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Dickes Lob und meist sanfte Seitenhiebe

Dickes Lob und meist sanfte Seitenhiebe

MORBACH/GUTENTHAL. Es hat schon spannendere Haushaltssitzungen in Morbach als die am Mittwochabend im Gutenthaler Bürgersaal gegeben. Aber wer will bei einem so erfreulichen Zahlenwerk schon den großen Hammer auspacken? Da blieb auch die Opposition vorwiegend bei sanften Seitenhieben.

Bürgermeister Gregor Eibes stellte die Eckdaten (siehe Etat 2007 in Zahlen) vor, der ohne Gegenstimmen verabschiedet wurde. Allein das Finanzvolumen von 29,4 Millionen Euro sei eine "Zahl, die erschlägt", davon 4,1 Millionen Investitionen plus Grunderwerb. Wie die Fraktionsvorsitzenden dankte auch der Rathaus-Chef den Unternehmen und ihren Mitarbeitern, die eine derartige Bilanz erst möglich machten. Heribert Knob freute sich, dass die Gemeinde trotz großer Investitionen den "Weg der Tugend" nicht verlassen müsse und weiter Schulden abbauen könne. Denn auch in Zukunft stehe Morbach mit der demografischen Entwicklung vor Herausforderungen, ist der CDU-Fraktionsvorsitzende überzeugt. Anderswo wie in Berlin stehe man mit dem Rücken an der Wand. Ohne die Rahmenbedingungen vergleichen zu wollen, stellte er die Pro-Kopf-Zinszahlungen der Kommunen gegenüber. Während in der Bundeshauptstadt rund 700 Euro pro Einwohner für Zinsen ausgegeben werden, seien es in der Einheitsgemeinde 22,50 Euro. "Machen wir uns klar, dass es ein Wert an sich ist, in Morbach zu leben und zu arbeiten", appellierte er. "Weiterhin eine glückliche Hand" wünschte Achim Zender (FWM) dem Rathaus-Chef und seinen Mitarbeitern. Mit Sorge betrachte seine Gruppierung allerdings die Entwicklung beim Archäologiepark. Die Defizit-Entwicklung habe "zwischenzeitlich Ausmaße angenommen, die man beobachten muss". Zender forderte eine Entscheidung, ob die wissenschaftliche Begleitung oder die Funktion als Publikumsmagnet im Vordergrund stehen solle. Wenn das Museum in der bisherigen Form weitergeführt werden solle, müssten Land und Kreis einspringen. Vom "Cappuccino-Haushalt mit Sahnehaube" sprach Karlheinz Schneider (SPD). Wäre nicht der "Bahnhofstraßen-Palast", sprich der Rathaus-Neubau, könnten die Sozialdemokraten glatt zustimmen. Auch dem SPD-Fraktionssprecher ist die Kostenentwicklung bei den Museen ein Dorn im Auge. Allein bei Belginum gebe es ein Defizit von 103 000 Euro. Das wolle seine Fraktion nicht länger hinnehmen. Er beantragte, einen Ausschuss mit dem Ziel zu gründen, die Kosten in den Griff zu bekommen. Der Rat beschloss, dass sich der Fremdenverkehrs- sowie der Jugend-, Sozial- und Kulturausschuss des Themas annehmen sollen. Uwe Andretta (Grüne Liste) forderte wie im Vorjahr die Erstellung eines Gebäudeenergie-Katasters und sieht Bedarf für ein Haus der Jugend und einen Jugendpfleger. Was das Kataster angehe, empfahl der Bürgermeister abzuwarten, welche Bedürfnisse der gerade gegründete Umwelt-Arbeitskreis anmelden werde und erst dann zu beschließen. Bei sechs Ja-Stimmen wurde der Antrag auf Bereitstellung von 70 000 Euro für den Jugendpfleger und die Anschubfinanzierung eines Hauses der Jugend abgelehnt.