Die frühere Pracht ist wieder sichtbar

Gastronomie : Die frühere Pracht ist wieder sichtbar

Der Ratskeller der Stadt Bernkastel-Kues steht nach siebenmonatiger Sanierung vor der Wiedereröffnung. Die neuen Pächter stellen sich den besonderen Erwartungen an das erste Haus am Platze.

Was eint Rathäuser in mittelalterlichen Städten? Sie verfügen oft über Ratskeller, in denen Speis und Trank angeboten werden. Der Ratskeller des zu Anfang des 17. Jahrhunderts erbauten Rathauses im Stadtteil Bernkastel diente anfangs allerdings als offene Markthalle, später auch als Spritzenhaus der Feuerwehr. Als Ratsschänke wurde sie nach einem Umbau erst ab 1914 genutzt. Es könnte gut sein, dass damals unter anderem an den Wänden eine Holzvertäfelung angebracht wurde. Mit dieser waren die Räumlichkeiten sicher sehr ansehnlich. Wenn in den nächsten Tagen nach siebenmonatiger Sanierungspause die ersten Gäste wieder begrüßt werden, wird aber die ganze frühere Pracht sichtbar werden.

Die Holzvertäfelung ist dem alten Gemäuer gewichen. Das frühere Eingangsportal zum Rathaus, das versteckt an einer Wand hing, ziert nun einen Aufgang im Gastraum. Dort wurde auch ein Fenster freigelegt, dessen Existenz bisher nicht bekannt war, weil es verdeckt war. Stadtrat, Gastronomen, Geschäftsleute sowie Freunde der neuen Pächter zeigen sich bei der Eröffnungsfeier begeistert. „Vorher war es das Ambiente der 1970er Jahre, jetzt ist es eine Mischung aus alt und modern“, sagt Stadtbürgermeister Wolfgang Port, der im gleichen Gebäude residiert.

Die umfassende Neugestaltung – auch im bisher abgetrennten und jetzt nicht mehr wiederzuerkennenden eigentlichen Keller – dauerte länger als geplant. Denn hinter den Wänden und Fußböden habe es nicht gut ausgesehen, erläutert das Stadtoberhaupt. Feuchtigkeit und teilweise auch Schimmel hätten sich gezeigt.

Port: „Aber es ist ja auch fast 50 Jahre nichts in den Räumen gemacht worden.“ Einen wichtigen Part bei der Neugestaltung spielte der Bauhof. Ein Teil der Mitarbeiter sei unter anderem als Maurer und beim Trockenausbau tätig gewesen, berichtet Bauhofleiter Markus Ruf.

80 Prozent der Arbeiten seien vom Bauhof geleistet worden, sagt Stadtbürgermeister Port. Etwa 80 000 Euro an Material habe die Stadt investiert. Die neuen Pächter, Salvatore Brugellis und Stefano Mangione, haben nach eigenen Angaben noch mehr Geld in Hand genommen, um ihre Wünsche zu erfüllen: eine hochwertige Theke, edle Fliesen und Sitzmöbel. Brugellis rechnet mit einer Investition von 150 000 Euro. „Wir wollen Danke sagen, dass wir hier sein dürfen und dass man an uns geglaubt hat“, sagen die neuen Pächter, die am und in der Nähe des mittelalterlichen Marktplatzes bereits gastronomisch tätig sind. Der neue Ratskeller setze „Ausrufezeichen für Bernkastel-Kues und die Region“, sagt Stadtbürgermeister Port. Salvatore Brugellis und Stefano Mangione wissen um die Erwartungen für das erste Haus am Platze. „Wir schaffen das“, sagt Mangione.

Die Stadt Bernkastel-Kues hat damit nach der Sanierung der Burg Landshut und des Schützenhauses die dritte Investition im gastronomischen Bereich getätigt. Nach Angaben des Stadtbürgermeisters sind die etwa 2,3 Millionen Euro für die drei Objekte aber gut angelegt. Die zusätzliche Attraktivität garantiere höhere Pachteinnahmen.

Die beiden Gastronomen warten noch auf Teile der Kücheneinrichtung. Doch in den kommenden Tagen soll die Tür für bis zu 100 Gäste geöffnet werden. Die Vorfreude ist auf beiden Seiten groß. „Es gibt schon viele Reservierungen“, sagt Salvatore Brugellis.

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