Die Chancen nutzen

GROSSLITTGEN. (peg) Freibadsanierung Manderscheid und kein Ende: Obwohl sie im Verbandsgemeinderat längst beschlossene Sache ist, beantragte Reinhold Graf in der Gemeinderatssitzung noch einmal, sich dagegen auszusprechen.

Um es gleich vorwegzunehmen: Der Antrag der Liste Graf/Weiler, die vor Monaten aus der CDU ausgetreten waren und eine eigene Liste gebildet hatten, wurde mehrheitlich abgelehnt. Reinhold Graf hatte zwar bereits einen Folgeantrag im Gepäck, den er Ortsbürgermeister Karl-Heinz Hubo kurz vor der Sitzung vorgelegt hatte. Das war deutlich zu spät, um in die Sitzung aufgenommen zu werden, aber er durfte den Antrag wenigstens verlesen. Abgestimmt aber wurde also über Grafs Antrag vom 30. Mai. Auch den hatte Graf damals zu spät eingereicht, um in eben jener Sitzung darüber abstimmen zu können: Wieder ein formaljuristischer Fehler, worauf Verbandsbürgermeister Wolfgang Schmitz hinwies. Hitzige Diskussionen und ein leidenschaftliches Plädoyer von Wolfgang Schmitz für die Solidarität der Gemeinden in der gesamten VG waren der Abstimmung vorausgegangen. Dass die VG-Umlage durch die Badsanierung in Manderscheid nicht angehoben wird, hatte Schmitz schon mehrmals beteuert. Beim Gegenrechnen der durch die Baufälligkeit des Bades jedes Jahr auftretenden Wasserverluste und der geplanten Investitionen ergäbe sich unterm Strich keine Mehrbelastung für die Ortsgemeinden. In der Tat stelle die Sanierung eine große Investition dar, aber: "Es ist eine Umschichtung von Kapital in eine, wie ich meine, lebenswerte Zukunft." Schmitz erinnerte an den hohen Stellenwert der Tourismusbranche mit ihren vielen Arbeitsplätzen in der VG. Um die zu erhalten, bedürfe es der nötigen Infrastruktur, zu der das Freibad beitrage, an dessen Finanzierung sich die Stadt Manderscheid mit immerhin 350 000 Euro beteiligt. So billig ist die Sanierung nie wieder zu haben

Insgesamt wird derzeit mit Kosten in Höhe von 2 285 000 Euro kalkuliert, von denen laut - bisher allerdings erst mündlich erfolgter - Zusage 900 000 Euro das Land Rheinland-Pfalz tragen wird. Bleiben zehn Prozent oder 228 500 Euro für den Landkreis und rund 800 000 Euro, die die VG zu tragen hat, rechnete Wolfgang Schmitz vor. Nie wieder sei die Sanierung so günstig zu haben. Man müsse seine Chancen im Leben nützen. Helmut Quint, Sprecher der SPD-Fraktion im VG-Rat, hatte sich dort immer wieder gegen die Notwendigkeit dieser Sanierung ausgesprochen: Mit den Eifelmaaren und den Bädern in Bitburg und Wittlich gibt es genügend Ausweichmöglichkeiten, meinte er. Als einzige Alternative ließe er einen Schwimmteich gelten. Wolfgang Schmitz hielt dagegen: "Dafür gibt es keine Zuschüsse." Hubo, der sich in der VG-Ratssitzung im März der Stimme enthalten hatte, als es um die Sanierung ging - damals hatte noch kein Kostenplan auf dem Tisch gelegen, und die Mehrheit der Großlittgener Ratsmitglieder hatte sich am Telefon dagegen ausgesprochen oder war zumindest verunsichert gewesen - wird ab sofort dafür arbeiten. Harald Schmitz, im März noch dagegen, ist ebenfalls umgestimmt. Anders Maria Wirtz und Marco Schleidweiler: Sie befürchten, dass die Investitionen in den Kindergarten, die Kindergarten- und die Gartenstraße sowie ins Neubaugebiet "Zum Burhecken" Großlittgens Finanzen ohnehin genug belasten. Sechs Ja-, neun Neinstimmen und eine Enthaltung machen den Riss deutlich, der in dieser Frage durch Großlittgen geht. Mehr zur Ratssitzung folgt in einer der nächsten Ausgaben.

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