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Die Diskussion um das geplante Sondergebiet Hotel und Gastronomie auf dem Kueser Plateau in Bernkastel-Kues geht weiter

Stadtentwicklung : Viel Platz zwischen Nord- und Südpol

Die Diskussion um das geplante Sondergebiet Hotel und Gastronomie auf dem Kueser Plateau geht weiter. In den nächsten zwei Wochen soll es eine Informationsveranstaltung für die Bürger geben.

Normalerweise lauschen wenige Zuhörer den Ausschuss- und Stadtratssitzungen in Bernkastel-.Kues. Bei der Diskussion über den Bebauungsplan des Kueser Plateaus, speziell über die Pläne für ein Sondergebiet Hotel und Gastronomie, ist das anders. Jeweils mehr als 100 Zuhörer waren Augen- und Ohrenzeugen von zwei Ausschuss- und einer Stadtratsitzung. Ein Teil von ihnen, die Anwohner des Plateaus, würden gerne mitreden. Das können sie nun tun. Der Stadtrat hat den Weg für eine Informationsveranstaltung frei gemacht. Sie soll, so Stadtbürgermeister Wolfgang Port, in den kommenden zwei Wochen stattfinden.

Den sogenannten Aufstellungsbeschluss hat der Stadtrat am Montagabend gefasst. Ausgespart hat er dabei aber den Beschluss über die Offenlage. Sie geht einher mit der Möglichkeit, dass Behörden, Kommunen und Bürger schriftlich Anregungen und Bedenken einreichen können. Über die Offenlage wird jetzt in einer der nächsten Stadtratsitzungen. „Dann kann nichts außer Kontrolle geraten“, sagt Port. Vorher passiere nichts.

Die Geschichte dahinter: Der Hotelier Heiner Buckermann will sein Wellnesshotel „Zum Kurfürsten“ mit dem daneben stehenden Hotel Kölchens und dem Appartementhaus „Zur Sonne „ erweitern. Die Angst der Bewohner: Sie glauben, dass Buckermann sich nicht an Bebauungspläne hält. Die Vergangenheit habe das gezeigt. Vielen von ihnen ist der Hotelkomplex jetzt schon zu groß.

Der Hotelier argumentiert mit dem Bedarf und den mehr als 70 Arbeitsplätzen. In dem Gebiet, das derzeit noch als allgemeines Wohngebiet ausgewiesen ist, haben zwei weitere Hotels ihren Sitz. Das Verhältnis zwischen den Inhaber dieser Betriebe und Nachbar Heiner Buckermann ist gespannt - unter anderem weil der vor Jahren ein Bettenhaus baute, dass sehr mächtig wirkt.

Die beiden Nachbarhoteliers sind gegen die Ausweisung als Sondergebiet. Sie haben Angst, dass sie ihre Immobilie nicht mehr als Wohnraum nutzen können, wenn sie irgendwann ihre Betriebe aufgeben. Dem Antrag von Bernd Gelz (SPD), die beiden Betriebe von vorneherein aus dem Sondergebiet herauszunehmen, stimmte die große Mehrheit des Stadtrates nicht zu.

Die Pläne für das Sondergebiet sind in den vergangenen Woche mehrfach geändert worden. Aktuell ist eine Höhenbegrenzung auf 16 Meter im Gespräch. Auf dem Gelände des Appartementhauses „Zur Sonne“ könne ein neues Gebäude von maximal 5,50 Meter Höhe entstehen, sagt Planerin Annette Weber. In der Sonne möchte Buckermann seine Frühstücksräume konzentrieren. Eine geplante Fußgängerbrücke zwischen den beiden Hotels wird es nicht geben.

In der Sitzung des Stadtrates kommt erneut ein Flugblatt von Plateau-Anwohnern zur Sprache. Es enthalte nur Vermutungen, sagt Robert Wies. Er wohnt selbst aus dem Plateau und ist nach eigenen Angaben verbal mehrfach angegangen worden. Die Befürchtungen, unter anderem mehr Lärm und mehr Verkehr, könne er nicht nachvollziehen. Ihn störe auch, dass es „unzählige Ausnahmegenehmigungen“ gegeben habe. Das Bettenhaus sei auch eine „Bausünde ersten Ranges“. Wies: „Das entschuldigt aber nicht die Vorgehensweise mit dem Flugblatt.“

Heiner Buckermann geht das alles zu langsam. Er wird vom Zuhörer zum Redner. „Das gefährdet Arbeitsplätze“ ruft er. Die Ermahnungen des Stadtbürgermeisters nutzen nichts - auch die Drohung ihn des Saales zu verweisen hilft nicht. „Ich gehe von selbst“, sagt der Hotelier. Einige der Zuhörer begleiten den Abgang mit Beifall.

Spätestens in diesem Moment ist der Satz von Ratsmitlied und Plateaubewohner Eric Achtermann Realität: „Die Stimmung dort ist so weit auseinander wie Süd und Nordpol.“