Die CDU wählt neuen Vorstand

Ungewöhnliche Mitgliederversammlung einer gespaltenen CDU: Ob der von allen Rednern beschworene Neuanfang gelingt, ist zweifelhaft. Denn offensichtlich kann sich nur einer der beiden Gegenspieler in der Partei mit dem neugewählten Gremium anfreunden.

Angesichts von mehr als 200 CDUlern sprach Alex Licht am Mittwoch in Traben-Trarbach von einer "ungewöhnlichen" Mitgliederversammlung der Partei. Der CDU-Kreisvorsitzende, der das Treffen leitete, stellte zur Begrüßung fest: "Viele von ihnen sind erstmals bei einer so großen Mitgliederversammlung dabei."
Die Zahl der CDU-Mitglieder im Gemeindeverband ist im vergangenen Jahr von 117 auf 265 in die Höhe geschnellt. Grund dafür ist, dass die beiden Lager innerhalb der CDU, die seit Anfang des Jahres um den Traben-Trarbacher Tourismuschef streiten, kräftig um Unterstützer geworben haben.
Tourismuschef Matthias Holzmann wurde zur Zielscheibe, weil er den letztjährigen Wein-Nachts-Markt organisiert hat und dieser ein unerwartet hohes Defizit eingefahren hat. Die eine Fraktion - sie steht hinter dem CDU-Vorsitzenden Jürgen Römer - hält trotzdem an Holzmann fest. Die andere - sie schart sich um Bürgermeister Ulrich K. Weisgerber - gibt ihm die Schuld und will ihn loswerden.

Dass die Partei weiter gespalten ist, hat sich bei der Mitgliederversammlung trotz des viel beschworenen Neuanfangs deutlich gezeigt. Zum einen bei der Wahl.
Der von Römer als sein Nachfolger empfohlene Winzer Jörg Trossen unterlag dem Polizisten Erwin Haussmann, der sich als ausgleichender Mensch vorgestellt hatte. Das Ergebnis: 95 zu 112 Stimmen.
Als Stellvertreter wurden Klaus Scherer aus Enkirch und Manfred Schorn aus Burg gewählt - ohne Gegenkandidaten. Zwar waren Trossen und das dritte Mitglied des alten Vorstands, Sebastian Bodensteiner, vorgeschlagen worden, doch hatten sie ihre Kandidatur zurückgezogen, nachdem Haussmanns Ergebnis bekanntgegeben worden war.
Für die Wahl der zehn Beisitzer kam von der linken Saalhälfte, in der vor allem Römer-Unterstützer saßen, nur noch ein Vorschlag: Elisabeth Wurzer, die sich selbst ins Spiel brachte, um "mehr Auswahl" zu ermöglichen, wie sie sagte. Sie wurde auch gewählt (siehe Extra).

Hatten sich also bei der Wahl die Weisgerber-Befürworter durchgesetzt? Der Bürgermeister sagt dazu: "Ich habe keine Ahnung, ob die Gewählten zu meinen Befürwortern gehören." Die Kandidaten seien von den Ortsverbänden und Mitgliedern aus der Stadt vorgeschlagen und auf einer Liste vereint worden. Er sei vorsichtig optimistisch, dass nun Ruhe einkehre und der Vorstand zur Sacharbeit zurückfinde.
Ganz anders Jürgen Römer. Er sagte: "Das Schlimme ist, es wird sich nichts ändern. Der Gemeindeverband wird ein Sprachrohr der VG sein." Zuvor hatte sich die Spaltung auch bei der Aussprache gezeigt. Die Schilderungen von Römer und seinem Vorstandskollegen Jörg Trossen kritisierten direkt oder indirekt Weisgerber und dessen Unterstützer, was mit Applaus von der linken Saalhälfte kommentiert wurde.
Die Erläuterungen von Weisgerber und seinem Unterstützer Roland Bender ließen die andere Seite schlecht dastehen und wurden von rechts beklatscht. Der Ton war zuweilen scharf. Bender sagte: "Es wird sich heute zeigen, ob Mehrheiten käuflich sind" und erntete lauten Protest. Auf der anderen Seite monierte Jörg Trossen, es sei nicht fair, was gegen den Tourismuschef, den Gewerbeverband oder andere laufe. Er sprach von Erpressung, Denunziation und Demütigung.

Der neue Vorstand
Vorsitzender: Erwin Haussmann, Stellvertreter: Klaus Scherer, Manfred Schorn
Beisitzer: Harald Peifer, Ralf Cullmann, Bernd Bauer, Nadja Schutz, Thomas Wendthut, Jürgen Hey, Jürgen Tatsch, Horst Bauer, Sascha Kamphoff, Elisabeth Wurzer
Meinung

 Der neue Vorsitzende des Traben-Trarbacher CDU-Gemeindeverbandes, Erwin Haussmann (rechts), und einer seiner beiden Stellvertreter, Klaus Scherer (links).
Der neue Vorsitzende des Traben-Trarbacher CDU-Gemeindeverbandes, Erwin Haussmann (rechts), und einer seiner beiden Stellvertreter, Klaus Scherer (links). Foto: Marion Maier

Ein schwieriger Start
Ein echter Neuanfang sieht anders aus. Auch wenn Bürgermeister Ulrich K. Weisgerber nicht sagen will, dass der neue CDU-Gemeindeverbandsvorstand allein aus seinen Unterstützern besteht, so ist zumindest klar: Von der Gegenseite, der Römer-Fraktion, ist bis auf eine Ausnahme keiner dabei. Doch wenn ich eine Spaltung überwinden will, muss ich beide Lager an einen Tisch holen, sprich in einen Vorstand. Sonst besteht die Gefahr, dass sich die nicht vertretene Seite von vornherein sperrt. Der neue Vorsitzende Erwin Haussmann und seine Vorstandskollegen werden viel Überzeugungskraft brauchen, damit es so weit nicht kommt. Allerdings muss die andere Seite auch offen sein. Jürgen Römer selbst ist zumindest am Wahlabend mit schlechtem Beispiel vorangegangen. m.maier@volksfreund.de