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Wittlich: Die fast vergessene Geschichte der Holzindustrie

Wittlich : Die fast vergessene Geschichte der Holzindustrie

Die Gründung einer Sperrholzfabrik aus Blomberg/Lippe in Wittlich 1912, eine Schulfreundschaft in Essen in den 1970er-Jahren und ein Urlaub auf Sardinien 2019: ganz unterschiedlichen Ereignisse und Gegebenheiten, die aber trotzdem irgendwie zusammenhängen.

Es ist das Jahr 1912. Fabrikant Bernhard Hausmann aus Blomberg im Lipperland/Ostwestfalen möchte seine Sperrholzfirma erweitern. Gegründet hatte der Erbe einer Sägemühle das Werk in Blomberg bereits 1893. Weil für die Produktion von Sperrholz in der Möbelindustrie Buchenholz benötigt wird, gründet Bernhard Hausmann in Wittlich, wo es um diese Zeit im Umfeld große Buchenbestände gibt, ein weiteres Sperrholzwerk. Dieses entsteht im Jahr 1912/1913 und wird von dem Sohn Ernst Hausmann geleitet. Als im Jahr 1914 der Krieg ausbricht, werden viele Arbeiter und auch Firmenchef Ernst Hausmann eingezogen. Hausmann stirbt bereits in den ersten Kriegstagen. Vier Jahre später wird die Wittlicher Filiale des Blomberger Werks an die Firma J. Brünung u. Sohn verkauft.  Zwei Jahre später geht das Werk an den Berliner Kaufmann Richard Kümmel. Die Firma existiert bis 1964 und ist mit 500 Arbeitern teilweise der größte Arbeitgeber in Wittlich.

Ein großer Sprung in die 1970er-Jahre. Iris lebt mit ihren Eltern Lisa und Diether Uderstädt und ihrer Schwester Birgit im Essener Süden, wo sie das Gymnasium besucht. Schon in den ersten Wochen freundet sie sich mit Nora John, der Autorin dieses Textes, an. Eine intensive Freundschaft, die sich durch die ganzen Siebziger-Jahre hindurchzieht bis zum Abitur 1979. Vieles wird gemeinsam unternommen. Urlaube mit Iris’ oder Noras Familie, Leichtathletiktraining, Reitunterricht, Lateinnachhilfe, Kummer in der Schule, erste Liebe, alles, was zum Teenageralter dazu gehört. Auch ein gemeinsamer Besuch bei Iris’ Großeltern im Lipperland in den Sommerferien gehört zu den gemeinsamen Erlebnissen.

Nach dem Abitur aber gehen beide verschiedene Wege. Iris studiert Sport in Köln, Nora geht macht eine Ausbildung zur Informatikerin in Frankfurt. Die gegenseitigen Besuche werden immer seltener, der Kontakt schläft weitgehend ein.

Und wieder Zeitsprung, diesmal in das Jahr 2019. Ein Klassentreffen in Essen führt Iris, die mittlerweile in der Schweiz lebt,  und Nora, die nahe Wittlich wohnt, wieder zusammen. Ein gemeinsamer Urlaub auf Sardinien, bei dem Iris als Seminarleiterin Feldenkrais, Meditation und Qigong vermittelt, wird schnell geplant. Es folgt eine Woche auf der italienischen Insel, bei der auch Iris’ Mutter Lisa dabei ist.

Ende März dieses Jahres, also bereits während der Corona-Beschränkungen, schreibt Lisa Uderstädt eine Mail nach Wittlich. Ihr steht ein Umzug bevor und beim Sortieren alter Dokumente fallen ihr Unterlagen von der Firma ihres Großvaters Bernhard Hausmann in die Hände, die sie bisher nie richtig gelesen hatte. Und dort erfährt sie erstmals von dem Wittlicher Werk. Es fehlen aber weitere Informationen, wie es dort weiterging und ob es die Firma noch gibt.

 Holzindustrie Wittlich 1914
Holzindustrie Wittlich 1914 Foto: TV/Repro: Birgit Hefer
 Bernhard Hausmann aus dem ostwestfälischen Blomberg hat die Wittlicher Sperrholzfabrik gebaut.
Bernhard Hausmann aus dem ostwestfälischen Blomberg hat die Wittlicher Sperrholzfabrik gebaut. Foto: TV/Repro: Birgit Hefer
 Iris und Lisa Uderstädt, Urenkelin und Enkelin des Firmengründers.
Iris und Lisa Uderstädt, Urenkelin und Enkelin des Firmengründers. Foto: TV/Nora John

Und da wiederum hilft der alte Kontakt aus den 1970er Jahren in die Säubrennerstadt, um das Bild abzurunden und die Geschichte der Wittlicher Holzindustrie für die Gründerfamilie, deren Werk es auch heute noch in Blomberg gibt, weiter zu erzählen.