Kunst: Die ersten Schritte in eine neue Blütezeit

Kunst : Die ersten Schritte in eine neue Blütezeit

Ein Förderverein will das Traben-Trarbacher Brückentor zu einem Ort der Erinnerung an den Jugendstil-Architekten Bruno Möhring machen. Die Dauerausstellung wird im Oktober eröffnet. Ihre Einmaligkeit soll sie zu einer Attraktion werden lassen.

Nicht jede Ecke in Traben-Trarbach ist architektonisch wertvoll. Doch die Stadt hat etwas, das es in dieser Menge nicht in der Region oder vergleichbar großen Orten gibt: optisch herausragende Bauten, Zeugnisse des Wohlstands vieler Weinhändler am Ende des 19. und am Anfang des 20.Jahrhunderts. Der Architekt Bruno Möhring (1863 bis 1929) hat die Pläne dazu entworfen. Gebäude wie die Villa Huesgen, das Hotel Bellevue (ehemals Hotel Clauss-Feist), die Villa Breucker oder das ehemalige Kur- und Logierhaus Wildstein (heute Parkschlösschen) fallen jedem ins Auge, der durch die Stadt spaziert. Zu den Prachtbauten des Jugendstils zählt auch das Brückentor. Es überdacht auf der Trarbacher Seite ein kleines Stück der Brücke. In diesem Bauwerk soll ab dem 18.Oktober das architektonische Lebenswerk von Bruno Möhring aus-und dargestellt werden. Ein Förderverein soll dabei helfen, die Erinnerung an die Blütezeit der Stadt wachzuhalten – und vielleicht eine neue Blütezeit einzuleiten.

Die 13 könnte bei dem Vorhaben eine Glückszahl sein. So viele Frauen und Männer haben bei der Gründungsversammlung des Fördervereins „Möhring’s Architekturwelt“ gleich einen Mitgliedsantrag ausgefüllt. Viele weitere sollen folgen. Den Vorsitz führt Stadtbürgermeister Patrice Langer, sein Stellvertreter ist Nils Georg, ein Vertreter der jungen Generation. Heidrun Bernitt, die große Antreiberin des Projekts, wird die Kasse führen und auch als Schriftführerin tätig sein. Jutta Meiser-Sanne und Georg Bauer komplettieren als Beisitzer den Vorstand.

Die in Bernkastel-Kues wohnende Diplom-Designerin Heidrun Bernitt hat schon immer ein Faible für Kunst und Architektur. Mit den Werken von Bruno Möhring will sie im Brückentor eine Dauerausstellung bestücken, die ihresgleichen sucht, aber nicht findet. Es gebe andere Institutionen, zum Beispiel in Berlin, die Möhrings Nachlass verwalten. Die Traben-Trarbach geplante Dokumentation sei aber einmalig, sagt Bernitt.

Das Brückentor, das auch in früheren Jahren schon Kunst beherbergte, sei inzwischen leer geräumt, berichtet sie. Zuletzt befanden sich dort ein Café und ein Trauzimmer der Verbandsgemeinde. In den verschiedenen Räumen und auf den Halbetagen sollen unter anderem Bilder und Pläne aller von Bruno Möhring entworfenen Gebäude und von ihm auch entworfenen Originalgegenstände (Möbel, Lampen, etc.), Bücher und Mappen über sein Leben präsentiert werden. Wohlgemerkt: Dabei geht es nicht nur um Traben-Trarbach, sondern um Möhrings Gesamtwerk. In Berlin beispielsweise hat er drei Brücken, einen Bahnhof und einige Wohnblocks geplant. Sie sind auch noch erhalten.

Mittlerweile befinden sich schon die ersten Stücke an ihrem neuen Platz (der TV berichtete). Es sei aber noch viel zu tun, berichtet Bernitt und nennt den beschädigten Fußboden im Eingangsbereich und die Wände in der ersten Etage, die teilweise voller Steckdosen seien. In den nächsten Tagen werden im Auftrag des Mainzer Kultusministeriums Vertreter des für ganz Rheinland-Pfalz tätigen Museumsverbands an Ort und Stelle sein. Dabei geht es auch um Zuschüsse für die notwendigen Arbeiten. Mit der Gründung des Fördervereins (Mitgliedsbeitrag 24 Euro im Jahr, Vereine, Firmen und Verbände 50 Euro pro Jahr) können nun auch Spenden entgegen genommen werden. „Wir sind über jede Spende glücklich“, sagt Heidrun Bernitt.

Wie kam Möhring eigentlich an die Mosel? Er gewann vor mehr als 120 Jahren den Wettbewerb zum Bau der Traben-Trarbacher Brücke. Im Dezember 1899 wurde sie eingeweiht. Möhring fand Gefallen an der Mosellandschaft. Und die reichen Weingutsbesitzer fanden Gefallen an seiner architektonischen Kunst und ließen sich Prachtvillen bauen. Wegen der unsicheren Witterung und auch weil dann Wein-Nachts-Markt ist, sollen die Brückenfeier und die Ausstellungseröffnung aber nicht zum gleichen Zeitpunkt über die Bühne gehen.

Der Vorstand des neuen Fördervereins (von links): Nils Georg, Patrice Langer, Heidrun Bernitt, Jutta Meiser-Sanne und Georg Bauer. Foto: TV/Clemens Beckmann

Ein wichtiger Punkt bei dem Projekt:  Das Brückentor soll auch wieder gastronomisch genutzt werden, zum Beispiel als Café. Damit wäre auch die Aufsichtsfunktion gewährleistet . Es gebe bereits Anfragen, sagt Stadtbürgermeister Langer. Vor einer Vergabe werde aber eine Ausschreibung stehen. Noch nicht geklärt sei, ob und wie für die Ausstellung ein Eintritt erhoben werde. Der Fördervereinsvorsitzende geht das Projekt optimistisch an. „Wir sind auf einem sehr guten Weg“, so Langer.

Mehr von Volksfreund