Diakon und Bankkaufmann zugleich

Mit dem an Pfingstsamstag im Trie rer Dom geweihten Diakon Ulrich Weinand hat in der Pfarreiengemeinschaft "Rechts und links der Mosel" ein selbst aus einer der Pfarreien stammender Seelsorger seinen Dienst angetreten.

Maring-Noviand/Osann-Monzel. Aus ganzem Herzen Diakon sein - aber gleichzeitig mit einem Bein weiterhin in der Berufswelt stehen. Das ist für Ulrich Weinand, neuer Diakon (siehe Extra) der Pfarreiengemeinschaft "Rechts und links der Mosel", das Schöne an seiner Berufung. Dem Bankkaufmann und Diplom-Betriebswirt ist es wichtig, "täglich da zu sein, wo die Leute ihr Brot verdienen". Daher sieht er die Doppelbelastung parallel zum Hauptberuf auch nicht als Belastung, sondern als "Bereicherung und als Chance, die christliche Botschaft mit in die Arbeitswelt zu bringen". Dass Zivilberuf und Berufung kollidieren könnten, befürchtet der Maring-Noviander, dessen Eltern beide aus dem Ort stammen, nicht. Auch an seinem Arbeitsplatz stehe nicht das Kapital im Vordergrund, sondern der Mensch.
Die Entscheidung für sein Diakonat traf der an Pfingstsamstag mit sieben Kollegen geweihte 44-Jährige nach reiflicher Überlegung. Er sei von Jugend an kirchlich verwurzelt, verweist Wei nand, der seit Jahren die Orgel in der Noviander Kirche spielt, auf sein Engagement als Messdiener und die Mitarbeit in kirchlichen Gremien wie Pfarrgemeinde- und Pfarreienrat. Der Wunsch, daraus mehr zu machen, habe ihn schon länger beschäftigt. Bis zur verbindlichen Entscheidung habe es aber seine Zeit gebraucht.
Dass er als Maring-Noviander nicht nur in den Pfarrgemeinden Osann, Monzel, Kesten, Veldenz, Brauneberg, Filzen und Wintrich Dienst tun wird, sondern auch in Maring-Noviand, ist für ihn kein Problem. Vom Rollenverständnis sei es sicher schwierig, wenn jemand, der seit fast 30 Jahren die Orgel spiele, nun im Altarraum stehe. Doch die Leute bekämen das gut hin, ist Weinand überzeugt. Er selbst freut sich jedenfalls, nun anders auf Menschen zugehen zu können.
Als Diakon wird er bei Messen mitwirken, predigen, taufen, beerdigen und bei Trauungen assistieren. Eine vordringliche Aufgabe wird die karitative Unterstützung sein wie beispielsweise in Form von Krankenseelsorge, Krankenkommunion und Besuchsdiensten. In der Pfarreiengemeinschaft fällt unter anderem die neue Tagesstätte in Noviand in seinen Zuständigkeitsbereich. Ein erstes Projekt, für das sich Weinand engagiert, ist ein "Pfarr-Café für Jung und Alt". Am Mittwoch, 10. August, soll es im Noviander Pfarrhaus - bei trockener Witterung im Pfarrgarten - von 14 Uhr bis 17.30 Uhr erstmals seine Türen öffnen. Bei entsprechender Resonanz soll es regelmäßige Angebote geben.
Pfarrer Thomas Schneider weiß die Unterstützung zu schätzen. Allerdings erfordere das begrenzte Zeitkontingent eines Diakons mit Zivilberuf ein sorgfältiges Abstimmen der Aufgabenbereiche. Weinand müsse vordringlich mit seiner Zeit und auch mit sich selbst gut umgehen.
Diakone im Bistum Trier: In der katholischen Kirche gibt es zwei Formen des Diakonats: Die Weihe als Schritt der Berufsvorbereitung für spätere Priester sowie "ständige" Diakone, die ihr Amt haupt- oder nebenberuflich ausüben. Diakone sind in der Regel verheiratet. Ledige verpflichten sich vor ihrer Weihe meist zur Ehelosigkeit. Zu den Aufgaben eines Diakons zählt es, in einer Pfarrei mitzuarbeiten und vor allem soziale und karitative Dienste zu übernehmen. Diakone leiten Wortgottesdienste, predigen gelegentlich in der Messe, assistieren bei Trauungen und übernehmen Bestattungen und Taufen. Im Bistum Trier arbeiten derzeit 157 Diakone, davon 41 hauptberuflich. Seit 2007 wurden im Bistum jährlich vier oder fünf Diakone geweiht. Am diesjährigen Pfingstsamstag, 11. Juni, weihte Bischof Stephan Ackermann im Trierer Dom acht Männer zu ständigen Diakonen. urs

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