Dialog soll Digitalisierung fördern

Dialog soll Digitalisierung fördern

Professoren, Studenten und Unternehmer haben in Wittlich mit NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart Heraus- forderungen für die Zukunft diskutiert. Gespräche wie diese sollen keine Eintagsfliege bleiben.

Wittlich Deutschland ist in vielen Bereichen Weltmarktführer, aber nicht bei der Digitalisierung. Diese These stellte Andreas Pinkwart, Wirtschafts- und Digitalminister von Nordrhein-Westfalen, bei seinem Vortrag in der Wittlicher Synagoge auf. Der promovierte Wirtschaftswissenschaftler bot den Zuhörern beim Wittlicher Wissenschaftsdialog einen interessanten Vortrag. "Er hätte noch Stunden reden können, denn der Mann weiß, wovon er spricht. Das war fundiert und ging in die Tiefe", sagte der Wittlicher Unternehmer Bernhard Clemens. Wie Clemens folgten 170 Wittlicher der Einladung zum Wissenschaftsdialog der Forschungsstelle Mittelstand der Uni Trier in Kooperation mit der Stiftung Stadt Wittlich, der Sparkasse Mittelmosel und der Vereinigten Volksbank Raiffeisenbank.
Nach Grußworten des Bürgermeisters Joachim Rodenkirch und des Universitätspräsidenten Michael Jäckel lauschten die Gäste einem Vortrag des Ministers aus dem benachbarten Bundesland.
Pinkwart nannte Dutzende von Beispielen, um zu belegen, dass die deutsche Wirtschaft und insbesondere die Verwaltungen bei der Digitalisierung im Vergleich mit anderen Nationen enorm hinterherhinken.
"Für eine Gewerbeanmeldung muss man beispielsweise in Estland nicht zu unzähligen Ämtern rennen. Dort bekommt man als Gründer alle Anträge und Unterlagen per E-Mail zugeschickt", sagte Pinkwart. Dort seien die Bürger gegenüber der Verwaltung auch keine Bittsteller, denn in Estland verstünden sich die Behörden als Dienstleister für die Bürger.
"Wir können die Digitalisierung nicht aufhalten", sagte Pinkwart, "wir müssen uns der Digitalisierung stellen, dafür öffnen und die positiven Chancen sehen, welche sie uns bietet." Wie viele Bereiche der Wirtschaft hinke auch die Automobilindustrie beim Thema Digitalisierung und in Bezug auf autonome selbstfahrende Fahrzeuge hinterher, sagte Pinkwart.
Prof. Dr. Jörn Hendrich Block von der Universität Trier stellte die Projekte der Forschungsstelle Mittelstand vor. Zehn Studenten der Wirtschaftswissenschaften präsentierten ihre Forschungen in Bezug auf den Mittelstand auf Plakaten, die sie an den Wänden der Synagoge aufgehängt hatten. So kamen am Rande der Veranstaltung auch Unternehmer und Studenten ins Gespräch.
Clemens: "Mehrere Studenten der Forschungsstelle Mittelstand haben in unserem Maschinenbaubetrieb mit 180 Mitarbeitern bereits ihre Diplomarbeiten geschrieben. Wir können froh sein, dass wir so eine Uni in der Region haben, denn da können wir alle nur von profitieren", sagte Clemens.
Simone Röhr, Geschäftsführerin der Stiftung Stadt Wittlich, erklärte: "Es ist wichtig, den Transfer zwischen Universität und Wirtschaft zu fördern. Die Uni zeigt mit der Forschungsstelle Mittelstand, dass sie vor Ort ist und die Studenten somit an der Front arbeiten."
Beim Wissenschaftsdialog kamen aber nicht nur Politiker, Wissenschaftler und Unternehmer zu Wort, sondern auch das Publikum. Zum Thema Digitalisierung fiel einigen Bürgern dabei hauptsächlich ein, dass das Internet in der Region um Wittlich teils noch massive Probleme bei der Übertragungsrate habe, woran sich eine Diskussion zur Technik anschloss.
Zum Thema Digitalisierung bot die Veranstaltung viele Informationen für Bürger und Unternehmer. Clemens: "Es war interessant, so drastisch vor Augen geführt zu bekommen, wie sich die Welt verändern wird. Die Digitalisierung wird in weitere Lebensbereiche Einzug halten. Wir können sie nicht aufhalten und müssen die positiven Chancen sehen." Röhr: "Der Wittlicher Wissenschaftsdialog ist eine Wiederholung wert. Wir würden das gerne fortführen, allerdings steht der Turnus noch nicht fest."