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Religion
Ein Gotteshaus voller Geheimnisse

 Die Fallerkapelle wurde im Jahr 1718 errichtet und verfügt über eine außen angebrachte Rednerkanzel.
Die Fallerkapelle wurde im Jahr 1718 errichtet und verfügt über eine außen angebrachte Rednerkanzel. FOTO: Markus Philipps
Wittlich. Die Fallerkapelle in Wittlich blickt auf eine mehr als 300 Jahre alte Historie zurück. Um die Ursprünge des geschichtsträchtigen Bauwerks ranken sich verschiedene Theorien. Von Markus Philipps

Die nach dem Wittlicher Fallerberg benannte Kapelle dient alljährlich als Ziel der Karfreitags-Prozession der örtlichen Pfarrgemeinden St. Markus und St. Bernhard. Aufgrund des Fehlens von Urkunden wirft das historische Kirchengebäude große Fragen hinsichtlich seiner Entstehung und Bauherrschaft auf.

Bislang geht die Forschung unter anderem davon aus, dass die Kapelle auf Initiative der früheren Wittlicher Franziskaner im Jahr 1718 errichtet wurde. Nach Angaben des Kunsthistorikers Ernst Wackenroder (Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, 1934) soll das aus Sandstein bestehende Gebäude einst zum nahegelegenen Hofgut Failz und somit zum Besitz des Klosters Himmerod gehört haben.

Laut eines heimatgeschichtlichen Artikels im Wittlicher Kreisblatt vom 15. Februar 1920 wurde das Gotteshaus ursprünglich im späten 15. Jahrhundert errichtet. Darin heißt es: „Die ,Fallerkapelle’ ist eines der ältesten Gebäude unserer Vaterstadt. Erbaut wurde die Kapelle ungefähr 1480 von den Erben des Pastors Arnoltz, Johann Waner (Wagner) und seiner Frau Tryne, Clas (Nikolaus) Krypgin und dessen Frau Else. Arnoltz war in Wittlich geboren und starb als Pastor in Fell. Seine Angehörigen in Wittlich bedachte er in seinem letzten Willen mit Liegenschaften.“ Und weiter: „Erwähnt wird die Kapelle in einer Urkunde vom 18. Oktober 1487 unter dem Namen ,Matthiaskapelle’. Erwähnung findet sie ferner am 9. Dezember 1524, wonach dem Emmrich Tümfins von Bernkastel, Kirchherr (Frühmesser) zu Altrich, den Dienst in der Kapelle übertragen wird. Nach obigem und nach Stiftungen, die der Kapelle zugeführt waren, gehörte die Kapelle ehemals zum Bestand der Pfarrkirche. Seit der Säkularisation der Kirchengüter war sie Stadteigentum, bis 1917 durch Stadtratsbeschluß die Kapelle dem ursprünglichen Besitzer, der katholischen Pfarrgemeinde, endgültig zurückgegeben wurde.“ Die im Text erwähnte Rückgabe wurde am 7. Januar 1921 mit einer Eintragung im Grundbuch der Pfarrgemeinde urkundlich dokumentiert.

Als Anhaltspunkt für das Entstehungsjahr der heutigen Kapelle dient die über dem bogenförmigen Eingang eingemeißelte Zahl 1718. Darüber hinaus wird die auffällige Rednerkanzel an der Außenfassade als entscheidender Hinweis auf die anfängliche Bedeutung des Bauwerkes angesehen. Demnach soll das auf halber Höhe des Fallerbergs stehende Gebäude zunächst als „Behelfskirche“ gedient haben. Von der überdachten Kanzel aus sollen Jesuitenpater im Auftrag einer im Jahre 1707 gegründeten Trierer Mission zu den Gläubigen der Region gepredigt haben. Über eine vergleichbare Außenkanzel verfügt auch die zeitnah in ähnlichem Stil erbaute Fintenkapelle im Wittlicher Nachbarort Bergweiler (siehe Info).

Laut Überlieferung soll der bedeutende Volksmissionar Georg Löfferer am Fallerberg zu zahlreichen Gläubigen der Region gesprochen haben. So habe sich gemäß Angaben zeitgenössischer Berichte die gesamte Bevölkerung der Mittelmosel im Jahre 1719 vor der Fallerkapelle versammelt, um seine Predigten anzuhören und Buße zu tun.

In diesem Zusammenhang muss erwähnt werden, dass die Wittlicher Pfarrkirche zu jener Zeit infolge eines Stadtbrandes im Wiederaufbau begriffen war und daher nicht für Gottesdienste genutzt werden konnte. Das seinerzeit noch unbebaute Gelände des Fallerbergs war überdies ideal geeignet, um eine Vielzahl an Menschen bei großen Predigten und Prozessionen aufzunehmen.

Nach Angaben des Heimatschriftstellers Peter Kremer wurde der „uralte Brauch“ der Karfreitagsprozession zu Wittlich sogar in der religionsfeindlichen Zeit des Nationalsozialismus ohne Unterbrechung aufrechterhalten.

Im Rahmen von Sanierungsarbeiten wurde 2016 ein steinernes Kreuz an einer Seite der Kapelle freigelegt. „Zuerst dachten wir, dass dort auch noch eine Urkunde hinterlegt ist, die auf eine genaues Datum hindeutet“, sagte der ehrenamtliche Helfer Heribert Geiter nach der überraschenden Entdeckung (der TV berichtete am 7. Juli 2016). Damals wurde vermutet, dass das Kreuz aus einer älteren Kapelle stammen könnte.