Dicke Luft in der Realschule plus

Der Streit an der Realschule plus in Salmtal geht weiter: Während es aus der Klasse 9c viele Klagen über den Unterricht im Container gibt, ärgern sich Lehrer und Parallelklassen über die Debatte: Es werde ein Feldzug geführt.

Salmtal/Wittlich. "Ich lasse die anderen ausreden", steht auf einem Plakat neben der Schultafel. Dass sich auch Erwachsene nicht immer an diese Regel halten, zeigt dieser Abend. Mehr als 100 Menschen - Lehrer der Realschule plus und Integrierten Gesamtschule (IGS) Salmtal, Eltern und Schüler der neunten Klassen sowie Vertreter von Verbandsgemeinde und Aufsichtsbehörde - diskutieren darüber, ob der Unterricht im Container zumutbar ist. Nein, findet die Wittlicher Rechtsanwältin Margit Bastgen, die die Interessen eines Schülers vertritt, und fordert deshalb über das Landgericht Trier ein wissenschaftliches Gutachten ein.

Drei Klassen der Jahrgangsstufe neun lernen derzeit in den Containern Mathe, Deutsch & Co. Seit 2009 macht die Schule von dieser Ausweichlösung Gebrauch, seit diesem Sommer regt sich Widerstand. Kernargumente: Im Sommer sei es zu heiß, im Winter zu kalt, die Luft sei schlecht und belastet - es bestehe Gefahr für die Gesundheit der Jugendlichen.

Viele Schüler stören Container nicht

Auf die Beschwerde hin, dass es in den Räumen zu eng sei, wurden sie nach einem Ortsbesuch der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) Nord im September vergrößert und mit Fluchtwegen versehen. Zudem zeigen mittlerweile CO-Ampeln den Kohlenstoffdioxid-Gehalt in der Luft an, also den Zeitpunkt, wann gelüftet werden muss. Bei einer Messung wurden im Raum der 9c auch Spuren einer Pilzart (Penicillien) entdeckt. Einer der Gründe, warum Bastgen weiter gegen die Container kämpft.

Bei einem Elternabend zeigt sich nun, dass nicht alle Eltern und Schüler ihre Sicht teilen - vor allem die Parallelklassen nicht. Zwei Neuntklässlerinnen, Rachel Sharp und Andrea Klippenstein, haben eine Umfrage in den Klassen 9d und 9e gestartet, die ebenfalls in den Containern untergebracht sind. Ergebnis: "Die Mehrheit hat damit überhaupt kein Problem."

Einige Eltern gehen von hoher Schadstoffbelastung aus

Mehr noch, viele ärgert die Debatte mittlerweile. "Das Problem wird total hochgekocht, und es kommt nur eine riesige Unruhe in die Schule", sagt Renate Friedrich aus Dreis. Sie hat selbst drei Kinder, die im Container unterrichtet wurden. Hauptärgernis ist die zweiwöchige Wanderschaft der neunten Klassen. Vor der Vergrößerung der Container wurden die Schüler in Räumen des Schulgebäudes unterrichtet, die stundenweise frei waren. Das ist auf Dauer keine Lösung, da sind sich die Beteiligten einig.

Kunstlehrerin Ellen Just-Coenen ist "fassungslos, dass es den Kindern nicht zuzumuten sein soll, zu lüften und zur Not auch mal die Jacke anzuziehen, wenn es dann kalt wird. Aus einem natürlichen Elterninteresse ist ein Feldzug geworden". Lehrerin Jutta Okfen sagt: "Wir klagen hier auf ganz hohem Niveau." Darauf entgegnet eine Mutter: "Wenn es um die Gesundheit der Kinder geht, kann das Niveau nicht hoch genug sein."

Da Schüler über Kopfschmerzen geklagt haben, gehen einige Eltern von einer hohen Schadstoffbelastung aus. Denn der Container sei bereits zehn Jahre alt und zuvor möglicherweise in der Chemieindustrie eingesetzt worden, sagt Karl-Gustav Kwasny, Vater eines Neuntklässlers. Eine Alternative seien Holzcontainer, die aber laut Susanne Sonnen von der Verbandsgemeinde-Verwaltung, dem Schulträger, nur ab einer Nutzung von zehn Jahren zum Einsatz kommen.

Schulgebäude soll aufgestockt werden

Bastgen fordert daher, die Container nur noch mit Kleingruppen zu nutzen. Die "Containerklassen" sollten wieder im Schulgebäude untergebracht werden. Eine Schülerin der 9c beschwert sich zudem darüber, dass zuerst viel Geld für die neue Mensa ausgegeben werde anstatt für Klassenräume. "Wir können uns nicht konzentrieren, wenn es so kalt im Raum ist."

Nach einer hitzigen Debatte, in der beide Seiten immer wieder Applaus ernten, zeichnet sich ab: Wahrscheinlich bleiben die Klassen 9d und 9e in den Containern, während sich die 9c wieder auf Wanderschaft im Schulgebäude begibt. Zudem sind ständige Luftraummessungen im Gespräch, um verlässliche Werte zu eruieren.
Zudem ist ein Anbau geplant. Voraussichtlich ab dem Sommer 2012 soll der Neubau um drei Räume erweitert werden. Außerdem soll das Schulgebäude aufgestockt werden. Dazu gibt es aber noch keinen konkreten Plan.