Die große Leere in der Innenstadt - Wenige Besucher in Bernkastel-Kues im Winter

Die große Leere in der Innenstadt - Wenige Besucher in Bernkastel-Kues im Winter

Neun Monate voll, drei Monate leer: Das ist in der Urlauberhochburg Bernkastel-Kues so. Es gibt Bestrebungen auch den Winter zu beleben. Damit zumindest die Gäste, die trotzdem kommen, wissen wo die Türen offen sind.

Bernkastel-Kues. Winter in Bernkastel-Kues: Das ist ein heißes Thema und wird es auch immer bleiben. Weil die Stadt von Ostern bis in den Spätherbst überlaufen ist, fällt die Diskrepanz in den Monaten Januar und Februar, besonders auf. Als der TV das Thema im vergangenen Jahr aufgriff, wurde zumindest eine kleine Lawine, in Form von Leserbriefen, losgetreten.
Die einen sagten, dass die Winterruhe zur Stadt gehöre, weil sie und die Menschen auch einmal durchpusten müssen. Andere klagten, dass zu viele Geschäfte und Gastronomiebetriebe im Winter geschlossen haben oder kritisierten fehlende Absprachen und fehlende aktuelle Veröffentlichungen über Öffnungszeiten. Die Diskussion mündete in einen Ideenworkshop, bei dem die Bürger die Gelegenheit hatten frei von der Leber weg Vorschläge zur Belebung der Stadt in den Wintermonaten zu machen (der TV berichtete).Tour durch die Lokale


Was hat sich seither getan. Der TV hat darüber mit Bianca Waters (Entwicklungsagentur) gesprochen. Sie hat die Ideen gesammelt. Da sie in verschiedenen Bereichen (Tourismus, Kultur, Stadtentwicklung) der Stadt eingesetzt ist hat sie einen Überblick. Denn sie hat auch mit verschiedenen Personen aus Einzelhandel, Gastronomie und Behörden Gespräche über mögliche Aktionen und Projekte geführt.
Eine Erfolgsmeldung gibt es bereits. Am 5. März wird die Idee einer Wein- und Gourmettour durch mehrere Lokale umgesetzt (der TV berichtete). Klar ist: Selbst wenn es mehrere Hunderte Teilnehmer gäbe: Es ist es eine Veranstaltung, die an einem Tag über mehrere Stunden läuft. Das Straßenbild werden die Gäste wahrscheinlich nicht beeinflussen. "Aber es ist ein Mosaikstein" sagt Bianca Waters.
Nicht umgesetzt wird der Vorschlag die Innenstadt in den Monaten Januar, Februar und März für den Verkehr zu öffnen. Waters hat mit Geschäftsleuten und Anwohner gesprochen. Bei den Geschäftsleuten halten sich Pro und Contra etwa die Waage, die Mehrzahl der Bewohner ist dagegen.
"Wir haben viel Zeit investiert", sagt Waters. Sie habe auch eine Testphase befürwortet. Um zu sehen, ob Autofahrer ihr Gefährt abstellen, um Besorgungen zu machen, hätten Kurzzeitparkplätze eingerichtet werden müssen. Polizei und Ordnungsamt hatten aber Bedenken. Tenor: Die Innenstadt würde doch nur als Durchfahrtsstraße angesehen. Außerdem sei das Parken auf dem einen Steinwurf entfernten Großparkplatz im Winter problemlos möglich und von Januar bis Ostern kostenfrei.
Aufgestellt werden dürfen so genannte Passantenstopper - aber nur, wenn genügend Einzelhändler bereit sind sie auch anzuschaffen. Bisher gebe es noch zu wenige Meldungen, sagt Bianca Waters. Die Stadt würde eine Sammelbestellung aufgeben und die Hinweisschilder dann an die Betriebe weitergeben. Mittlerweile, so Waters, habe auch die Gastronomie Interesse angemeldet. Ohne eine größere Resonanz vom Einzelhandel werde die Umsetzung schwer, weil der Preis auch eine Rolle spiele.
Eine Mitarbeiterin des Mosel-Gäste-Zentrums hat die gastronomischen Betriebe abtelefoniert und die Öffnungszeiten im Winter abgefragt. Es gebe auch die Aufforderung diese Zeiten bei einer Änderung zu aktualisieren. Welcher Betrieb geöffnet habe, könne der Gast beispielsweise am Schaukasten am Mosel-Gäste-Zentrum erfahren.
Die Hundstage sind ein Begriff der für den August, den oft heißesten Monat im Jahr, angewendet wird. Die Idee für Hundstage im Winter, besondere Angebote für Herrchen/Frauchen mit Hund, sei bei Einzehändlern und Gastronomen nicht auf fruchtbaren Boden gefallen, vermeldet Bianca Waters. "Viele sagen, sie hätten schon schlechte Erfahrungen gemacht", vermeldet sie. Zum Beispiel, dass Zweibeiner und Vierbeiner von einem Teller gegessen hätten. Es werde aber darüber nachgedacht ein eingezäuntes Areal anzubieten, wo Hunde frei laufen können. Ein mögliches Gelände sei der Kueser Werth, die Verlängerung des Campingplatzes.Interesse an Spotleuchten

Auch diese Bäckerei hat im Januar geschlossen. TV-Foto: Klaus Kimmling. Foto: Klaus Kimmling (m_mo )


Die Stadt sei im Winter zu dunkel, lautete eine Klage. In Nagold (Baden-Württemberg) gebe es an Häusern installierte Spotleuchten. Bianca Waters möchte sich das gerne einmal anschauen, kam aber bisher nicht dazu.
Es gibt ein Projekt, das nichts mit dem Winter zu tun hatten. Es soll versucht werden bei der Außenbestuhlung der Gastronomie ein besseres Bild zu bekommen. Es laufen Bestrebungen einen Katalog mit Mobiliar zu erstellen, das zueinander passt oder sich ergänzt.
Bianca Waters ist jeden Tag in der Stadt. Sie hat festgestellt, dass derzeit auch Betriebe geschlossen sind, die vergangenen Winter geöffnet waren. "Die Stadt kommt mir leerer vor als vergangenes Jahr um diese Zeit", sagt sie. Doch eines ist so sicher wie das Datum von Weihnachten: Ab Ostern brummt die Stadt wieder.

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