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Die Firma Handwai hilft Handwerkern mit künstlicher Intelligenz

Wirtschaft : Mit einer Urlaubsidee auf Erfolgskurs: Die Firma Handwai hilft Handwerkern mit künstlicher Intelligenz

Seit neun Monaten gibt es die Firma Handwai. In dieser Zeit ist sie schon auf zehn Mitarbeiter angewachsen und will im nächsten Jahr weiter expandieren. Experten aus vier Nationen arbeiten mit Hilfe künstlicher Intelligenz daran, Handwerker bei der Analyse von Ausschreibungen zu unterstützen.

Drei Freunde, die sich seit Kindertagen kennen, haben gemeinsam ein Unternehmen aufgebaut, das ein rasantes Tempo vorlegt: Innerhalb von neun Monaten haben sie schon zehn Experten eingestellt, die etwa aus Kamerun, Pakistan oder Indien stammen.

Sie sitzen am Rand des Vitelliusparks in einem großen Büroraum. Auf den Schreibtischen stehen zwei große Monitore, manchmal auch noch ein Laptop zusätzlich. Zu sehen sind darauf Programmierdaten in verschiedenen Farben, bei denen sich Laien an den Film „Matrix“ erinnert fühlen können.

Aber die Dinge, die hier entwickelt werden, sind sehr bodenständig und hilfreich für Handwerker. Ausschreibungen nach der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB) werden mit Hilfe von künstlicher Intelligenz analysiert und zeigen dem Handwerker Möglichkeiten, wo sich Unklarheiten befinden, wo sich Risiken verbergen und wo man zur Konkretisierung nachfragen sollte.

Alexander Schmitz, Geschäftsführer von Handwai erklärt: „Manchmal haben solche Ausschreibungen bis zu 1000 Seiten und es ist ohne großen Zeitaufwand nicht zu erkennen, wo sich Probleme ergeben könnten.“ Ein Beispiel dafür nennt er: „Wenn es beispielsweise um die Verlegung von Stromleitungen geht, wird in der Einheit Meter angegeben. Es kommt aber immer wieder vor, dass als Einheit Stück angegeben ist. Wenn einem das als Handwerker nicht auffällt, kalkuliert man möglicherweise falsch. So kann sich der Gewinn reduzieren.“

Beeindruckt hat Alexander Schmitz eine Studie in den USA, bei der künstliche Intelligenz in einem Angebotsverfahren deutlich schneller in der Analyse war als mehrere renommierte Anwälte.

Auf die grundsätzliche Idee, künstliche Intelligenz im Bereich der öffentlichen Ausschreibungen zu nutzen kamen die drei Freunde, Andreas Scheibe, der selbst mehrere Handwerksfirmen besitzt, Christoph Eckstein, der aus dem Prozess­optimierungsbereich kommt und Alexander Schmitz, der sich als Wirtschaftsinformatiker schon früh mit künstlicher Intelligenz auseinandergesetzt hat, bei einer ihrer gemeinsamen Urlaubsreisen, die sie seit vielen Jahren unternehmen.

„Andreas Scheibe hat dabei erwähnt, wie kompliziert die Ausschreibungen sind und wie zeitintensiv. Darauf haben wir überlegt, inwieweit künstliche Intelligenz Abhilfe schaffen könnte.“ Nach der Idee kam der Name, der sich aus Handwerk und dem englischen Begriff der künstlichen Intelligenz (Artificial Intelligence, Abkürzung AI) zusammensetzt.

Das Unternehmen, das es vor einem Jahr noch gar nicht gab, hat für seine Projektentwicklung eine sechsstellige Innovationsförderung vom Land Rheinland-Pfalz aus EU- Mitteln erhalten. In der Fachpresse wird die Produktidee von Handwai ebenfalls beachtet und als „von Handwerkern dringend benötigt“ anerkannt. Warum die Lüxemer die ersten sind, die auf diese Idee gekommen sind, hängt auch damit zusammen, dass die technischen Voraussetzungen für diese komplexen Zusammenhänge erst seit Kurzem so weit seien, wie Schmitz berichtet.

In Wittlich haben sie ihr Unternehmen gegründet, weil sie an das Potenzial der Kleinstadt glauben und weil ihre Mitarbeiter sich in Wittlich wohlfühlen. Wenn es nach ihm und seinen Mitgesellschaftern geht, wird das Unternehmen im nächsten Jahr wachsen, mindestens fünf Mitarbeiter mehr brauchen sie, um den Kalkulationsvorgang zu automatisieren und eine App zur Digitalisierung des Bauablaufs zu entwickeln.