Die ersten Stolpersteine in Wittlich sind verlegt

Die ersten Stolpersteine in Wittlich sind verlegt

Auf Initiative der Wittlicher Georg-Meistermann-Gesellschaft verlegte der Künstler Gunter Demnig am Samstag vor der Justizvollzugsanstalt in Wittlich die ersten Stolpersteine in der Kreisstadt. Die Gedenktafeln erinnern an die NS-Opfer Karl-Heinz Scheurer und Jean Daligault.

Wittlich. Die beiden Männer, an die seit Samstag zwei Stolpersteine vor der Pforte der Wittlicher Justizvollzugsanstalt (JVA) erinnern, waren dort Häftlinge des NS-Regimes. Stolpersteine sind in Steine gefasste Messingplaketten, die die Namen von Opfern des Nazi-Regimes tragen und die im Boden vor Orten verlegt werden, an denen diese sich aufhielten. Jean Daligault (1899-1945) ein französischer Priester und Künstler, der sich der Widerstandsbewegung angeschlossen hatte, war von März bis Mai 1943 inhaftiert.
Karl Heinz Scheurer (1916-1941), ein Opfer der Zwangssterilisation, dem die Nazis "angeborenen Schwachsinn" attestierten, saß ab August 1938 dreizehn Monate hier ein. 1941 wurde Scheurer in der Heilanstalt Waldheim in Norddeutschland ermordet. Daligault brachten die Nazis 1945 im KZ Dachau um. Für seinen Stolperstein übernahm der rheinland-pfälzische Bürgerbeauftragte Dieter Burgard die Patenschaft. Zu mahnen und zu informieren sei eine Schuldigkeit gegenüber künftigen Generationen, so Burgard, der auch in seiner Funktion als Vorsitzender der "Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkstätten und Erinnerungsinitiativen zur NS-Zeit in Rheinland-Pfalz" und als Vorsitzender des Fördervereins der Gedenkstätte Hinzert sprach.
Der Historiker Thomas Schnitzler, der die Hintergründe zu den beiden NS-Opfern erforschte, hob den wissenschaftlichen Aspekt hervor: "Wittlich könnte als Gedenkstätte durch justizhistorische Erinnerungsarbeit über seine Grenzen hinweg von sich reden machen." JVA-Leiter Robert Haase und der rheinland-pfälzische Justizminister Jochen Hartloff unterstützen das Bemühen der Georg Meistermann Gesellschaft (GMG), auf deren Initiative die Stolpersteine auf dem Gelände der JVA verlegt wurden. Die Gedenksteine sind gleichzeitig die ersten in der Kreisstadt. Minister Jochen Hartloff sagte: "Es sage niemand, dass eine Kultur des Gedenkens und Erinnerns nicht notwendig ist." Die Verlegung der Stolpersteine vor der Wittlicher JVA sei erst der Anfang. Weitere Justizvollzugsanstalten im Land sollen als Orte für Stolpersteine folgen. In Wittlich will sich die GMG für zukünftige Stolpersteine einsetzen, kündigte Justinus Maria Calleen von der Georg-Meistermann-Gesellschaft an. sys