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Die Bischofsdhroner Kirche St. Paulinus wird 250 Jahre alt

Bedeutendes Bauwerk : Ein Jubiläum mit Fragezeichen – Die Bischofsdhroner Kirche St. Paulinus wird 250 Jahre alt

Die Bischofsdhroner Kirche St. Paulinus wird 250 Jahre alt. Ihre Historie führt jedoch bis weit ins Mittelalter zurück.

(cst) Mehrere Gotteshäuser in der Einheitsgemeinde Morbach sind 1770, also vor 250 Jahren, errichtet und geweiht worden. Die Bischofsdhroner Kirche St. Paulinus sticht jedoch unter den Jubilaren heraus. „Wir gehen der Idee nach, dass diese Kirche die Tochter der Paulin-Basilika in Trier ist“, sagt Wolfgang Fink, der sich bei der Erstellung einer Festschrift mit der Historie der von 1766 bis 1769 erbauten und 1770 geweihten Kirche auseinandergesetzt hat.

Gleich mehrere Parallelen hat das Bauwerk mit der Trierer Basilika. Sie weist die gleiche Bauzeit auf, hat den gleichen Namenspatron und den gleichen Grundriss. Und mit einem Schüler von Balthasar Neumann  hat sie den gleichen Baumeister, sagt Fink. „Es gibt eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass Bischofsdhron neben mehreren bedeutenden Reliquien auch solche aus St. Paulin erhalten hat“, sagt er. Das besondere an der Bischofsdhroner Kirche sei, dass die „Mutterkirche des zentralen Hunsrücks“ eine vollständige Innenausstattung im bayerischen Barockstil besitze. Die Orgel aus dem Jahr 1828 mit einem Gehäuse im Stil Ludwig XVI. wurde von einem Mitglied der berühmten Orgelbauerfamilie Stumm gebaut.

Doch ist Fink bei seinen Nachforschungen bisher eines unklar geblieben: Wieso verfügt ein relativ kleiner Ort über eine solch große Kirche und zwar schon in der Romanik, die in unserer Region vom neunten bis ins 13. Jahrhundert gedauert hat? 1270 ist das Gotteshaus erstmals kirchenrechtlich erwähnt worden. Eine zweite Kirche ist 1482 am gleichen Platz gebaut worden. Aus dem gleichen Jahr stammt vermutlich auch die alte Sakristei. Lediglich das Langhaus und der Chor sind 250 Jahre alt. Finks Vermutung ist, dass die Bischofsdhroner Kirche auf Verfügung von Kurfürst Balduin im 14. Jahrhundert zur zentralen Kirche im Amt Baldenau auserkoren wurde und als Burgkapelle der Burg Baldenau gedient hat. „Da ist aber viel Spekulation dabei“, sagt Fink.

Die Historie um die einst für die Region offensichtlich bedeutende Kirche ist Grund genug, ihr 250-jähriges Bestehen angemessen zu feiern. „Wir wollten Kirmes und Jubiläumsfeier zusammenlegen“, sagt Achim Welgen vom Vorstand des SV Bischofsdhron, der in diesem Jahr die Kirmes ausgerichtet hätte, die aber wegen der Corona-Pandemie nicht stattfindet. Bischof Ackermann hätte die Messe halten sollen, anschließend wollte man den Festkommers im Zelt nebenan begehen. „Bei den aktuellen Auflagen kann eine Messe nicht stattfinden. Ein Rundgang ist in der Kirche wegen fehlender Seitengänge nicht möglich“, sagt Ortsvorsteher Frank Leis. „Wir müssen abwarten und voraussichtlich im Juli in Abstimmung mit Ordnungsamt und Bistum entscheiden, was möglich ist“, sagt Welgen. Für Pastor Michael Jakob ist es sehr schmerzhaft, dass die Jubiläumsfeier nicht wie geplant stattfinden kann. „250 Jahre für die Bischofsdhroner Pfarrkirche sind eine stolze Zahl, deren langjährige  Kirchengeschichte die Menschen geschrieben haben“, sagt er.