Die Akzeptanz wächst

WITTLICH. (peg) Die Erfolgsstory der Privatisierung der E-Musik repräsentiert in der Säubrennerstadt der Musikkreis. Zum zehnten Geburtstag zog er Bilanz und gewährte einen Ausblick in die Zukunft.

Zum runden Geburtstag leistete sich der Musikkreis ein Sonderkonzert mit dem Trio Richard Ufer (Klavier), Esin Savci (Violine) und Sonja Lehrke (Violoncello). Die Musik von Beethoven, Brahms und Mendelssohn-Bartholdy, leichtfüßig und souverän vorgetragen, bildete den würdigen Auftakt für die anschließende Mitgliederversammlung. Neben den Wahlen, die die erfolgreiche Arbeit des alten Vorstands bestätigten, indem sie alle verantwortlichen Köpfe in ihrem Amt beließen, zog der Kreis eine erste Bilanz. Zu Beginn hatten sich zehn Mitglieder zum Verein zusammen geschlossen; inzwischen sind es 60. Entstanden war der Musikkreis im Zuge des allseits vollzogenen Outsourcing. Alt-Bürgermeister Helmut Hagedorn hatte Kenner und Aktive der regionalen Musikszene gebeten, einige der bis dahin von der Verwaltung geleisteten Arbeiten im Ehrenamt zu übernehmen. Als "Privatisierung der E-Musik" bezeichnet der Vorsitzende des Musikkreises, Franz-Josef Scherl, diesen Vorgang. Neben ihm gehörten Josef Ehses, damals Leiter der Kreismusikschule, Heribert Wipperfürth, Thomas Maringer und Manuel Klein als Vertreter der Jugend dem ersten Vorstand an Freude an den anspruchsvollen und teilweise hochkarätigen Konzerten, die der Musikkreis immer wieder in die Stadt bringt, haben die Mitglieder immer auch selbst. Ehses schmunzelnd: "Wir bieten Wittlich und uns schöne Konzerte." Daraus resultiert die Bereitschaft, im Schnitt mehr als eine Stunde am Tag dem Verein zur Verfügung zu stellen. Ihre Arbeit tun sie mit großer Sorgfalt nicht nur im musikalischen Bereich. Kassenprüfer Dieter Burgard bescheinigte den Herren eine sparsame Haushaltsführung. Dazu trägt wesentlich die Begabung zum Feilschen bei, wenn es um die Gagen geht: "Wir schöpfen unsere Möglichkeiten gerne aus." Dennoch: "Wenn wir größere Konzerte veranstalten, sind wir natürlich auf Förderer angewiesen", so Ehses. Verlässliche Größen waren im Lauf der Jahre sowohl die Raiffeisenbank als auch die Kreissparkasse; die Stiftung der Stadt beteiligt sich im Rahmen von Einzelfallförderung. Telefonate, Porto, Fahrten und das Organisieren von Mikros, Podesten, Blumen und was sonst noch alles dazu gehört, bringen meist die Mitglieder selbst ein: unermüdlich, und, da sie selbst so große Musikliebhaber sind, immer mit dieser Portion Eigennutz, die den meisten Ehrenämtern inne wohnt. Haydns Schöpfung unter der Leitung von Karl Berg oder das Konzert mit der Sächsischen Staatskapelle Dresden finden schließlich nicht alle Tage in der Provinz statt. Im Lauf der Jahre hat sich die Zahl der Konzertbesucher fast verdoppelt: Indiz für die große Akzeptanz des Musikkreises. Die moderaten Eintrittspreise sowie die Ermäßigung für Jugendliche, die einen Konzertbesuch der ganzen Familie ermöglichen sollen, werden in Zukunft beibehalten. Das kulturelle Highlight des kommenden Jahres stellte Ulrich Jaeckel-Laurenze vor: Zu den "Wittlicher Kulturtagen 2004/Cross-over der Künste" hatte der Musikkreis den Anstoß gegeben. Er zeichnet dabei für zwei Konzerte verantwortlich: Zu einem Liederabend kommen Christoph Prégardien und Michael Gees und das Antares-Schlagzeug-Ensemble liefert einen Beitrag zeitgenössischer Musik. Auch ein neues Gesicht sitzt im Beirat: Heike Salzburg, ehemalige Betreiberin der Schülersmühle in Morbach, bringt ihre Erfahrung aus dem Konzertbetrieb ein.