Die besten Bratkartoffeln der Eifel

Buch : Die besten Bratkartoffeln der Eifel

Karin Otten hat im Küchenschrank ihrer Mutter ein Kochlexikon der ehemaligen Landeszeitung gefunden. Darin sind viele Gerichte, die heute noch gerne gegessen werden und solche die heute kaum noch auf dem Tisch stehen.

Ein olivgrüner Einband mit einer gezeichneten, lächelnden Frau darauf, die eine Suppenschüssel hält. So sieht das Koch-Lexikon aus, dass Karin Otten beim Räumen gefunden hat. Es stammt von ihrer Mutter, die 103 Jahre alt geworden, und vor wenigen Jahren gestorben ist. Karin Otten berichtet: „Sie hatte mich als Tochter, drei Enkel, sechs Urenkel und ein Urenkelchen wäre jetzt unterwegs.“ Ihre Mutter musste sie, nachdem der Vater im Krieg gefallen war, allein großziehen und hat in Trier in einem Metzgershaushalt gearbeitet. Zu Hause hatte Oma Katharina oft am Herd gestanden. Karin Otten berichtet: „Meine Mutter hat sehr gut gekocht. Sie war ja in Euren im Haushalt und bei Metzgersleuten wurde gut gegessen.“ Herausragend waren ihre Bratkartoffeln, die sie sich jeden Abend gemacht hat. „Wir wissen nicht, was sie damit angestellt hat, aber die waren Weltklasse. Vielleicht hatte sie das richtige Gespür dafür, wieviel Gewürz sie brauchen und wie lange sie in der Pfanne bleiben müssen“, erklärt Karin Otten und ergänzt: „Und bei einem guten Stück Fleischwurst und einem Bier hat sie nicht nein gesagt.“ Zudem hat sie, bis sie 95 Jahre alt war, den Küsterdienst im Dorf verrichtet, und an ihrem 100. Geburtstag gab es einen großen Empfang im Bürgerhaus. Wie alt das Kochlexikon ist, dass von der Trierischen Landeszeitung herausgegeben worden ist, die bis 1974 erschien, kann man nicht erkennen. Das Lexikon ist so aufgebaut, dass man einzelne Seiten mit einem Schnellhefterverschluss abheften konnte, so dass Familie Otten vermutet, dass es sich um eine Fortsetzungsserie handelt. Bei den 600 Seiten bedeutet das, dass über zwei Jahre in jeder Ausgabe eine Seite mit Rezepten erschienen ist.

Unter den Rezepten sind Gerichte, die auch heute noch auf den Tisch kommen, wie Königsberger Klopse oder eine Remouladensoße. Dinge, an die sich vielleicht eher die Älteren erinnern sind braune Zwiebelsoße, die mit Essig abgelöscht wurde oder Zwiebelquark, der mit Paprika, Kümmel und Salz als hervorragender Brotaufstrich angepriesen wird. Sehr selten werden heute wahrscheinlich Kuheuter in Sardellen den Weg auf die Teller finden. Man hat für dieses Gericht die Euter gekocht und in feine Scheiben geschnitten. Eine Schwitze wird mit Fleischbrühe aufgegossen und mit Essig, Muskat, Kapern sowie Sardellenpaste gewürzt und mit Salz und Suppenwürze abgeschmeckt. Daran, dass es bei ihnen zu Hause einmal Kuheuter auf dem Tisch gestanden haben sollen, erinnert sich Karin Otten nicht. „Wir hatten zwar auch Vieh und haben selbst geschlachtet, aber Euter gab es bei uns nicht. Aber ich kann mir vorstellen, dass es das gegeben hat, denn schließlich wollte man so viel wie möglich zu verwerten“, sagt sie. Auffällig ist, dass früher sehr viel öfter Wild und Fisch auf dem Speiseplan standen, Fleischreste verwertet wurden, beispielsweise in einem Reisauflauf, und oft mit Essig gekocht wurde.

Neben den Rezepten ist das Din A5 große Buch auch ein Zeitdokument. Es ist zwar nirgendwo vermerkt, wie alt es ist, aber es sind auf den Seiten viele Zeitungsanzeigen zu sehen, von Unternehmen und Geschäften, die es damals in Trier und Umgebung gegeben hat. Da ist beispielsweise eine Anzeige von „Woll- und Seidenstoffe Insel“, „Uhren Pese Glockenstraße“ oder für Macka-Gold Eiernudeln zu finden.

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