Stadtverwaltung wichtig - oder ist sie nicht vielleicht ein Hemmschuh, eine Abhängigkeit die Schwung nimmt, weil das auch eine Erwartungshaltung erzeugt: Die Stadt müsse alles für die Innenstadt/Geschäftsleute machen?Jacoby: Die Bedeutung der Innen- oder Altstadt für den gesamten Einzelhandelsstandort steht außer Frage. Wer leere Innenstädte kennt, weiss, dass es soweit in Wittlich nicht kommen darf. Deshalb ist ein gemeinsames Handeln von Stadtmarketing und Stadt Wittlich, also Verwaltung und Stadtrat, unerlässlich. Wittlich braucht den Verein Stadtmarketing, weil …Jacoby: … der Einzelhandelsstandort Innenstadt erhalten werden muss. Nur im Verein können die unterschiedlichen Interessensgruppen zusammengeführt, gebündelt und zum Wohle der Stadt genutzt werden. sosExtra

Stadtmarketing: Wittlich hat 148 Mitglieder, davon 22 Innenstadt-Kaufleute. Der Monatsbeitrag kostet 18,50 Euro, für Privatmitglieder 6 Euro. Es gibt 50 000 Euro städtischen Zuschuss im Jahr. Geschäftsführer (129 Stunden Werksvertrag) Karsten Mathar: "Wir unterstützen 45 Veranstaltungen in diesem Jahr, davon 33 eigene." Am teuersten sei dieses Jahr das Public Viewing mit rund 50 000 Euro. sos