Die eigenen Stärken ausspielen

Dieser Tage rief mich ein Winzer an, der sich über die Weinkolumne vom 20. März ärgerte. Dort war zu lesen, dass die Rotwein-Anbaufläche an der Mosel wieder leicht rückläufig ist. Diese Entwicklung sei nicht zu bedauern, schrieb ich.



"Ohne meine Rotweine könnte ich meinen Betrieb zumachen", beteuerte der Winzer. Um nicht missverstanden zu werden: Ich freue mich über jeden Winzer, der gute Geschäfte mit Rotwein macht. Einige haben auch Erfolg mit Weiß- oder Grauburgunder, andere mit Chardonnay oder Sauvignon blanc. Keine Frage: Was der Kunde verlangt, sollte man ihm auch anbieten. Was ich meine: Oben genannte Rebsorten, aber auch der Spätburgunder und der Dornfelder sollten an der Mosel eine Rarität bleiben. Sie wachsen in sehr guter Qualität auch in anderen deutschen Weinbaugebieten und anderen Weinbauländern. Einzigartig an der Mosel ist hingegen der Riesling, der in sonnigen Lagen auf Schieferboden wächst. Diese Weine gibt es nirgendwo anders auf der Welt. In den 60er und 70er Jahren versuchten viele Winzer ihr Glück mit den sogenannten Neuzüchtungen. Sie versprachen entweder große Erträge und/oder hohe Mostgewichte. Wo diese Entwicklung endete, ist bekannt. Plötzlich gab es zu viel Wein und zu viel Spätlese. Wenn der Rotwein eine Rarität bleibt und die Qualitäten stimmen, hat er auch an der Mosel seine Berechtigung.

w.simon@volksfreund.de