Die Altstadt von Bernkastel-Kues soll durch Poller sicherer werden

Verkehr : Ab elf Uhr sind die Poller in der Altstadt von Bernkastel-Kues oben

Die Altstadt von Bernkastel-Kues soll durch Absperrungen verkehrsärmer und sicherer werden. Der Schutz des Marktplatzes ist dabei das Hauptanliegen.

„Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung“: So lautet der Titel eines Spielfilms aus dem Jahr 1968, der auch durch die dazugehörende Musik von James Last bekannt wurde. Morgens um sieben ist die Welt auch noch auf dem Marktplatz in der Bernkasteler Altstadt in Ordnung. Morgens um elf sieht das speziell in der Saison zwischen Ostern und Ende Oktober allerdings ganz anders aus. Dann kommen sich die ersten Touristen mit den vielen Lieferfahrzeugen ins Gehege.

Und die Gastronomen fluchen, weil sie Tische und Stühle, am Vorabend weggeräumt, noch nicht aufstellen können. Morgens um elf soll die Altstadt deshalb möglichst bald verkehrsfrei sein. Es werden, so der Stand der Dinge, an drei Stellen jeweils vier Poller im Boden verankert. Der Stadtrat hat dazu eine Grundsatzentscheidung erlassen.

Standorte sind die Zufahrt zum Markt (von der Brücke aus), die Einfahrt zur Hebegasse und die Römerstraße etwas unterhalb der Einmündung zur Straße Hinterm Graben.

Die jeweils äußeren Poller werden fest im Boden verankert, die beiden mittleren können in Sekundenschnelle heruntergefahren werden. Das ist schon deshalb notwendig, weil Einsatzfahrzeugen von Feuerwehr, Rettungskräften und Polizei die Durchfahrt ermöglicht werden muss. Mit welcher Technik das geschieht, steht noch nicht fest: mit einem Gerät ähnlich einem Garagentor-Öffner oder einem sogenannten „Tag“, einer am Fahrzeug integrierten kleinen Plakette mit speziellen Daten.

Es sind nicht nur die großen und kleinen Laster der Lieferanten, die ab 11 Uhr ein Ärgernis darstellen. Von vielen Autofahrern werden Markt, Burgstraße und Römerstraße auch als Durchgangsweg genutzt. Einige Rastmitglieder weisen auf diesen Missstand hin. „Da auch Vernunft und Einsicht fehlen, gibt es zu den Pollern leider keine Alternative“, sagt Brigitte Walser (SPD). Axel Weber (UBU) spricht von vielen „Undiszipliniertheiten zu jeder Tages- und Nachtzeit“. „Alle Städte mit Charme haben Poller“, ergänzt Jürgen Servatius (FDP). Nur Karin Oster (CDU) bezweifelt die Notwendigkeit und stimmt als einzige gegen das Projekt. Es werde den Anliegen von Anwohnern, Kindertagesstätte und Altenheim nicht gerecht. Wer jetzt schon einen Sonderausweis habe, dem werde auch in Zukunft die Zufahrt ermöglicht, erwidert Stadtbürgermeister Wolfgang Port (CDU).

Dazu kommt noch eine ganz neue Situation: die Sicherheit nach weltweit vielen Terroranschlägen auf Weihnachtsmärkte oder ähnliche Veranstaltungen. Seit einigen Jahren werden in Bernkastel-Kues beim Weinfest der Mittelmosel die Weinstraße und die Zufahrt zum Marktplatz mit Containern beziehungsweise Traktoren geschützt. Nun soll zumindest für den Markt eine feste Lösung her. Denn dort herrscht in der Saison täglich Hochbetrieb. Weil die Zufahrt zum Marktplatz ein zentraler Ort ist, werden dort die beiden mittleren Poller besonders fest im Boden verankert, bleiben aber trotzdem versenkbar.

„Einen 80 Stundenkilometer schnellen Sprinter halten die locker aus, auch ein 7,5-Tonner wird aufgehalten“, sagt Diplom-Ingenieur Mario Zimmer (Ingenieurbüro Garth, Bernkastel-Kues). Das Büro ist mit der Planung befasst. Wegen dieser besonderen Sicherheitsvorkehrung seien die Kosten auch verhältnismäßig hoch, sagt Stadtbürgermeister Port. Sie belaufen sich, so Mario Zimmer, auf etwa 144 000 Euro. Die Umsetzung werde in der eher ruhigen Zeit erfolgen, verspricht das Stadtoberhaupt. Zu gegebener Zeit werde es dazu auch eine Bürgerversammlung geben.

So könnten die Polleranlagen, hier eine der drei (vom Markt in Richtung Brücke gesehen) aussehen. Foto: Ingenieurbüro Garth

Übrigens: Wer vor 11 Uhr in die Altstadt fährt, wird auch nach 11 Uhr noch rauskommen. Magnetschleifen im Boden werden dann die automatische Öffnung ermöglichen, sagt Ingenieur Zimmer.

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