Die alte Uhr tickt wieder richtig

TRABEN-TRARBACH. Ein Blickfang ist die prachtvolle Bergische Uhr, die im Herrenzimmer des Mittelmosel-Museums einen würdigen Platz gefunden hat. Nach ihrer umfassenden Restaurierung zieht sie mit ihrem gemütlichen Ticken und dem silberhellen Stundenschlag die Besucher in ihren Bann.

Ihr neues Leben verdankt sie Jochen Vogt aus Dortmund, der sich der kleinen Kostbarkeit angenommen hat. Auf dem Dachboden des Hauses Böcking hatte er mit Museumswart Christof Krieger die wertvolle Uhr entdeckt, die sich in einem jammervollen Zustand befand. Der Kommunalbeamte im Ruhestand ist kein gelernter Uhrmacher, sondern Autodidakt mit jahrzehntelanger Erfahrung und viel Fingerspitzengefühl. Die Uhr vom Dachboden, die um das Jahr 1810 im Bergischen Land entstand, war bei Vogt in den richtigen Händen, zumal er schon elf ihrer "Artgenossen" restauriert hatte. Fünf Monate hatte der Dortmunder zu tun, "es war viel Arbeit", erinnert er sich. Nach der gründlichen Reinigung ergänzte er fehlende Teile wie einige Profilleisten am Gehäuse. Auch die Gewichte und das Pendel fehlten. Maschinen setzt Vogt nicht ein, "Ich arbeite nur mit dem Handhobel", versichert er. Dem Restaurator ist daran gelegen, historisches Kulturgut zu bewahren, und er möchte die Uhren auch wieder zum Laufen bringen. Ende 2005 war er mit der Arbeit fertig, und seit Saisonbeginn schlägt den Besuchern im Herrenzimmer die Stunde. Ein niederländischer Uhrmachermeister war unlängst ganz aus dem Häuschen, als er die Uhr im massiven Kirschbaumgehäuse mit geprägtem Messingblech und dem Zifferblatt aus Mettlacher Keramik entdeckte. Jochen Vogt hat seine Restaurierung umfassend in einem Buch dokumentiert, und der niederländische Meister freute sich, als ihm ein Einblick in die Arbeit seines Kollegen gewährt wurde. "Dass das Keramik-Zifferblatt noch völlig intakt ist und keinen Sprung hat, ist eine Seltenheit", hat Vogt erfreut festgestellt. Die Uhr hat ein Acht-Tage-Werk mit Stundenschlag, und die Bronzeglocke befindet sich oben auf dem hölzernen Gehäuse, an dem der Übergang vom Rokoko zur Biedermeierzeit ersichtlich ist. Bergische Uhr kann fast täglich besichtigt werden

"Überwiegend wurden früher nur Uhrenköpfe hergestellt", weiß der Fachmann. Der Transport auf Pferdefuhrwerken war somit einfacher, und den Aufsatz besorgte sich der Kunde meist später. Vogt nutzte jetzt einen Urlaub in Kröv, um zur "ambulanten Behandlung" im Mittelmosel-Museum zu schreiten. In seinem ledernen Rucksack hat er "schwerwiegendes" Werkzeug, und mit wenigen geschickten Handgriffen nimmt er eine Reparatur am Zeigerwerk vor. Mit einer Kurbel wird die Uhr aufgezogen, das Pendel wird angestoßen, und schon tickt sie wieder richtig. Die Bergische Uhr ist nicht die erste, die Vogt im Hause Böcking restauriert hat, und weitere wertvolle Objekte warten noch auf seine kundige Hand und ihre künftige "Schlagfertigkeit". Das Mittelmosel-Museum und die Bergische Uhr können täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr besichtigt werden.

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