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Die Fichte ist  das Sorgenkind im Wittlicher Forst

Forstwirtschaft : Die Fichte ist das Sorgenkind

Insgesamt steht der Wittlicher Stadtwald gut da. Allerdings hat  die Fichte mit ihren flachen Wurzeln sehr unter der Trockenheit und dem Borkenkäfer gelitten. Bei verändertem Klima sind neue Wege gefragt.

Mit seinen mehr als 1200 Hektar gehört der Wittlicher Stadtwald zu den 36 größten in Rheinland-Pfalz. Im Vergleich zu anderen von Monokulturen geprägten Wäldern hat dieser die Trockenphasen recht gut überstanden. Revierförster Mario Sprünker berichtet: „Seit 1990 nach den Stürmen Vivian und Wiebke wird der Stadtwald systematisch umgebaut. Die Zielsetzung ist es, zu heimischen laubholzreichen Mischwäldern zu kommen. Trotzdem sind im vergangenen Jahr 1500 Festmeter Fichte der Trockenheit und dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen. „Durch den Klimastress sind die Fichten besonders anfällig für den Borkenkäfer. Wir haben bei der Aufarbeitung der von Borkenkäfer betroffenen Fichten ein finanziell sehr aufwendiges Konzept ohne Pestizide umgesetzt“, sagt Sprünker in diesem Zusammenhang. Und das funktioniert so: Die befallenen Fichten wurden gefällt und die Stämme mehrere Kilometer zu „Trockenlagerplätzen“ transportiert. Dort stehen im Umkreis von zwei Kilometern keine Bäume, der Borkenkäfer findet keine Nahrung und die Population ist gestoppt.

Sprünker: „Wir hatten in der Stadt Wittlich solche Flächen zur Verfügung, aber es war auch sehr aufwendig in der Organisation und kostenintensiv durch den Transport und das Fällen der Bäume.“

Neben der Fichte haben auch die Eiche und Douglasie mit Schädlingen zu kämpfen, bei der Eiche ist es der Prachtkäfer, bei der Douglasie sind es verschiedene Pilze. Auf den Flächen, auf denen die Fichten gerodet wurden, probiert der Revierförster einiges aus. „Man muss die Natur beobachten, sie zeigt einem oft den Weg. In einem Bereich versuchen wir es beispielsweise mit Eiche und Tanne, weil in der Nähe eine Tanne mit bestimmt zehn Festmetern steht. Und wenn die es an diesem Standort schafft, dann können es andere auch.“

In einem anderen Teil des Waldes – zwischen Altrich und Wittlich im Mundwald – hat man der Natur ihren Lauf gelassen und geschaut, was dort von selbst wächst. Die Birke, Douglasie, Buche, Kirsche und Eiche scheinen hier einen geeigneten Standort zu haben. Sie werden freigestellt, und der Förster überlegt, noch Kastanie an den Rändern zu setzen.

Sehr wichtig sind für den Wald weitere Niederschläge. Dazu sagt der Revierförster: „Die Situation im Wasserhaushalt des Oberbodens hat sich entspannt, aber es fehlen noch enorme Wassermengen in den tieferen Schichten.“ Dazu wäre eine längere Frostperiode wichtig, um das Holz ohne größere Schäden an den Wegen abtransportieren zu können. Bäume müssen gefällt werden, bevor sie wieder in die Wachstumsphase kommen, also müsse das jetzt passieren.

Insgesamt ist das finanzielle Ergebnis des Stadtwalds positiv. „Das Ergebnis für 2018 liegt im positiven mittleren vierstelligen Bereich, für 2019 sind die Zahlen noch nicht fertig.“ Für das positive Ergebnis im Jahr 2018 und das wahrscheinlich positive Ergebnis im Jahr 2019 sind vor allem die Eiche und die Douglasie verantwortlich. Sie haben die Preise von etwa 100 Euro pro Festmeter gehalten. Die Fichte hat im vergangenen Jahr 20 bis 25 Euro Verlust eingebracht.

Im Jahr 2020 wird sich der Förster vor allem um die Aufarbeitung der Schäden und den Waldumbau kümmern, dazu zählen mehr Eichen- und Weißtannenkulturen. Auch Verkehrssicherungsarbeiten stehen an. Die Umweltbildung mit Kitas und Grundschulen werden fortgesetzt. Und es werden Pilz- und Kräuterwanderungen angeboten, sowie Wildkochkurse und im kommenden Winter die Waldweihnacht.