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Die Container bleiben weiter ein rotes Tuch

Die Container bleiben weiter ein rotes Tuch

So ganz machtlos sind die Landkreise wohl doch nicht: Ander als die Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich will die Bitburg-Prümer Verwaltung gegen eine Firma vorgehen, die Altkleidercontainer in mehreren Eifel-Orten aufgestellt hat. Dies tat sie nach Auskunft von Grundstücksbesitzern, ohne vorher gefragt zu haben.

Wittlich/Bitburg. Erwin Heck lässt nicht locker. Auch dem Großlittger hat ein Altkleiderunternehmen ungefragt Sammelcontainer auf sein Privatgrundstück gestellt. Das will er so nicht hinnehmen. Er versucht alles, damit die Behälter wieder abgeholt werden. Nach seinen Informationen steht die auf den Containern vermerkte "AG Textilverbund Frankfurt" in Verbindung mit der Bicker GmbH in Marburg. Der Versuch einer telefonischen Kontaktaufnahme mit diesem Unternehmen läuft ähnlich wie bei der Nummer der AG Textilverbund ins Leere (der TV berichtete). Unterlagen nicht vollständig

Unzufrieden ist der Großlittger mit der Bernkastel-Wittlicher Kreisverwaltung, die seiner Meinung nach aktiver gegen die Aufsteller der Container vorgehen könnte und müsste. Nach Auskunft von Manuel Follmann, Pressesprecher der Kreisverwaltung, hat die "AG Textilverbund Frankfurt" angezeigt, dass sie im Kreisgebiet Kleider sammeln will. Die vom Unternehmen vorgelegten Unterlagen seien zwar nicht vollständig gewesen. Follmann verweist in diesem Zusammenhang auf ein Urteil des Verwaltungsgerichts Würzburg. Das war der Auffassung, dass eine Kreisverwaltung von einem Sammler nicht verlangen darf, dass dieser unter anderem alle Containerstandorte mitteilt oder dieser nachweist, dass die Behälter dort stehen dürfen, wo sie stehen. Deshalb seien der Behörde mehr oder weniger die Hände gebunden. Anders sieht das die Kreisverwaltung in Bitburg. Auch im Eifelkreis Bitburg-Prüm sind beispielsweise in Bitburg-Erdorf oder Irrel über Nacht Altkleidercontainer aufgestellt worden, ohne dass die Grundstückseigentümer dazu ihre Zustimmung gegeben haben. Erdorfs Ortsvorsteher Werner Becker sagt, dass die betroffenen Grundstücksbesitzer bereits die Eigentümer der Container aufgefordert haben, die Behälter zu entfernen. Auch Monika Hau, Leiterin des Regiebetriebs Abfallwirtschaft, wird diese Angelegenheit nicht einfach so hinnehmen. Zwar habe die aufstellende Firma wie im Landkreis Bernkastel-Wittlich angezeigt, dass sie sammeln will. Doch auch die in Bitburg eingegangenen Unterlagen seien nicht vollständig gewesen. "Wir haben der Firma daraufhin mitgeteilt, dass sie so lange keine Container aufstellen darf, bis die Unterlagen vollständig sind." Abtransport für 200 Euro

Nach Angaben der Leiterin des Regiebetriebs sind sie bislang nicht vollständig. Daraus ergibt sich nach Auffassung Haus, dass das Aufstellen der Container laut Kreislaufwirtschaftsgesetz eine Ordnungswidrigkeit darstellt. Die kann mit einer Geldbuße in Höhe von bis zu 10 000 Euro geahndet werden. Die Frage nach dem Geld dürfte auch einige Grundstücksbesitzer umtreiben, denen ein Container aufs Grundstück gestellt wurde. Wer nicht über das entsprechende Gerät verfügt, wird wohl oder übel eine Firma beauftragen müssen, den Sammelbehälter abtransportieren zu lassen. Nach Auskunft von Franz Zimmer von der Zimmer Hebezeuge und LKW GmbH aus Wittlich müsse man grob geschätzt mit mindestens 200 Euro rechnen, wenn ein Unternehmen den Auftrag erhält, die Container anzufahren und zu lagern. Meinung

Kreis in der PflichtEs mag sein, dass die Aufsteller von Altkleidercontainern Rechtsanwälte haben, mit denen nicht gut Kirschen essen ist. Doch das kann keine Ausflucht dafür sein, dass die Kreisverwaltung in Wittlich offensichtlich nicht viel mehr als ein Achselzucken für die Bürger übrig hat, denen eine Firma einfach so einen Container aufs Grundstück stellte. Natürlich kann eine Verwaltung nicht die privatrechtlichen Auseinandersetzungen von Bürgern mit der Aufstellerfirma ausfechten. Gleichwohl muss die Behörde alles in ihrer Macht Stehende daran setzen, dass Unternehmen ihre Hausaufgaben machen, ehe sie Container aufstellen. Auch wenn das juristischen Ärger bedeutet. In Bitburg ist man sich dieser Pflicht und Schuldigkeit gegenüber den Bürgern offensichtlich bewusster als in Wittlich. Das wird die betroffenen Grundstückseigentümer im Eifelkreis sicher freuen. Das ist jedoch für Betroffene im Landkreis Bernkastel-Wittlich um so ärgerlicher. h.jansen@volksfreund.deExtra

Laut Bundesverband Sekundärrohstoffe sammeln dessen 130 Mitgliedsbetriebe jährlich rund 750 000 Tonnen Altkleider. 43 Prozent davon werden wieder getragen, 21 Prozent werden beispielsweise zu Dämmmaterial, 16 Prozent werden zu Putzlappen, zehn Prozent werden als Ersatzbrennstoff verfeuert, zehn Prozent werden als Abfall entsorgt. har Extra

Das Sammeln von Altkleidern ist ein lohnenswertes Geschäft. Nach Auskunft von Ilona Schäfer, Pressereferentin beim Bundesverband Sekundärrohstoffe (BVSE) und Entsorgung, treffen seriöse Textilsammler mit dem Eigentümer Vereinbarungen über die Nutzung von Grundstücken. Schäfer berichtet davon, dass illegale Sammler oft nur die tragbaren Textilien abgreifen und den Rest vor Ort oder in legalen Containern entsorgen. "Den Textilrecycling-Fachbetrieben, die für die ordnungsgemäße Entsorgung von Altkleidern sorgen, werden Materialien abgegraben", sagt Schäfer. Das gefährde deren Existenz und Arbeitsplätze. Der Bundesverband rät Grundstückseigentümern, bei illegal aufgestellten Sammelcontainern die Einwurfklappe zuzukleben und mit einem Schild oder Zettel darauf hinzuweisen, dass es sich um eine illegale Sammlung handelt. Zudem sollte der Betreiber mit Fristsetzung augefordert werden, den Behälter zu entfernen. Die "AG Textilverbund Frankfurt" ist kein Mitglied des 1949 gegründeten Branchenverbands. har