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Die Gemeinde Morbach will ihren Hochwasserschutz ausbauen.

Kommunalpolitik : Wenn die Keller überlaufen

Die Gemeinde Morbach will ihren Hochwasserschutz ausbauen. In einem Zeitraum von drei Jahren sollen Bürger und Betriebe dafür stärker sensibilisiert werden.

In Morbach soll der Schutz vor Schäden durch Starkregen intensiviert werden. Damit hat sich der Haupt- und Finanzausschuss der Einheitsgemeinde in seiner jüngsten Sitzung auseinandergesetzt. Rita Ley vom Informations- und Beratungszentrum Hochwasservorsorge Rheinland-Pfalz hat den Mitgliedern des Ausschusses die Gefahren durch Starkregen vor Augen geführt. Zwar sei die Situation auf dem Hunsrück eine andere als in Flusstälern wie der Mosel. Aber „auch Starkregen kann Hochwasser verursachen und schadensbringend sein“, sagt sie.

Die Einheitsgemeinde sei in diesem Jahr noch glimpflich davongekommen. Talling in der Verbandsgemeinde Thalfang sei innerhalb von kurzer Zeit zweimal von solchen Ereignissen betroffen gewesen, Orte in der Eifel sogar dreimal innerhalb von vier Wochen. „Dass es in Morbach nicht zu Schäden gekommen ist, ist reiner Zufall“, sagt sie. Starkregen, häufig in Verbindung mit Gewitter, sei nicht vorhersehbar und könne immer auftreten. „Jeder, der betroffen sein kann, muss selber Vorsorge betreiben.“ Von 2001 bis 2017 seien 6,4 Prozent der Wohngebäude von Schäden durch Stark­regen oder Hochwasser betroffen gewesen. Die Schäden summierten sich auf 345 Millionen Euro Schaden.

Doch wie kann die Gemeinde die Bürger sensibilisieren, solchen Schäden vorzubeugen? Das sei eine Gemeinschaftsaufgabe von Behörden, Betrieben und Bürgern, sagt Ley. „Es gibt keine Pauschalrezepte. Konzepte müssen individuell erstellt werden.“ Was bedeutet: Jeder der Morbacher 19 Ortsteile muss individuell betrachtet werden. Welche Risikostellen bestehen? Was können die Bürger tun? Und welche Lösungen sind im öffentlichen Bereich denkbar und umsetzbar? Erreicht werden soll die Sensibilisierung durch die Beteiligung von Bürgern an Foren. Ley schlägt vor, die 19 Ortsteile in drei Blöcke zusammenzufassen und diese dann jeweils gemeinsam zu bearbeiten. Diese Blöcke könnten teilweise parallel laufen und in drei Jahren abgeschlossen sein, was der Morbacher Bürgermeister Andreas Hackethal als „sehr ambitioniert“ bezeichnet.

Die beabsichtigte Bürgerbeteiligung sehen die Mitglieder des Ausschusses kritisch. Achim Zender von den Freien Wählern moniert, dass das zu lange dauere und die Bürger durch immer mehr Beteiligung wie bei den zahlreichen Treffen zu Dorfmoderationen „mürbe“ würden. „Die Bürger müssen selbst was machen. Das ist wichtig“, entgegnet Ley. „Bewusstsein schaffen und wecken ist Aufgabe fürs Bürgerforum“, stimmt Hackethal ihr zu. Beispielsweise könnten kleine Mäuerchen bereits verhindern, dass Wasser in Keller hineinlaufe. Auch Rückstauklappen gebe es in vielen Häusern nicht. „Dringlich ist es auf jeden Fall“, sagt Ley auf eine entsprechende Frage von Frank Klein von der FDP. „Es weiß heute niemand, wann es ihn trifft. Das sollte man angehen.“ Hacke­thal weist auf die vier Millionen Euro hin, mit denen die Gemeinde auch mit Hilfe einer 88-prozentigen Förderung des Landes an den Bachläufen der Dhron, des Morbachs und des Erbachs Rückhaltebecken gebaut habe. „Sie haben ihre Aufgabe gut erfüllt.“