Die Beeren sind jetzt extrem empfindlich

Die Beeren sind jetzt extrem empfindlich

Laut Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) gab es eine rasante Entwicklung bei den Reben in den vergangenen Tagen. Das Stadium Erbsengröße sei in vielen Anlagen erreicht. Das DLR weist darauf hin, die Botrytisbehandlung kurz vor Traubenschluss einzuplanen. Außerdem nehme der Mottenflug zu - das DLR bittet darum, die Fangzahlen zu melden.

Bernkastel-Kues. (red) Die Gewitter des vergangenen Wochenendes mit Niederschlägen bis zu 60 Litern haben regional zu verstärkten Peronosporainfektionen geführt. In den nächsten Tagen besteht erhöhte Gewittergefahr und dadurch ein erhöhter Infektionsdruck, berichtet das DLR. In Anlagen mit morgendlicher Taubildung ist die Krankheitsgefahr weiterhin vorhanden. Aufgrund des enormen Beerenwachstums sollte ein lückenloser Fungizidbelag zum Schutz der jetzt extrem empfindlichen Beeren gewährleistet sein.

Peronospora: Weiterhin werden neue Ölflecke, mit und ohne Pilzbelag, gefunden. Die Peronospora-Gefahr bleibt bestehen. Deshalb werden tiefenwirksame Mittel empfohlen. Wenn nicht schon vor den Niederschlägen, ist danach binnen ein bis spätestens zwei Tagen ein tiefenwirksames Mittel auszubringen. Nur bei enger Spritzfolge und in befallsfreien Anlagen werden Kontaktmittel empfohlen.

Oidium:
Wegen erhöhter Infektionsgefahr sind organische Mittel wie Collis, Discus, Flint, Talendo, Vento Power, Vivando, Cabrio Top oder Universalis einzusetzen. Bei Befall empfiehlt sich der Einsatz von Prosper.

Schwarzfäule:
Die im letzten Rebschutzaufruf gemeldete Zunahme von Blattsymptomen wird vermehrt beobachtet. Bei allen Spritzungen sollte unbedingt ein tiefenwirksames Präparat mit Wirkung gegen die Schwarzfäule eingesetzt werden.

Botrytis:
Angesichts der rasanten Entwicklung wird das Stadium kurz vor Traubenschluss an günstigen Standorten bald erreicht sein. Vor allem bei Sorten mit kompakten Trauben empfiehlt sich der Einsatz eines Spezialbotrytizides.

Die Behandlungen mit Spezialbotrytiziden sind zu unterstützen mit Maßnahmen zur Vorbeugung gegen Botrytis. Vordringlich ist eine lockere Laubwand, insbesondere im Bereich der Traubenzone anzustreben. Unterstützend wirken eine zurückhaltende Stickstoffdüngung und die Teilentblätterung der Traubenzone bei kompakten Trauben. Um Sonnenbrandschäden zu vermeiden sollte eine zu starke Entblätterung der Traubenzone nicht mehr erfolgen.

Sauerwurm:
Der Mottenflug hat zu Wochenbeginn eingesetzt. Damit eine Aussage hinsichtlich eines optimalen Bekämpfungs-Termines getroffen werden kann, sind die Fallen regelmäßig zu kontrollieren und die Fangzahlen zu melden.

Schildlaus: In befallenen Anlagen kann zur Bekämpfung Confidor WG 70 eingesetzt werden. Da die jungen Schildläuse auf die Blätter aufgewandert sind, liegt jetzt der richtige Bekämpfungszeitpunkt vor. Eigenverantwortlich sollten die Anlagen kontrolliert werden.

Mit einer Lupe sind die Läuse vor allem an den unteren Blättern der mittleren Triebe zu finden und an ihrer ovalen Form zu erkennen. Im Rahmen der Lückenindikation (§18a) wurde Confidor WG 70 gegen Schildläuse in Ertragsanlagen mit maximal einer Anwendung nach der Blüte genehmigt (Wirkstoff Imidacloprid, Aufwand menge 0,16 kg/ha, Wartezeit 35 Tage).

Das Mittel ist als bienengefährlich eingestuft. Es darf nicht auf blühende Pflanzen ausgebracht werden, dies gilt auch für blühende Unkräuter. Auf gründliche Benetzung ist zu achten.

Bodenbearbeitung: Wegen Erosionsgefahr durch starke Niederschläge sollte zurzeit keine offene Bodenbearbeitung durchgeführt werden. Zur Schonung des Bodenwassergehaltes sind Mulcharbeiten anzuraten.

Tafeltrauben:
Falls vorgesehen ist, im Herbst Esstrauben aus Ertragsanlagen zu schneiden, muss unbedingt darauf geachtet werden, dass die verwendeten Mittel auch im Tafeltrauben-Anbau zugelassen sind (Liste unter www.dlr-rheinpfalz.rlp.de) Pflanzenschutzdokumentation: Sie ist für jeden Winzer verpflichtend. Aufzuzeichnen sind der Name des Anwenders, die jeweilige Anwendungsfläche, das Anwendungsdatum, das verwendete Pflanzenschutzmittel, die Aufwandmenge sowie das Anwendungsgebiet.

Nach Ablauf der Spritzsaison sind die Aufzeichnungen noch zwei Jahre aufzubewahren. Die zuständige Behörde kann Einsicht in die Aufzeichnungen nehmen.

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