Die Glocken von St. Markus

Von Gründonnerstag bis in die Osternacht schweigen überall die Kirchenglocken, auch in Wittlich. Das umfangreichste Wissen zu den fünf Glocken der Wittlicher Markuskirche hat Joachim Krieg. Auch durch seine Initiative ist das Geläut erweitert worden.

Wittlich. Fünf Glocken hat die Markuskirche in Wittlich, eine davon im Dachreiter und vier in der Glockenstube des Turmes. Drei davon sind 1708 durch den Eisenschmittner Glockengießer Matthias Freywaldt gegossen worden. Joachim Krieg ist ein Kenner dieser Glocken und hat dem TV viele Informationen zu den Glocken mitgeteilt. Krieg wohnt seit über 30 Jahren in Wittlich und hat schon immer beim Geläute von St. Markus den fehlenden Grundton vermisst. Durch seine Anregung wurde das Geläut im Jahr 2005 durch den Guss einer neuen Glocke komplettiert. Ebenfalls auf Kriegs Anregung feierten die Wittlicher 2008 das 300-jährige Jubiläum der drei Freywaldt-Glocken. Um den Menschen die Glocken näher zu bringen, führt Krieg gelegentlich Besuchergruppen durch den 52 Meter hohen Turm der Markuskirche. Anmeldungen sind über das Pfarrbüro möglich. Bei Führungen ist Platz genug, sogar soviel, dass sich Joachim Krieg wendig zwischen den vier Glocken hin und her bewegt und mit einem Stab die Glocken anschlägt.

Viele Wittlicher sehen Krieg als "Ansprechpartner für Glockenfragen". Er hat als Fünfjähriger in den Nachkriegsjahren ein prägendes Erlebnis gehabt, nämlich die Glockenweihe in seiner Heimatpfarrei, einer kleinen Schwarzwaldgemeinde. Seither wurde sein Glockenwissen durch das Studium von Fachbüchern immer umfangreicher, nicht zuletzt durch seine frühere berufliche Tätigkeit als Orgelbaumeister.

Hinzu kommt seine Tätigkeit als Sänger im Kirchenchor von St. Markus. "Gesang, Orgel und Glocken gehören zusammen. Das ist Kirchenmusik pur", sagt Joachim Krieg.

Um zu verdeutlichen, wie sämtliche Wittlicher Kirchenglocken "musizieren", soll am 16. Mai "Musik über den Dächern von Wittlich" ertönen. Nach einem detaillierten Plan werden die Glocken aller Wittlicher Innenstadt-Kirchen der Reihe nach ertönen.

Zur Zeit allerdings sind die Glocken nicht zu vernehmen. Von Gründonnerstagabend bis zur Osternacht werden die Glockentöne durch die Klapperkinder ersetzt. Denn auch diese gibt es in der Wittlicher Innenstadt.

Etwa 30 Ministranten und interessierte Kinder und Jugendliche aus den Pfarreien St. Markus und St. Bernhard klappern morgens um 8 Uhr, mittags gegen 12 Uhr und abends um 18 Uhr. Sie teilen sich in Kleingruppen auf und ziehen während der "glockenstummen" Zeit mit ihren Klappern durch viele Wittlicher Straßen sowohl in der Innenstadt als auch in den Wohngebieten bis hoch zum Rollkopf und zum Afferberg. Ostersonntag können die Wittlicher dann die Glockenklänge der Markuskirche wieder hören, und dann in voller Länge, als Festgeläute aller fünf Glocken. Extra Daten zu den Glocken der Markuskirche: Rochusglocke (Ton b°, 155 cm Durchmesser, 2000 kg) 2004 gegossen in Brockscheid; Markusglocke (Ton d', 130 cm Durchmesser, 1400 kg), Muttergottes- und Johannesglocke (Ton f', 116 cm Durchmesser, 1000 kg), Sebastian- und Donatusglocke (Ton g', 102 cm Durchmesser, 680 kg), alle drei 1708 von Matthias Freywaldt aus Eisenschmitt gegossen. Diese vier hängen in der Glockenstube. Im Turm sind es 116 Stufen bis zur Glockenstube, bis zur Decke der Glockenstube 148 und insgesamt 184 Stufen für den, der einen Blick aus der Turm-Laterne wagt. Die gesamte Turmhöhe einschließlich Wetterhahn: etwa 52 Meter. Die fünfte Glocke im Dachreiter: Joseph- und Annaglocke (Ton g", 55 cm Durchmesser, 116 kg) 1775 von C. Schmid in Trier gegossen. (ger)