Die Bremer und das Erdener Treppchen

Freundschaft : Die Bremer und das Erdener Treppchen

Eine Delegation aus der Hansestadt erntete den Senatswein. Im Erdener Treppchen entsteht ein Skulpturenwanderweg.

Es ist eine ganz besondere Freundschaft, die den kleinen Weinort Erden mit der Hansestadt Bremen verbindet. Seit vielen Jahren bewirtschaftet die Stadt an der Weser in der Toplage Erdener Treppchen einen Weinberg. Seit dem Jahr 2012 wird der dort geerntete Wein vom Bremer Martinshof, der Arbeitsangebote für Menschen mit Behinderungen gestaltet, als „Bremer Senatswein“ angeboten.

Jedes Jahr kommt im Herbst eine Delegation aus Bremen für mehrere Tage an die Mosel. Höhepunkt ist die Weinlese, diesmal am vergangenen Samstag. Und es war höchste Zeit, denn die Trauben hatten wegen der feuchten Witterung etwas gelitten und die Menge deutlich schrumpfen lassen. Aber Weinkenner wissen: Der Riesling kann auch Fäulnis vertragen, wenn diese zu noch höheren Mostgewichten führt. Und wenn die Weinernte beendet ist, feiert die Lesemannschaft in der neben dem Weinberg gelegenen römischen Kelteranlage.

Diesmal kamen zwei ganz besondere Projekte hinzu: Angeregt durch das Kunstprojekt im vergangenen Jahr haben Mitarbeiter der Werkstatt Martinshof Bremen und des DRK-Sozialwerkes Bernkastel-Wittlich Skulpturen aus Stein, Holz und Reben gefertigt, die im kommenden Jahr im Erdener Treppchen aufgestellt werden.

Fertiggestellt ist bereits ein Insektenhotel, das der Kunstpädagoge Andreas Breitenstein zusammen mit Mitarbeitern des Martinshofs und des DRK-Sozialwerks in diesem Jahr errichtet hat.

Kommunalpolitiker wissen das Engagement des Fördervereins Römerkelter und des Bremer Ratskellers zu schätzen. Landrat Gregor Eibes war gekommen, ebenso Ulf Hangert, Bürgermeister der VG Bernkastel-Kues, Landtagsabgeordneter Alex Licht, der Leiter des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum (DLR) Mosel, Hubert Friedrich, der Präsident des Mosel-Weinbauverbandes, Walter Clüsserath, sowie zahlreiche Weinmajestätinnen, an ihrer Spitze Mosel-Weinkönigin Marie Jostock.

Die neue Ortsbürgermeisterin von Erden, Annette Schumacher-Menningen, weiß, dass ihre Gemeinde dem Förderverein Römerkelter und dessen Vorsitzendem Stefan Justen viel zu verdanken hat. Vor zwei Jahren haben Vereinsmitglieder zum Beispiel ein Schutzdach für die zweite römische Kelteranlage, die 1998 neben der bereits ausgegrabenen Anlage entdeckt wurde, errichtet.

Neben Stefan Justen ist Karl-Josef Krötz, Kellermeister des Bremer Ratskellers, der wichtigste Macher des Projekts. Krötz, in Neef an der Mosel aufgewachsen, dessen Mutter aus Erden stammt, kommt immer wieder gerne in seine alte Heimat. Kein Wunder, dass er zum Moselwein eine besondere Beziehung hat. Er wirbt gerne für die so mühsam erzeugten Steillagenweine. Krötz: „Mit solchen Aktionen kann man sehr gut den Weinfreunden im hohen Norden demonstrieren, was es bedeutet, in den Steillagen zu arbeiten.“ Und der Ratskellermeister achtet penibel darauf, dass der aus Erden stammende Senatswein höchsten Qualitätsansprüchen genügt. Krötz. „Was nützt die beste Story, wenn das Produkt nicht stimmt. Dieser Wein muss etwas ganz Besonderes sein.“

 Cornelius Neumann-Redlin, Hauptgeschäftsführer der Bremer Unternehmensverbände, erstmals bei der Weinlese im Erdener Treppchen dabei, ist voll des Lobes über die fruchtbare Zusammenarbeit der Stadt Bremen mit der Gemeinde Erden. Als er aus der Steillage wieder hinabstieg, sagte er schmunzelnd und etwas leicht außer Atem: „Der höchste Bremer Berg steht an der Mosel.“

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