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Die Bernkasteler Feuersbrunst 1857: Brandstifter hält die Stadt in Atem

Die Bernkasteler Feuersbrunst 1857: Brandstifter hält die Stadt in Atem

Das Jahr 1857 ist nicht nur als hervorragendes Weinjahr an der Mosel lange in Erinnerung geblieben, sondern auch als das böse Brandjahr. Der Bernkasteler Wolfgang Gilles erinnert an das Katastrophenjahr.

Bernkastel-Kues. Zuerst brannten in der Stadt Zell in der Nacht vom 14. zum 15. Juli 15 Häuser ab und fünf Tage danach noch einmal zehn Gebäude. Am gleichen 20. Juli entstand in Trarbach ein furchtbarer Stadtbrand, der drei Viertel der Häuser in Schutt und Asche legte.
Stadt GEschichte(n)


Während man in der Nacht vom 21. zum 22. Juli und am Vormittag des 22. bemüht war, Lebensmittel nach Trarbach zu schaffen, und zahlreiche Bürger der Stadt Bernkastel mit Spritzen und sonstigen Löschgeräten Hilfe in Trarbach leisteten, ängstigten bereits allerlei dunkle Gerüchte von Bränden in anderen Orten der Umgebung die Einwohner von Bernkastel. Mit Entsetzen vernahm man um 14 Uhr den Ruf "Feuer" und die Brandglocke. Es brannte in der Graacher Straße. Ausgehend von dem Hause der Firma S. u. L. Marx (heute Haus Eich) am Bärenbrunnen, standen in einer Viertelstunde ein halbes Dutzend Häuser in Flammen. Erst gegen Abend gelang es, das Feuers zu stoppen. Am nächsten Morgen fand man 30 rauchende Schutthaufen vor.
Furchtbar war der Verdacht, den man gegen den Inhaber der Firma Marx hegte, doch stellte sich das Gerede sehr bald als unsinnig heraus, da gerade er am schwersten getroffen war: Seine Versicherung war am 1. Juli 1857 abgelaufen und nicht wieder erneuert worden.
Regierungsvertreter aus Trier kamen am 23. Juli nach Bernkastel, mit ihnen eine Untersuchungskommission und ein Militärkommando, das zusammen mit den Bewohnern mit der Räumung der verschütteten Straßen begann. Schwer war der Schicksalsweg für die Anwohner der Graacher Straße. 35 Familien war alles verbrannt, 20 davon hatten ihr gesamtes Hab und Gut verloren. Die Not war groß, zumal die Ernten der Vorjahre schlecht gewesen waren.
Es folgten noch sechs weitere Brände, darunter auch am 26. August in der Römerstraße. Dort fielen abermals 21 Gebäude sowie das Kapuzinerkloster nebst Pfarrhaus und Lehrerwohnungen dem Feuer zum Opfer. Doch erst beim siebten Brand am 7. November 1857 am Heilig-Geist-Hospital in der Burgstraße wurde der Täter entlarvt.
Eine Frau erkannte am Brandherd die Reste der Lunte aus einem Kleidungsstück, das sie dem "armen Johann Meisterburg" geschenkt hatte. Am 8. November wurden drei Personen, eine Frau Meisterburg mit ihrem 24-jährigen Sohn und ein anderer 14-jähriger Bursche, verhaftet. Wegen siebenfacher Brandstiftung kam Johann Meisterburg am 28. Februar 1858 vor Gericht. Im Kölner Zuchthaus Klingelpütz, wohin er zur Verbüßung der lebenslangen Zuchthausstrafe eingeliefert wurde, machte er seinem Leben gewaltsam ein Ende: Er trieb sich einen starken Drahtnagel in den Kopf. Die Gerichtsakten vermerken, dass man leider seine Mutter nicht habe verurteilen können; ihr falle die Hauptschuld an der Verworfenheit ihres Sohnes zu. Heute ist die Ostseite der Graacher Straße wieder aufgebaut und die Straße war die erste Fußgängerzone der Stadt Bernkastel-Kues.
(Quellennachweis: Archiv Heimatmuseum Graacher Tor)